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25-Jährige wird neue Präses : Markanter Generationswechsel bei der EKD

Neue Präses: Anna-Nicole Heinrich ist bei der 13. Generalsynode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf einem Bildschirm zu sehen. Bild: dpa

Die Evangelische Kirche wählt Anna-Nicole Heinrich in ihr höchstes Laienamt. Die 25 Jahre alte Philosophiestudentin nennt das „verdammt mutig“. In der Wahl spiegelt sich der Wunsch nach Erneuerung wider.

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          „Wie verdammt mutig ist diese Kirche?“, fragt Anna-Nicole Heinrich, kurz nachdem die EKD-Synode sie in das ranghöchste Laienamt der evangelischen Kirche gewählt hat. Die 25 Jahre alte Studentin wird dem Kirchenparlament in den kommenden sechs Jahren als Präses vorstehen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          In der Vergangenheit wurde dieses Amt erfahrenen Politikern wie Gustav Heinemann, Jürgen Schmude oder zuletzt Irmgard Schwaetzer anvertraut. Vermutlich spiegelt sich in der Wahl Heinrichs auch der Wunsch nach Erneuerung, der am Ende der Ära Merkel in der Gesellschaft zunehmend spürbar wird.

          Heinrich gehört einem konservativen Gesprächskreis an

          Anna-Nicole Heinrich steht allerdings quer zu den gängigen Deutungsmustern. Das Profil von Annalena Baerbock passte nämlich ziemlich genau auf Heinrichs Gegenkandidatin Nadine Bernshausen: Anfang vierzig, Grünen-Politikerin, Rechtswissenschaftlerin. Doch Heinrich setzte sich gleich im ersten Wahlgang und mit deutlichem Abstand gegen Bernshausen durch.

          Die Philosophie-Studentin Heinrich, die ihren Lebensunterhalt mit einer Halbtagsstelle bei einer katholischen Frauenbeauftragten an der Regensburger Universität verdient, konnte dabei auf die Unterstützung der „Lebendigen Gemeinde“ zählen. Heinrich gehört diesem konservativen Gesprächskreis innerhalb der Synode selbst an und spricht auch ohne Scheu über Berührungspunkte zum charismatischen oder freikirchlichen Spektrum.

          Zum Glauben fand Heinrich, obwohl ihre aus Thüringen stammende Familie keinen Bezug zur Kirche hatte. Der Vater hatte nach der Wiedervereinigung allerdings eine Stelle als LKW-Fahrer in der katholisch geprägten Oberpfalz angenommen. „Nicht getauft gibt´s hier nicht“, beschied man das Kind in der Schule.

          Anna-Nicole Heinrich entschied sich daraufhin für den evangelischen Religionsunterricht. Sie schätzte die offene Atmosphäre dort und fand Interesse. Sie ließ sich taufen, machte in der Jugendarbeit mit, engagierte sich in Gremien. Seit 2015 gehört sie der EKD-Synode als Jugenddelegierte an. Von Beginn an trat sie dort selbstbewusst auf.

          Die 25-Jährige steht für die Zukunftsthemen Digitalisierung und Kirchenreform

          Ein wichtiger Grund für ihre Wahl dürfte sein, dass Heinrichs Name innerhalb der EKD mit den beiden Zukunftsthemen Digitalisierung und Kirchenreform verbunden ist. 2020 veranstaltete die Studentin, die derzeit einen Master in „Digital Humanities“ macht, einen „Hackathon“. In den Kirchenämtern war man hernach erstaunt, wie die jungen Leute binnen kürzester Zeit sehr konkrete Projekte für eine digitale Kirche auf die Beine stellten.

          Heinrich gehörte zudem dem ranghoch besetzten „Z-Team“ an, das für die inhaltliche Planung der EKD-Reform zuständig war. Sie formuliert aber auch deutlich, dass die Kirche ihre Ausgaben strikt prüfen muss und auch stärker unternehmerisch denken muss. All diesen Mut haben die Synodalen am Samstag belohnt. 

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