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Porträt des Innenministers : Was will Horst Seehofer?

Horst Seehofer am 25. April 2018 in Berlin Bild: EPA

Horst Seehofer ist jetzt Minister in Berlin. Sein Ziel hat sich nicht geändert: Er will einen Platz in der Geschichte. Je bedeutsamer, desto besser.

          10 Min.

          Vor wenigen Monaten schien Horst Seehofer vor dem Ende seiner Karriere zu stehen. Viele in der CSU hatten ihn satt oder glaubten nicht mehr an ihn. In Bayern war Markus Söder Ministerpräsident geworden, und Seehofer schien hinnehmen zu müssen, dass er in ihm, seinem Feind, vielleicht seinen Meister gefunden hatte.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Doch plötzlich ist er wieder der Mann der Stunde. Kaum ein Tag, an dem er als Bundesinnenminister nicht Gemüter erhitzt, Debatten befeuert – und Ergebnisse liefert: Tarifeinigung im öffentlichen Dienst, Großrazzia im Rotlichtmilieu, Initiativen zur Begrenzung der Einwanderung. In der CSU loben sie ihn. Als noch nicht klar war, ob die CSU so bald wieder in eine Berliner Koalition eintreten würde, hat Seehofer gesagt, er habe einen Ministerposten nun wirklich nicht mehr nötig. Er müsse keinem mehr etwas beweisen. Jetzt will er genau das anscheinend doch.

          Seehofer hat in seinem Leben viel dafür getan, anderen Menschen unerklärlich zu bleiben. Das gilt offenbar sogar für seine Frau. 2013, sagte Karin Seehofer zuletzt in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, habe sie ihn kritisiert, weil er damals schon für 2018 seinen Abschied angekündigt hatte. Sie fand das ungeschickt. Seine Antwort damals: „Das ist höhere Politik.“ Ein nicht ganz unbedeutender Parteifreund, der Seehofer halb aus Bewunderung, halb aus Spott, „den großen Meister“ nennt, zitiert auf die Frage, wer Seehofer sei, Ludwig II., den Märchenkönig: „Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen.“

          Menschen, die das beabsichtigen, wollen sich entweder über andere erheben – oder sich vor ihnen schützen. Auf Seehofer könnte beides zutreffen. Er ist ein von sich selbst tief überzeugter, aber auch ein anfechtbarer, verletzlicher Mensch. Harmlos scheinende Sätze aus Zeitungsartikeln können ihn treffen, im Gespräch mit Journalisten lässt er das dann spüren. Verletzlich zu sein ist in jeder Hinsicht sehr menschlich, auch, weil es für die Verletzlichkeiten anderer sensibilisiert. Im Kontakt mit sogenannten kleinen Leuten weiß er sich klein zu machen. Im Fall von großen oder auch nur mittelgroßen Tieren kann er hingegen Stiche versetzen mit der Zielgenauigkeit eines Hagen von Tronje.

          Seehofer verspottete ihn und warf ihn aus dem Kabinett

          Einer von etlichen Getroffenen war der einstige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Seehofer verspottete ihn erst wegen seiner Eitelkeit als den „Zaren Peter“, dann warf er ihn aus dem Kabinett. Der Geschasste empörte sich: In den „460 Jahren der Familie Ramsauer“ sei noch nie jemand so schwer gedemütigt worden wie er.

          Verletzlich sind also auch andere. Aber Seehofers Verletzlichkeit fällt besonders stark auf, weil sie mit seiner mannsbildhaften Statur kontrastiert. Und weil bei ihm das Bemühen, stark zu erscheinen, besonders ausgeprägt ist. Noch bei seiner allerletzten Pressekonferenz als bayerischer Ministerpräsident Mitte März trat er der nicht allzu verbreiteten Annahme entgegen, er habe Flugangst. Dass er für die Strecke von Berlin nach München meist den Dienstwagen nutze, liege nur daran, dass er im Auto besonders gut lesen und nachdenken könne.

          Seehofer ist achtundsechzig. Gesundheit und Alter sind für ihn hoch sensible Themen – umso mehr, je älter er wird. Der Journalist Peter Müller beschreibt in seinem Buch „Der Machtkampf“, wie er mit Seehofer auf einer Reise in China war. Der Ministerpräsident habe sich dort dem Wunsch der Fotografen verweigert, auf die Große Mauer zu steigen. Begründung: „Auf Befehl geht bei mir gar nichts.“ In Wahrheit sei er einfach zu erschöpft gewesen.

