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Privatkredit : Ein Häuschen mit Garten

Solist im Kirchenchor: Christian Wulff gärtnert Bild: Localpic / Rainer Droese

Christian Wulff hat sich von der Frau eines Freundes eine halbe Million Euro geliehen. Wirklich von ihr? Und: Was genau ist eine Geschäftsbeziehung?

          Es ist der Abend des vorigen Mittwochs, das Wetter in Berlin ist hässlich. Im „ewerk“, einem ehemaligen Kraftwerk gegenüber vom Bundesfinanzministerium, unterzieht Bundespräsident Christian Wulff sich einem Reaktionstest. Er muss seine Hand einige Zentimeter weit öffnen. Neben ihm steht ein Wissenschaftler, der einen Holzklotz in der Größe einer Zigarettenschachtel dicht über die geöffnete Hand des Präsidenten hält. Wulffs Aufgabe besteht darin, schnell zu reagieren. Wird der Klotz losgelassen, so soll er die Hand schließen und ihn auffangen. Der Klotz fällt, Wulff schließt die Hand, doch das Holzstück ist schon weiter und kracht vor laufenden Kameras und einigen hundert Zuschauern auf die Bühne, dem Präsidenten vor die Füße. Wulff hat zu spät reagiert. Es geht um die Zukunft, genauer gesagt um den „Deutschen Zukunftspreis“ des Bundespräsidenten, mit dem besonders erfolgreiche Forscher an diesem Abend ausgezeichnet werden.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Den meisten wäre es so ergangen wie Wulff an diesem Mittwoch, weil das menschliche Reaktionsvermögen nicht ausreicht, um das Holzstück rechtzeitig zu fassen. Aber bei einem Bundespräsidenten sehen solche Klötzchenversuche reichlich albern aus, sie haben fast etwas Erniedrigendes. Zumal die Frage, wie schnell Wulff reagiert, in diesen Tagen eine ungeheure Bedeutung für den Präsidenten hat. Nicht wegen des Holzklötzchens, sondern wegen einer halben Million, die Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident für den Kauf eines Hauses bekommen hat von . . . ja, von wem eigentlich?

          Eine späte Reaktion

          Wulffs Version heißt, das Geld stamme von der Frau des - beruflich nicht mehr aktiven - Unternehmers Egon Geerkens namens Edith Geerkens. Von ihr habe er „im Zusammenhang mit dem Kauf“ eines Hauses in Burgwedel im Oktober 2008 einen „Privatkredit“ erhalten. Das ließ der Bundespräsident seinen Sprecher, Olaf Glaeseker, am Donnerstag auf dem offiziellen Papier des Bundespräsidialamtes mitteilen. Es war eine späte Reaktion auf einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Die Summe, die Wulff bekam, betrug 500.000 Euro, obwohl das Haus nur 415.000 Euro kostete.

          Der Streit, der seither entbrannt ist, dreht sich darum, von wem Wulff das Geld bekam: von Edith Geerkens oder von ihrem Mann Egon. Das ist wichtig für Wulff, weil er als Ministerpräsident am 18. Februar 2010 vor dem niedersächsischen Landtag gesagt hatte, er habe „in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen“ mit Egon Geerkens gehabt.

          Das Motiv für die Wulffs, das Geld von Frau Geerkens zu nehmen, wird bei genauem Hinsehen weniger klar. Denn offensichtlich hat Frau Geerkens am Markt übliche Zinsen genommen

          Der sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.), seine Frau sei auf die Idee gekommen, den Wulffs das Geld zu leihen, Wulffs Anwälte bestätigten am Freitag, dass das Geld von einem Konto Edith Geerkens’ stamme. Nämliches tat inzwischen der Anwalt von Geerkens. Als damals die Idee mit dem Kredit geboren worden war, sprach aber Egon Geerkens, so stellt der es im Gespräch mit der F.A.S. dar, mit Wulff über die Modalitäten des Vorgangs. Immer drängender stellt sich die Frage: Was eigentlich ist eine Geschäftsbeziehung?

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