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„Prepper“ vor Gericht : Munition und Waffen für den Tag X

Alles ganz harmlos? Marko G. und einer seiner Anwälte in Schwerin Bild: dpa

Ein „Prepper“ soll sich laut Anklage auf den Zusammenbruch des Staates vorbereitet haben. Er tut so, als habe er sich in Untergangsphantasien „hineingesteigert“.

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          Der Richter gestattet der Staatsanwältin im Schweriner Landesgericht sich hinzusetzen, während sie die Anklage verliest. So lange dauert es vorzutragen, was alles an Munition und Waffen beim Angeklagten Marko G. gefunden wurde. Überall bei ihm verteilt: in seinem Haus in Mecklenburg und auf seinem Grundstück, im Büro, der Küche, im Flur, in einer Mülltonne, in Schalen, auf Regalen, in Taschen einer Weste und in Kisten. Die Staatsanwältin verliest viele Minuten lang Zahlen, Namen, Nummern der Munition. Zustand: unverschossen. Nach gut einer Stunde ist die Staatsanwältin fertig. Sie wirft dem Angeklagten Marko G. Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontroll- und das Sprengstoffgesetz vor, zum Teil soll er Munition und Waffen illegal gelagert und gehortet haben. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Als die Staatsanwältin fertig ist mit ihrem Vortrag, macht G., was er schon die ganze Anklageverlesung über gemacht hat: Er lächelt freundlich.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Bei einer Durchsuchung im August 2017 wurden bei dem 49 Jahre alten Marko G. knapp 24000 Schuss Munition gefunden, Waffen zudem und Blendgranaten. Marko G. verfügte damals als Elitepolizist beim SEK des Landes, als Präzisionsschütze und Schießtrainer, über Waffenbesitzkarten, er konnte sich legal Waffen und Munition besorgen. Diese Besitzkarten wurden ihm nach der ersten Durchsuchung entzogen. Trotzdem fanden Polizisten bei einer zweiten Durchsuchung im Juni 2019 noch mal gut 31000 Schuss Munition und Waffen. Darunter unter anderem eine Maschinenpistole vom Typ Uzi. Teile der Munition sind aus Beständen von Landeskriminalämtern und Polizeidienststellen aus dem ganzen Land. Die Uzi war 1993 bei der Bundeswehr in Brandenburg gestohlen worden.

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