https://www.faz.net/-gpf-yk1s

Präimplantationsdiagnostik : Knappe Mehrheit in Ethikrat für Embryonentests

  • Aktualisiert am

Eine knappe Mehrheit der Mitglieder des Ethikrates ist für eine begrenzte Zulassung der PID Bild: dapd

Der Deutsche Ethikrat hat sich gespalten über eine gesetzliche Regelung der Präimplantationsdiagnostik (PID) geäußert. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme sprach sich die Hälfte der 26 Mitglieder für eine begrenzte Zulassung der PID aus, elf Mitglieder forderten ein gesetzliches Verbot.

          1 Min.

          Gut eine Woche vor der ersten Beratung im Bundestag über Gentests an Embryonen hat eine knappe Mehrheit des Deutschen Ethikrats die Befürworter gestärkt. 13 Mitglieder des Gremiums sprachen sich in einer Stellungnahme für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) bei Embryonen aus dem Reagenzglas aus. 11 Ratsmitlieder sind gegen die umstrittene Diagnosemethode. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die PID nicht nur begrenzt werden sollte, sondern auch begrenzt werden kann“, sagte die Vizechefin des Gremiums, Christiane Woopen, am Dienstag in Berlin.

          Woopen vertrat die knappe Mehrheit des Rats für eine begrenzte Zulassung der PID. Der frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, sprach für die Verfechter eines PID-Verbots. Huber hielt den Befürwortern der PID in eng definierten Fällen entgegen, auch eine derartige Zulassung sei ethisch nicht zu vertreten. „Mit ihr würde der Schutz in vitro hergestellter Embryonen (...) in Frage gestellt.“

          Dem Bundestag liegen drei unterschiedliche Gesetzentwürfe vor, über die in der kommenden Woche erstmals beraten wird. Eine Entscheidung ohne Fraktionszwang soll voraussichtlich im Juni fallen. Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf Erbkrankheiten untersucht. Mit der Methode sollen Fehl- und Totgeburten oder Geburten kranker oder behinderter Kinder vermieden werden. Die aussortierten Embryonen sterben ab.

          Im Nationalen Ethikrat waren zwei Drittel für begrenzte Einführung

          Das Vorgängergremium des Deutschen Ethikrates, der Nationale Ethikrat, hatte sich bereits 2003 zur PID geäußert. Damals hatten noch zwei Drittel für eine begrenzte Einführung votiert. Nachdem der Bundesgerichtshof vergangenes Jahr entschieden hatte, dass die PID in Deutschland nach geltendem Recht nicht grundsätzlich verboten ist, will der Bundestag den Umgang mit der Methode in den kommenden Monaten regeln. Der Richterspruch war auch Anlass für die Stellungnahme des Ethikrates.

          Der Deutsche Ethikrat

          Der 2007 per Gesetz eingerichtete Deutsche Ethikrat ist ein Expertengremium, das Bundestag und Bundesregierung bei Fragen von Leben und Tod fachlichen Rat geben soll. Der Rat hat 26 Mitglieder - meist Wissenschaftler, „die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Belange in besonderer Weise repräsentieren“ sollen, wie es in der Selbstdarstellung des Gremiums heißt. Vorsitzender ist der frühere Bundesjustizminister Edzard Schmidt-Jortzig (FDP).

          Die Mitglieder des Deutschen Ethikrats sollen ein breites Meinungsspektrum vertreten. Zu den Aufgaben des Rats gehört es, eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Dabei soll er mit anderen, ähnlichen Gremien zusammenarbeiten. Mindestens einmal pro Jahr ist er Veranstalter öffentlicher Diskussionen zur Lebenswissenschaft. Doch soll sich der Rat auch positionieren: Er soll Stellungnahmen und Empfehlungen an die Politik abgeben. Weil in dem Gremium so viele unterschiedliche Meinungen vertreten sind, sind die Voten aber oft uneinheitlich - so auch die am Dienstag veröffentlichte Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID).

          Weitere Themen

          Welche Gefahr?

          Trump redet Corona klein : Welche Gefahr?

          Während Amerika mit mehr als 50.000 Neuinfektionen am Tag einen neuen traurigen Rekord aufstellt, feiert der Präsident die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Gesundheitsexperten warnen indes mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli vor einem Sturm, der sich zusammenbraue.

          Topmeldungen

          Trump redet Corona klein : Welche Gefahr?

          Während Amerika mit mehr als 50.000 Neuinfektionen am Tag einen neuen traurigen Rekord aufstellt, feiert der Präsident die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Gesundheitsexperten warnen indes mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli vor einem Sturm, der sich zusammenbraue.
          Sigmar Gabriel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD

          Gabriels Job bei Tönnies : Die Kunst des Ausschlachtens

          Der frühere Außenminister nennt die Kritik aus der SPD „neunmalklug“. 10.000 Euro im Monat, die er von Tönnies erhielt, seien in der Branche kein besonders hohes Honorar. Doch das Engagement von Sigmar Gabriel für den Fleischfabrikanten wirft einige Fragen auf.
          Durchnässt und ohne den erhofften Erfolg: Bremens Trainer Florian Kohfeldt beim Relegations-Hinspiel

          Enttäuschung in der Relegation : Bremen steht im Regen

          Gegen den Zweitligaklub 1. FC Heidenheim findet Werder im Hinspiel der Relegation kein Erfolgsrezept. Im alles entscheidenden Rückspiel droht dem Bundesliga-Traditionsverein nun ein Debakel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.