          Seehofer ist öfter an körperliche Grenzen gestoßen. 2002 wäre er fast an einer Herzmuskelentzündung gestorben. In den vergangenen Monaten hatte er zwei Schwächeanfälle, und den politischen Aschermittwoch verbrachte er wegen einer Grippe im Bett. Früher konnte er mit seiner physischen Präsenz jederzeit ein Bierzelt zum Kochen bringen oder einen feindlich gesinnten Saal umdrehen. Inzwischen hat er sich auf stimmschonende Zimmerlautstärke verlegt. Seehofer-Intimi versichern zwar, der CSU-Vorsitzende sei bei stabiler Gesundheit. Andererseits hört man von ihnen auch die trotzige Einschätzung, dass er Söder im Kampf um die Staatskanzlei keine Chance gelassen hätte, wenn er noch so bei Kräften gewesen wäre wie vor zehn Jahren.

          Woher diese Empfindlichkeit?

          Seehofer selbst kommt auf das Thema bei fast jedem Auftritt zu sprechen, mal eher heiter, mal beinahe traurig. Früher hat er sich dafür gerühmt, die bayerische Politik verjüngt zu haben. Jetzt hält er das Alter, wie er Ende Februar vor dem konsularischen Korps in der Staatskanzlei sagte, für eine „abstrakte Systemfrage“, über die viel zu viel debattiert werde. Kurz darauf, bei seinem Besuch des Presseclubs München, lobte er den fast schon obszön vitalen 75 Jahre alten Mannschaftsarzt von Bayern München mit den Worten, dieser laufe „schneller als mancher Spieler“. Ergo: „Jugend ist kein Verdienst, Alter keine Bürde.“ Und als Seehofer in München seine Kabinettsmitglieder für Berlin vorstellte, sagte er über Dorothee Bär, die neue Staatsministerin für Digitales, er wolle mit ihr über das Thema am liebsten keine Diskussion führen, „sonst schau ich vielleicht noch älter aus“.

          Woher diese Empfindlichkeit? Sein Vater war Lastwagenfahrer und Bauarbeiter, manchmal war er arbeitslos. Für den Sohn war nichts selbstverständlich: Der ewige Außenseiter, der Alleiner, wie Franz Müntefering sagen würde, musste immer kämpfen, tricksen, auf der Hut sein. Das galt umso mehr, als er 2008 an die Spitze einer Partei kam, deren Erfolg seit Jahrzehnten darin besteht, dass sie sich stärker gibt, als sie ist. Machtkämpfe verlaufen in der CSU, wie jüngst Peter Gauweiler sagte, nach dem Prinzip „Survival of the fittest“. Markus Söder, mit Anfang 50 voll im Saft, hat das verinnerlicht. Jedenfalls dürfte es kein Zufall sein, dass er in der heißen Phase der Auseinandersetzung mit Seehofer immer mal wieder einen besorgten Hinweis auf dessen Alter und Konstitution fallen ließ.

          Besonders interessant wird es immer dann, wenn Seehofer auf Leute trifft, die sich anderen genauso überlegen fühlen wie er selbst. Oder auf solche, die sich genau wie die CSU notorisch wichtiger machen, als sie sind. Juristen und Journalisten zum Beispiel. Markus Söder, ein gewesener Redakteur des Bayerischen Rundfunks und Doktor der Rechtswissenschaften, ist in gewisser Weise beides. Thomas de Maizière, Seehofers Vorgänger im Amt des Bundesinnenministers, hat es immerhin zum Juristen gebracht hat.

          Der Verwaltungsbetriebswirt Seehofer dagegen ist weder das eine noch das andere. Es muss ihn erheblich geärgert haben, als de Maizière Ende Februar in der F.A.Z. „zurückhaltend“ darauf hinwies, es sei „für einen Verfassungsminister doch sehr hilfreich, wenn er Jurist ist“.

