https://www.faz.net/-gpf-9lfec

BfV-Chef Thomas Haldenwang : Waschen ohne Plätschern

Fast keine Unterschiede zu Maaßen?

Haldenwangs Verhältnis zu Maaßen war vielschichtig. Einerseits sagt er öffentlich, er habe mit dem Chef meist übereingestimmt. Das ist aber nur die eine Seite. Als Maaßen nämlich während des Flüchtlingsdramas von 2015 auf Distanz zur Kanzlerin ging, machte Haldenwang nicht mit. Im kleinen Kreis der höchsten deutschen Sicherheitsbeamten hat er nicht zu denen gehört, welche Merkels Politik ablehnten. Dadurch unterschied er sich von Männern wie dem Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, aber eben auch von Maaßen, seinem Vorgesetzten. Merkels Haltung entsprach Haldenwangs christlichen Überzeugungen. Ihr „Wir schaffen das“ fand er richtig, und wenn er im Ausland darauf angesprochen wurde, war er stolz.

Er ist mit dieser Haltung damals auch diskret an die Öffentlichkeit gegangen. Während Seehofer und Maaßen gegen Merkels Aufnahmepolitik wetterten, beteiligte Haldenwang sich 2016 an einer Internetkampagne unter dem Motto „Christinnen und Christen zeigen Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit“. Sein Bild erschien dort neben dem Bibelspruch „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Andere Teilnehmer wählten den Vers „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.“ Ein klares, aber diskretes Signal. Damals schon hat Haldenwang das Kunststück fertiggebracht, sich von seinem Chef abzusetzen, ohne als illoyal gesehen zu werden.

Bei seinem Debüt vor der Presse hielt er es dann genauso. Die sozialdemokratische Radikalentheorie seines Vorgängers wischte er zwar fort. Als er dann aber explizit gefragt wurde, was ihn denn nun von Maaßen unterscheide, sagte er nur: „Ich hab eine rote Brille, und ich trage keine Weste.“ Also fast nichts. Nur ein paar „Akzente“ werde er verschieben.

Eine andere Sicht auf Chemnitz

Tags darauf wurde das mit den „Akzenten“ dann deutlicher. Er stellte sich dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages vor, Armin Schuster von der CDU hatte den Vorsitz und eröffnete mit einem „toi, toi, toi“. In einem Spiel von Frage und Antwort vollführte Haldenwang ein kunstvolles Menuett: mal ein Schritt hin zu seinem früheren Chef, mal zwei von ihm fort. „Viele Jahre“ habe er „eng und vertrauensvoll mit Herrn Dr. Maaßen gearbeitet“, sagte er. Manchmal aber habe es eben auch „unterschiedliche Auffassungen“ gegeben.

Wie zur Illustration sprach Haldenwang dann über das Thema, mit dem Maaßens Sturz begonnen hatte: die rechtsextremistische Gewalt von Chemnitz. Damals hatten Täter, die vielleicht Migranten waren, einen 35 Jahre alten Mann erstochen. Es folgten rechtsradikale Demonstrationen und Angriffe gegen mutmaßliche Linke und Ausländer. Politiker der AfD zogen an der Seite rechtsradikaler Schläger durch die Stadt. Maaßen aber hatte in einem Pressegespräch kurz darauf die Übergriffe der Radikalen nicht verurteilt. Stattdessen sagte er, damals seien „gezielte Falschinformationen“ zu „rechtsextremistischen Hetzjagden“ gestreut worden.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.