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Traumatisierte Veteranen : Die unsichtbaren Einsatzwunden

Narben auf der Seele: Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die mit traumatischen Störungen aus Auslandseinsätzen zurückkommen, ist stark gestiegen. Bild: dpa

Viele Soldaten kehren psychisch krank von Auslandseinsätzen zurück. Sie fürchten Stigmatisierung und die Bürokratie. Die Bundeswehr sucht noch nach Antworten.

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          Die Bundeswehr verzeichnet einen erheblichen Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Soldaten, die in Auslandseinsätzen gedient haben. Gleichzeitig fehlt es an Behandlungsmöglichkeiten, und die betroffenen Soldatinnen und Soldaten müssen lange auf Termine warten. Das geht aus den Antworten des Verteidigungsministeriums auf Anfragen des AfD-Gesundheitspolitikers René Springer hervor. Die Bundeswehr hat erst vor einigen Jahren begonnen, sich mit den psychischen Folgen der Auslandseinsätze zu befassen, an denen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte etwa eine halbe Million Männer und Frauen teilgenommen haben – in Somalia, in Bosnien-Hercegovina, Kosovo, am Hindukusch. Weil es dabei zumindest in den ersten Jahren eher um Friedenseinsätze ging, hat man Vergleiche etwa mit den psychisch verheerenden Erfahrungen amerikanischer Soldaten im Vietnam-Krieg möglicherweise für abwegig gehalten. Eventuell wirkte auch das Beschweigen der Leiden deutscher Wehrmachtsangehöriger fort, deren psychische Probleme im Vergleich zu den Verbrechen der Nazi-Zeit aus verständlichen Gründen nicht in den Vordergrund gerückt wurden.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Doch inzwischen hat sich das Selbstverständnis im Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und anderen einsatzbedingten Erkrankungen verändert. Seit 2011 werden Statistiken geführt, die Bundeswehr hat Netzwerke geknüpft, an denen sich an den Standorten Ärzte, Geistliche, Sozialdienste und Psychologen beteiligen. An etwa der Hälfte der Standorte bahnen sogenannte Lotsen für Einsatzgeschädigte den Weg durch die Institution und Papierberge. Doch noch liegt vieles im Argen, wie die Antwort der Bundesregierung nahelegt.

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