          „Ich bin kein Paragraphenschuster“

          Das stellte Seehofer fundamental in Frage – seine Herkunft, sein politisches Selbstverständnis. Musste er sich so etwas anhören? Er, der seit Jahrzehnten die deutsche Politik mitbestimmte? Und dann auch noch von einem, der (aus seiner Sicht) das Recht in der Flüchtlingskrise eher gebeugt als durchgesetzt hatte? Jedenfalls gab es danach kaum eine Gelegenheit, bei der Seehofer sich nicht über de Maizière lustig gemacht oder über ihn geätzt hätte: beim Empfang der Konsuln, bei einer Festrede zum sechzigsten Jubiläum seiner ehemaligen Realschule in Ingolstadt, sogar auf dem Nockherberg.

          Nach dem Ende des Politiker-Derbleckens stand er dort auf der Bühne mit der Fastenrednerin Luise Kinseher, die gerade öffentlich ihren Rückzug angekündigt hatte. Seehofer, dessen Tage als Ministerpräsident gezählt waren, sinnierte im Zwiegespräch über den Schmerz und die Unvermeidlichkeit des Abschiednehmens. Sein letzter Satz zu Kinseher, bevor er sie umarmte: „Ich hoff’, dass wir uns gesund wiedersehen.“ Sein vorletzter: „Ich bin kein Paragraphenschuster.“

          Im Wort „Paragraphenschuster“ steckt alles, was aus Seehofers Sicht den Juristenmenschen von ihm selbst unterscheidet: dröge ist er, an Weisungen und Verordnungen gekettet, zu großem Denken nicht in der Lage. „Liebe Leut’, wo leben wir? Sollen wir lauter Mäusekinos einrichten?“, fragte er im Presseclub, wobei der Begriff „Mäusekino“ für ihn etwa das ist, was für Franz Josef Strauß die „politischen Pygmäen“ waren. „Dafür“, sagte Seehofer, „brauchen wir aber keine Minister.“

          Seehofers Vorbehalte gegen Journalisten gehen in die entgegengesetzte Richtung. Unterm Strich hält er sie für Großsprecher oder Schönschreiber, die keine Ahnung haben – schon gar nicht von den Zwängen, denen ein Politiker unterliegt. Als sein Innenministerium zum Start seiner Amtszeit ein Foto ins Netz stellte, auf dem er links und rechts von jeweils vier männlichen Staatssekretären eingerahmt war, kriegten sich viele Journalisten gar nicht mehr ein: ewig gestrig! Männerwirtschaft CSU! Und dann auch noch schlecht sitzende Anzüge! Schon die bloße Existenz des Begriffs Heimatministerium war vielen ein Quell billigen Triumphgefühls. Seehofer kann darin bestenfalls Ahnungslosigkeit erkennen. Was für ihn und für die meisten in der CSU viel wichtiger ist: dass er überhaupt acht Staatssekretäre herausverhandelt hat. Und dass er nach wenigen Stunden in Berlin mit einem einzigen Begriff mehr Aufmerksamkeit erzeugen konnte als zum Beispiel die ehemalige CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt in Jahren.

          Eine große kabarettistische Begabung

          Ganz kalt gelassen hat ihn diese Kritik aber dann doch nicht: Jüngst, vor der Vorstandssitzung der CSU, als es eigentlich um Viktor Orbáns Wahlsieg in Ungarn ging und Seehofer dessen demokratische Legitimation hervorhob, wandte er sich, schon halb im Aufzug entschwunden, noch einmal zu den Journalisten um. Mit einem spitzbübischen Lächeln wies er – unter namentlicher Nennung der „Süddeutschen Zeitung“ sowie der F.A.Z. – darauf hin, dass es in den Führungsetagen deutscher Zeitungshäuser doch auch einen starken Männerüberhang gebe.

          Journalisten – wie übrigens auch engste Parteifreunde – liegen oft falsch, wenn es darum geht, Seehofers Verhalten vorherzusehen oder auch nur im Nachhinein zu erklären. Der CSU-Vorsitzende hat dann immer sichtlich Spaß daran, das aufzudecken. Dass er durch missverständliche oder vieldeutige Aussagen oft selbst der Verursacher falscher Einschätzungen ist, übergeht er dabei mit Nonchalance.

          Überhaupt darf man es sich mit Seehofer keineswegs verdrießlich vorstellen. Im Gegenteil. Der Minister ist zweifellos eine große kabarettistische Begabung. Meisterlich, wie er Sätze vor dem mutmaßlich letzten Wort abbricht, um ihnen dann, nach einer kurzen Pause, eine völlig andere Richtung zu geben. Oder wie er auf die Frage, ob er noch einmal Bundesminister werden wolle, die Antwort „Ich strebe es nicht an“ mimisch so begleitet, dass sie sich in ihrer ganzen Bedeutungsfülle vor den Zuhörern auffächert.

