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Produktion in der DDR : Ikea bedauert Einsatz von Zwangsarbeitern

  • -Aktualisiert am

Roland Jahn (l.), Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, und Ikea-Geschäftsführer Peter Betzel informieren über die Untersuchung über den möglichen Einsatz von politischen Gefangenen in Produktionsstätten der DDR Bild: dapd

Der Geschäftsführer von „Ikea“ in Deutschland, Peter Betzel, hat den Einsatz politischer Häftlinge bei der Möbelproduktion in der DDR bedauert. Ein Bericht darüber wird „aus Datenschutzgründen“ aber nicht veröffentlicht.

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          Die Möbelfirma Ikea wird den Bericht, den Wirtschaftsprüfer in ihrem Auftrag über den Einsatz von Zwangsarbeit bei der Möbelproduktion in der DDR angefertigt haben, aus Datenschutzgründen nicht veröffentlichen. Das sagte der Geschäftsführer in Deutschland, Peter Betzel, am Freitag in Berlin.

          Im Bildungszentrum des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagenbehörde stellte er auf Einladung der Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG) eine Zusammenfassung vor. Betzel drückte im Namen seiner Firma sein Bedauern über den Einsatz politischer Häftlinge in der Möbelfabrikation aus und stellte in Aussicht, eine wissenschaftliche Studie mitzufinanzieren.

          Ikea habe die Vorwürfe, die im Frühjahr 2012 von ehemaligen Häftlingen gegen westliche Firmen erhoben wurden, „sofort sehr ernst“ genommen und im Mai die Wirtschaftsprüfer mit einer Untersuchung beauftragt. Diese hätten bis Anfang Oktober 1550 Blatt Akten aus der Stasi-Unterlagenbehörde, 20000 Blatt aus den Firmenarchiven und 80000 Blatt aus dem Bundes- und den Landesarchiven gesichtet. Der zu untersuchende Zeitraum war 1960 bis 1990. Ferner seien 90 Gespräche mit Beteiligten geführt worden, von Ende Juni bis Ende August sei eine Hotline installiert worden, um Zeitzeugen zu hören.

          „In einzelnen Produktionsstandorten“, heißt es in der Zusammenfassung, hätten Gefangene „mindestens Zubehörteile auch für Idea-Artikel hergestellt“. Ikea habe „möglicherweise ab dem Jahr 1978, spätestens aber ab dem Jahr 1982“ Kenntnis von dem möglichen Einsatz politischer Gefangener gehabt. „Möglicherweise ab dem Jahr 1978, spätestens ab dem Jahr 1981“ habe Ikea Schritte unternommen, „um den Einsatz von politischen Gefangenen für die Produktion von Ikea-Artikeln auszuschließen.“

          „Anfang der wissenschaftlichen Aufarbeitung“

          Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, sagte bei der Veranstaltung, es werde sich zeigen, wie „weise und angemessen“ es gewesen sei, Wirtschaftsprüfer mit einer solchen Untersuchung zu beauftragen. „Das Mindeste“, das aus der moralischen Verstrickung in das Wirtschaftssystem der DDR folgen müsse, sei ein Beitrag zu historischen Aufarbeitung.

          Sie schlug den Firmen, die in der DDR Produkte fertigen ließen, vor, gemeinsam einen Fonds für hilfsbedürftige SED-Opfer aufzulegen. Der Vorsitzende der UOKG, Rainer Wagner, wies darauf hin, dass schon 1982 auf die Zwangsarbeit von politischen Gefangenen hingewiesen worden sei. Die Ikea-Studie bilde „den Anfang der wissenschaftlichen Aufarbeitung“.

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