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Privatkredit-Affäre : Und alles für ein Eigenheim

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Das Wohnhaus der Wulffs bei Hannover

Das Wohnhaus der Wulffs bei Hannover Bild: dpa

Mit der zäh tröpfelnden Unterstützung für Bundespräsident Wulff ist die Affäre nicht beendet - in der Unionsfraktion wird zweifelnd abgewartet. Vergleiche mit der sogenannten Flugaffäre von Johannes Rau machen die Runde.

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          Es wird sich zeigen, ob man die sogenannte Kreditaffäre um Christian Wulff in den Reigen der unvorhergesehenen Überraschungen des Jahres 2011 einfügen kann. Noch ist nicht abzusehen, was kommen wird - in der realen Wirklichkeit und in der medialen Realität. Die Angelegenheit um den Kredit über 500.000 Euro, den Christian Wulff im Jahr 2008 von der Unternehmers-Gattin Edith Geerkens erhielt, war jedenfalls, wird berichtet, das Tischgespräch der Abgeordneten von CDU und CSU, die sich am Dienstagabend zu einer vorweihnachtlichen Feier getroffen hatten - in einem Zelt im Schatten des Bundeskanzleramtes. Sorgen gab es und Vermutungen, ob Wulff die Affäre durchstehen könne und werde, dass er - immer noch als Ministerpräsident - im Februar 2010 dem niedersächsischen Landtag zwar nicht die Unwahrheit, aber doch nur die halbe Wahrheit gesagt habe.

          Selbst aus der CDU/CSU-Fraktion wurden - zweifelnd - Hinweise verbreitet, der Fortgang der Dinge sei abzuwarten. Protokollarische Besonderheiten fielen auf. Wie zuvor schon in der Sitzung der CDU/CSU-Fraktion vermieden es Angela Merkel, die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende, und Volker Kauder, der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, in ihren Begrüßungsreden zur Adventsfeier, den Bundespräsidenten ausdrücklich in Schutz zu nehmen. Sie hätten sagen können, sie glaubten den Erklärungen des Bundespräsidenten. Sie hätten die Tischgespräche steuern und die Zweifel beseitigen können. Sie hätten rufen können, es sei ganz und gar ungehörig gewesen, dass die „Bild“-Zeitung ihre Wulff-Kredit-Geerkens-Story veröffentlichte, als sich Wulff gerade auf Staatsbesuch im fernen Arabien aufhielt. Sie taten es nicht.

          Jedenfalls dauerte es lange, bis es unterstützende Erklärungen für Wulff gab. Erst am Mittwoch, also gut 24 Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe, war es so weit. Peter Altmaier, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, war der erste. Mehr und mehr wird er Sprachrohr des Unions-Teils der schwarz-gelben Koalition. Im ZDF-Fernsehen sagte er: „Ich kann kein juristisches Fehlverhalten erkennen.“ Er warne davor, das Amt des Bundespräsidenten zu beschädigen. Er sei sicher, dass Wulff die an ihn gestellten Fragen beantworten werde. „Ich glaube, dass Christian Wulff ein guter Bundespräsident ist. Und deshalb werden sich all diese Dinge auflösen.“

          Es folgten andere. Der niedersächsische CDU-Fraktionsvorsitzenden Björn Thümler sagte im Deutschlandfunk: „Um das, was es sich hier handelt, ist eine Privatangelegenheit der Familie Wulff gewesen.“ Er fügte an: „So gesehen ist die Frage nicht nur korrekt, sondern sehr korrekt beantwortet worden.“ David McAllister (CDU), Nachfolger Wulffs im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten, äußerte sich ähnlich. Wulff habe die Frage nach seinen Geschäftsbeziehungen im niedersächsischen Landtag „formal korrekt beantwortet“, sagte McAllister dem Radiosender „Hit-Radio Antenne“. Er fügte an: „Mich betrübt, dass das deutsche Staatsoberhaupt Gegenstand einer parteipolitischen Auseinandersetzung ist. Das ist bislang in Deutschland unüblich gewesen.“

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