https://www.faz.net/-gpf-9m9va

Missbrauch am Aloisiuskolleg : Vergangenheit, die nicht vergeht

  • -Aktualisiert am

Vor allem ein Tatort: In der Villa „Stella Rheni“ lebte Pater Ludger Stüper jahrelang Tür an Tür mit den Jungen. Der amtierende Rektor sagt: „Sie waren ihm ausgeliefert.“ Bild: Marcus Kaufhold

Bis 2007 kam im Bonner Aloisiuskolleg ein Pater mit pädophilen Neigungen zur „Duschaufsicht“ vorbei. Heute setzen die Jesuiten auf Präventionsarbeit. Dem Opferverband genügt das jedoch nicht – auch weil ein ehemaliger Rektor schweigt statt aufzuklären.

          10 Min.

          Die fünf jungen Männer haben es sich auf den braunen Ledersofas schon gemütlich gemacht, als Witold Bresler hereinkommt. Der Pädagoge betreut Oberstufenschüler im Internat des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg. In der Nachmittagsrunde will Bresler diesmal über besonders große Themen mit ihnen sprechen: Werte, Grenzen, Sexualität, Gewalt – und auch über die Geschichte der eigenen Schule. Vergangene Woche hat der Pädagoge den Schülern zur Vorbereitung den druckfrischen „Leitfaden zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt“ ausgeteilt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das 72 Seiten starke Regelwerk soll alle an der kurz Ako genannten renommierten Jesuitenschule für das Problem sensibilisieren, jedes Kind, jeden Jugendlichen, jeden Erwachsenen. Es soll Schülern und Lehrern dabei helfen, Missbrauch zu erkennen; für den Verdachtsfall finden sich im Leitfaden eindeutige Handlungsanweisungen. Opfer sollen sich ermutigt fühlen, rasch Hilfe einzufordern, Täter sollen wissen, dass sie zügig mit Konsequenzen zu rechnen haben. Allen anderen gilt die Botschaft: Es gibt keine Entschuldigung fürs Wegsehen. „Begriffe haben, Namen geben können, darum geht es“, sagt Pater Martin Löwenstein, der seit eineinhalb Jahren Rektor des Gymnasiums mit einem angeschlossenen Oberstufeninternat ist.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.