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Privatkredit : Ein Häuschen mit Garten

Egon Geerkens sagt, er sei mit Wulffs Vater befreundet gewesen, aber doch deutlich weniger eng als später mit Christian. Die Berichte, er sei ein Skatbruder des Vaters gewesen, seien falsch: „Ich kann überhaupt nicht Skat spielen, noch nicht einmal Mau-Mau.“ Doch väterlicher Freund? Gar Vaterersatz? In einer mehr als 250 Seiten starken Wulff-Biographie aus der Feder des Journalisten Armin Fuhrer taucht der Name Geerkens kein einziges Mal auf, obwohl Fuhrer ausführlich darüber schreibt, wie schwierig es für Wulff war, mit der frühen Trennung der Eltern zurechtzukommen und wie sehr er dafür gekämpft hat, den Kontakt zu seinem leiblichen Vater zu halten. „Bei meinen Recherchen ist Herr Geerkens nicht aufgefallen, als Vaterersatz schon gar nicht“, sagt Fuhrer heute. Geerkens lernte die Familie Wulff erst kennen, als Christian schon ein junger Mann war. Unzweifelhaft gibt es eine enge Bindung, immerhin war Geerkens Wulffs Trauzeuge, lud ihn nach Florida ein, stellte ihm seine Wohnung für die Hochzeitsfeier zur Verfügung.

Bundespräsident Christian Wulff hat am Donnerstag seinen Sprecher unter anderem folgenden Satz verbreiten lassen: „Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.“ Damit gibt er keine Schuld zu, sondern sagt nur, wie er damals besser hätte mit den gegen ihn gerichteten Vorwürfen umgehen können. Er bedauert, dass ein falscher Eindruck habe entstehen können. Kurz vor seinem Auftritt im Februar 2010 vor dem Landtag hatte er im NDR Grundsätzliches über den Umgang von Politikern mit Fehlern gesagt, das an die Rhetorik des gestrauchelten Karl-Theodor zu Guttenberg erinnert: „Ich hoffe sehr, dass man gerade durch das Umgehen mit einem Fehler sich Vorbildhaftigkeit erhält. Die braucht die Politik nämlich.“

Derzeit verlangt die Opposition in Berlin nicht Wulffs Rücktritt. Aber sie erhöht den Druck. „Bedauern reicht nicht“, sagt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, und sieht das höchste Amt im Staat in Gefahr, wenn Wulff hinsichtlich der Vorwürfe nicht „reinen Tisch“ macht. In der Union herrscht Ungewissheit. Längst gezählt sind die Stimmen, die man in der Bundesversammlung hat: „Vier über den Durst.“ Zwei Monate würde es dauern, bis ein neuer Präsident gewählt wäre, sagt einer: „Ist halt so.“

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