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Internationale Presseschau : „Bundeskanzlerin Merkel gewann die erste Halbzeit“

  • -Aktualisiert am

Manche sehen Merkel als Siegerin der letzten Nacht, andere sehen ihre Position durch den Streit geschwächt. Bild: EPA

Nicht nur in Deutschland sorgt die Regierungskrise für Schlagzeilen. Auch die internationale Presse schaut auf die Geschehnisse in Deutschland – mit gemischten Gefühlen.

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          Die österreichische Zeitung „Der Standard“ ist überzeugt, die CSU habe sich vollkommen verrannt und zerlege sich selbst. „Man kann nicht glauben, was da gerade bei der CSU passiert. Immer noch, nach einer irrwitzigen Nacht, ist offen, wie es nun in der Asylpolitik weitergeht. In der Sache ist man keinen Millimeter weitergekommen.“ Das einzig Klare sei, dass Seehofer sein politisches Schicksal mit dem Konflikt verknüpfe. „Doch was als politisches Druckmittel gedacht ist, ist jetzt nur noch Ausdruck der Verzweiflung.“

          In der Schweiz wird die Krise ähnlich bewertet. Die „Neue Züricher Zeitung“ titelt: „Seehofer in der selbstgebauten Sackgasse“. Seehofer sei schon immer ein Freund der Vieldeutigkeit gewesen. Sein Rücktrittsangebot habe in der Nacht „wieder einmal mehr für Verwirrung als Klarheit gesorgt“. Schließlich fragt die Tageszeitung: „Verlässt er [Seehofer] die Regierung, oder kann ihn Kanzlerin Angela Merkel noch umstimmen? Will sie das nach den Wirren der vergangenen Wochen überhaupt noch?“

          Die französische Tageszeitung „Le Monde“ spricht von einem „Schlüsseltag für Merkel“. Sie schreibt weiter: „Wie auch immer der Ausgang der Regierungskrise sein mag, Merkel wird unweigerlich politisch geschwächt sein.“ Der „Figaro“ sieht das ähnlich: „Merkel ist durch die Krise destabilisiert.“ Ihre Zukunft sei ungewiss.

          Der britische „Guardian“ schreibt: „Seehofers Rücktritt würde der unter Druck stehenden Bundeskanzlerin Angela Merkel vorübergehend eine Atempause verschaffen.“ Er sei seit seinem Amtsantritt als Innenminister zu einem „Erzfeind innerhalb der eigenen Regierung“ der Kanzlerin geworden. „Wenn aber nach Seehofers Ausscheiden sein Nachfolger einen ähnlich konfrontativen Ansatz verfolgen würde, könnte dies ein Ende der historischen Allianz von Merkels CDU mit der bayerischen CSU bedeuten.“ Das wäre für die große Koalition „das faktische Aus“.

          In Spanien kann der Zeitpunkt der Krise nicht nachvollzogen werden. „El País“ schreibt: „Und das alles zu einer Zeit, in der Deutschland in den letzten 25 Jahren noch nie so sicher war. Die Arbeitslosigkeit ist seit der Wiedervereinigung noch nie so niedrig und die Ankunft von Asylsuchenden ist die niedrigste seit 2015.“

          Die dänische Tageszeitung „Politiken“ beschreibt die vergangene Nacht mit einem Fußball-Vergleich: „Bundeskanzlerin Merkel gewann die erste Halbzeit, doch in der Pause änderte die CSU die Taktik und ging am Montag in die zweite Halbzeit.“

          Die „New York Times“ zieht folgendes Fazit: „Die Krise kommt nur drei Monate nach einer Wahl, die Merkels Konservative an die rechtsextreme Partei 'Alternative für Deutschland' und die FDP ausbluten ließ und die sie schwächer als je zuvor in den 13 Jahren an der Macht zurückließ.“

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