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Privatkredit : Ein Häuschen mit Garten

Das Unternehmerpaar Egon und Edith Geerkens

Spätestens hier drängt sich die Frage auf, wer Egon Geerkens eigentlich ist, in welchem Verhältnis er zu Christian Wulff steht. Geerkens kommt aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater war Dreher und angestellt in einem Stahlwerk. Egon selbst hat die Volksschule mit 13 Jahren beendet und war dann Lehrling in einem Elektrobetrieb. Bald nach der Lehre wechselte er in einen anderen Betrieb als Kundendienstmonteur: Er stellte bei der Kundschaft Fernseher auf.

Nach dem Wehrdienst macht er sich selbständig. Er wollte immer schon was Eigenes aufbauen, mit der Einstufung als Selfmademan fühlt er sich gut getroffen. Auf die Geschäftsidee brachte ihn ein Holländer. Der Mann führte Unfallwagen aus Deutschland in die Niederlande ein, machte sie flott und verkaufte sie. Die Einfuhr von Unfallwagen nach Holland kostete weniger Zoll als die von Neuwagen. Geerkens besorgte die Unfallwagen, zunächst auf Provisionsbasis, später als selbständiger Händler. Von seinem niederländischen Geschäftspartner, „einem anständigen Mann“, habe er viel gelernt. Geerkens war da um die 20 Jahre alt. „Mit 20 wusste ich noch nicht einmal, wie man einen Scheck ausstellt“, sagt er heute.

Die Frage, woher er sein Geld habe, findet Geerkens frech

Geerkens lernte später einen Engländer kennen, der mit Antiquitäten handelte. Gemeinsam mit diesem begann er, in Großbritannien Antiquitäten zu kaufen und sie in Deutschland zu veräußern. Zunächst waren seine Kunden Privatleute, später Antiquitätenhändler. Er war Großhändler geworden. Schließlich kam zu seiner eigenen Überraschung ein Juwelier zu ihm und diente ihm das Osnabrücker Juweliergeschäft Gudemann an. Geerkens kratzte seine Ersparnisse zusammen und kaufte das Geschäft, verbesserte und vergrößerte es. „Die Verkäuferin musste mich anlernen“, sagt er heute. 33 Jahre hat er das Geschäft gehabt.

Gleichzeitig begann Geerkens, Häuser zu kaufen, vor allem in der Osnabrücker Innenstadt. „Ich fand es schön, tolle Häuser zu haben“, erzählt er. So wurde er Immobilienverwalter. Die Theaterpassage, eine Geschäftszeile in der Osnabrücker Innenstadt, entwickelte er, indem er seine Häuser miteinander verband. Weitere Immobilien hat er in Berlin am Deutschen Theater und in Marbella, dem Zweitwohnsitz seiner Familie, entwickelt oder gebaut. Die Frage: „Woher haben Sie Ihr Geld?“ findet er frech. „Ich habe 50 Jahre hart gearbeitet. Wer kann denn das schon behaupten.“ Könnte er heute noch einmal anfangen, dann würde er Jurist oder Architekt werden. „Da kann man gestalten.“

Ein väterlicher Freund?

2003 kam ein Wendepunkt. Geerkens erkrankte an Krebs. „Ich war fast tot.“ Er beschloss, die geschäftlichen Aktivitäten aufzugeben und trennte sich von seinen Immobilien. Bis 2007 war alles verkauft, außer den selbst genutzten Immobilien in Luzern und Florida und einem Objekt in Osnabrück. Er musste entscheiden, wo er künftig leben wollte. Zur Auswahl standen Spanien (genauer Marbella), wo seine Frau oft war, und die Schweiz. Er entschied sich für die Schweiz, der ärztlichen Versorgung wegen. „Nichts gegen Deutschland, aber die Schweiz hat mir einfach besser gefallen.“ Steuerliche Motive hätten keine Rolle gespielt, sagt er. Trotz seines Vermögens gehörte Geerkens in Osnabrück nie zu jenem bürgerlichen Establishment, das etwa im Rotary- oder Lions-Club Mitglied ist. Vielleicht hat ihm das den Wegzug erleichtert, vielleicht hat ihn das auch mit Wulff verbunden, der sich ebenfalls aus kleinen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Wulff hat Geerkens dreimal bei offiziellen Auslandsreisen in seiner Delegation mitgenommen, eine Gelegenheit, die er ohne die Beziehung zu Wulff kaum bekommen hätte. In der Beziehung der beiden Männer scheint Geerkens’ Währung das Geld zu sein, Wulffs Währung der Zugang zu höchsten politischen Kreisen.

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