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Spahn verkündet : Priorisierung beim Impfen fällt am 7. Juni

  • Aktualisiert am

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 17. Mai in Berlin Bild: EPA

Vom 7. Juni an soll die Priorisierung bestimmter Gruppen für Impftermine nicht mehr gelten. Alle über 16-Jährigen können sich dann um einen Termin bemühen.

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          Vom 7. Juni an bekommt jeder interessierte Bürger in Deutschland ohne Einschränkung das Recht auf eine Corona-Impfung. Dann soll bundesweit die bislang gültige Priorisierung fallen, die den Zugang zu dem Impfstoff an bestimmte Voraussetzungen wie Alter oder Vorerkrankungen knüpft. Darauf einigten sich am Montag Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Ressortchefs der Länder, wie Spahn mitteilte. Wegen der weiterhin begrenzten Verfügbarkeit der Impfstoffe werde aber nicht jeder sofort einen Impftermin bekommen können.

          „Wir werden weiterhin Geduld miteinander brauchen“, sagte Spahn. „Auch wenn wir die Priorisierung aufheben, wird es nicht möglich sein, alle innerhalb des Junis zu impfen.“ Allerdings werde jeder Impfwillige „bis in den Sommer“ ein Impfangebot bekommen. Bereits vereinbarte Termine würden nun auch nicht hinfällig, sondern sollten wahrgenommen werden. Mit Blick auf die Impfzentren heißt es in dem Beschluss: „Den Ländern ist es unbenommen, die Priorisierung im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten.“

          Außerdem sind bis zum 7. Juni noch mindestens 15 Millionen Erst- und Zweitimpfungen vorgesehen – darunter viele noch entsprechend der Priorisierung. Ebenfalls vom 7. Juni an werden Betriebs- und Privatärzte routinemäßig in die Impfungen einbezogen – von Beginn an ohne Priorisierung.

          Zum erwarteten erhöhten Bedarf an Impfstoff im Juni könnte auch beitragen, dass die europäische Arzneimittelbehörde Ema den Impfstoff von BioNTech/Pfizer für 12- bis 16-Jährige Ende des Monats freigeben könnte und dann auch für diese Personengruppe Impfstoff benötigt wird. Bisher ist für die 16- bis 18-Jährigen nur der Impfstoff von BioNTech zugelassen. Dies dürfte dann auch bei der Altersgruppe ab zwölf so sein.

          Es werde eine Debatte einsetzen, ob es eine besondere Empfehlung für das Impfen von Schülern geben solle, unter denen zuletzt die Corona-Inzidenzen besonders hoch waren, sagte Spahn. Der Gesundheitsminister wollte sich nicht festlegen, wo die Schüler geimpft werden sollten, ob in Impfzentren, Schulen oder Praxen. Man werde mit fünf Bundesländern mit einem besonders frühen Ferienanfang beraten, wie man bei der Impfung vorgehen wolle.

          Priorisierung teilweise bereits aufgehoben

          Einige Länder waren mit der Freigabe in Arztpraxen bereits vorgeprescht. So dürfen sich in Baden-Württemberg seit Montag die Menschen bereits ohne Eingruppierung impfen lassen. Nur der Impfstoff von Moderna bietet sich laut Landesapothekerkammer wegen des Transports nicht für Praxen an. In den baden-württembergischen Impfzentren bleibt die Priorisierung aber erhalten, damit dort Menschen mit hohem Risiko auf jeden Fall zuerst geimpft werden.

          In Bayern soll die Priorisierung bei den Hausärzten im Laufe der Woche fallen. Brandenburg gab lediglich die Prioritätsgruppe 3 vollständig frei. Hessen will von Juni an die Registrierung für die Impfungen für alle Bürger öffnen. Frühere Impf-Freigaben in einzelnen Ländern sollen dem Bundes-Vorschlag zufolge bestehen bleiben können.

          Mit den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson kann man sich schon jetzt ohne Zugehörigkeit zu einer Vorranggruppe impfen lassen. Sie können aber in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben und sind daher in vielen Ländern für mehr als sechzig Jahre alte Personen vorgesehen. Bei Jüngeren sind vorher ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben. Die Aufhebung der Priorisierung solle es erlauben, die Impfkampagne voranzutreiben, hatte Spahn gesagt.

          Mangel machte festgelegte Reihenfolge notwendig

          Eingeführt wurde die amtliche Reihenfolge wegen des anfangs absehbaren Mangels an Impfstoff. Erklärtes Ziel: Menschen mit dem höchsten Risiko auf schwere und tödliche Corona-Verläufe rasch zu schützen. In Gruppe 1 kamen daher mehr als achtzig Jahre alte Personen, Menschen in Pflegeheimen und Gesundheitspersonal mit hoher Ansteckungsgefahr dran. Es folgte die Gruppe 2 mit mehr als siebzig Jahre alten Menschen, mit Erkrankungen wie Krebs, Kita-Erzieherinnen und Lehrkräften an Grundschulen. Inzwischen laufen Impfungen in der dritten und letzten Gruppe, zu der neben den mehr als sechzig Jahre alten Personen auch Berufsgruppen gehören, die nicht im Homeoffice sein können – etwa Verkäuferinnen in Supermärkten und Busfahrer. Eine Gruppe 4 gibt es in der Impf-Verordnung nicht: Dann kommen alle dran.

          Mehr als siebzig Prozent der mehr als sechzig Jahre alten Personen sind mindestens einmal geimpft, fast 25 Prozent vollständig. Mehr als vierzig Millionen Corona-Impfdosen sind insgesamt verabreicht. 37 Prozent der Bundesbürger (30,8 Millionen) sind mindestens einmal geimpft – 11,2 Prozent (9,3 Millionen) voll. Die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften hat das Saarland mit 41,4 Prozent. Sachsen liegt mit 32 Prozent zurück. Bis Ende Mai sollen mehr als vierzig Prozent mindestens einmal geimpft sein. Jeder Siebte werde dann über den vollen Impfschutz verfügen.

          Entwarnung will die Bundesregierung weiterhin nicht geben. Die täglich fallenden Neuinfektionszahlen und die mit großem Schwung laufende Impfkampagne könnten zuversichtlich machen, aber nicht voreilig, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Wir haben noch nicht die Voraussetzungen dafür erreicht, einen genauso entspannten Sommer wie letztes Jahr zu genießen.“ Ziel müsse bleiben, die Zahl der Ansteckungen deutlich weiter zu senken. Vor einem Jahr habe die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz um diese Zeit bei fünf gelegen, erläuterte Seibert – am Montag waren es laut Robert Koch-Institut 83,1 gemeldete neue Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

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