          Besonders gut in Form war Seehofer zuletzt bei seinem Besuch des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). In der Pressekonferenz zielte eine Frage nach der anderen darauf ab, warum er, der eigentlich nie ein Hardliner in seiner Partei war, nun einen angeblich so harten Kurs in der Flüchtlingspolitik verfolge. Ob das nicht vor allem mit der Landtagswahl in Bayern zu tun habe? Da sagte ausgerechnet Seehofer, der Taktiker vor dem Herrn: „Kann man sich nur noch vorstellen, dass alles nur noch taktisch ist in Deutschland? Ich mag mir das nicht vorstellen.“ Die Vorsitzende des Amtes, Jutta Cordt, die neben ihm stand, musste sichtlich an sich halten, damit ihr diskretes Dauerschmunzeln nicht in lautes Lachen umschlug.

          „Sie können das alles senden“

          Seehofer hat an so etwas Spaß. Warum auch nicht, der Politikerjob bringt genug Beschwernisse mit sich. Aber natürlich ist sein Umgang mit den Medien auch ein Machtspiel, oder besser: eine Machtdemonstration. Seehofer genießt es, seine Souveränität durch unerwartete Großmut zu dokumentieren. Sein legendärer Satz zu Claus Kleber „Sie können das alles senden“ war ein Ausdruck davon. Manchmal kann die Großmut auch auf Kosten anderer gehen. Zum Beispiel sah der junge Mann, der beim Bamf in Nürnberg Seehofers Pressekonferenz leitete, wie ein begossener Pudel aus, als er mit Rücksicht auf den engen Zeitplan des Bundesinnenministers immer wieder versuchte, die Fragerunde zu schließen. Seehofer wischte das jedes Mal beiseite: nein, nein, er nehme sich die Zeit.

          Seehofer liebt es, wenn der Eindruck entsteht, er sei noch im größten Sturm die Ruhe selbst. Deshalb liebt er auch Situationen, in denen der Stress der anderen diesen Eindruck verstärkt. So geschehen dieses Jahr auf der Klausur der Landtagsfraktion in Kloster Banz, als er amüsiert in ein Zimmer blickte, in dem Journalisten emsig in ihre Computer hackten. Eine andere Episode dieser Art ereignete sich vor vier Jahren, bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kreuth. Für zwölf Uhr war die Abschlusspressekonferenz der ehrbaren Gerda Hasselfeldt vorgesehen. Es wäre für den Parteivorsitzenden Seehofer trotz eines Nachfolgetermins ein Leichtes gewesen, sich neben sie zu stellen und mit ihr zusammen auf die Fragen der Journalisten zu antworten. Stattdessen erschien er fast gleichzeitig, um zehn vor zwölf, vor dem Tagungszentrum, um dann gut zwanzig Minuten lang der Presse Sätze zu sagen wie: „Es läuft viel besser, als Sie glauben.“ Hasselfeldts Statement wurde um eine halbe Stunde verschoben.

          Spontanpressekonferenzen im Stehen sind sowieso eine Spezialität Seehofers. Schon wegen seiner Körpergröße ähnelt er dann einem Monolithen, an dem sich, wie Moos, immer mehr Journalisten anlagern. Manchmal hat man das Gefühl, er spreche dann extra leise, was dazu führt, dass die Journalisten sich eng an eng schmiegen, um zum Beispiel, wie beim Parteitag im Dezember, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum Seehofer den Machtkampf gegen Söder verloren habe. Da passt der alte Satz von Harald Schmidt, als ihn ein Haufen Journalisten mit der Frage bedrängte, wie es eigentlich sei, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden: „Sehen Sie ja.“

          Seehofer nimmt gern für sich in Anspruch, dass trotz aller Volten alles, was er tut und sagt, auf ein Ziel hin gerichtet ist. Aber sogar Parteifreunde bezweifeln das. Öfter hört man aus der CSU die Einschätzung, der Gefühlsmensch Seehofer habe seine Stimmungen nur bedingt im Griff. Dann wird zum Beispiel an seine Aussage im Presseclub erinnert, es habe eine „erhebliche Demontage“ seiner Person gegeben. Gemeint war: durch die Landtagsfraktion. In Wirklichkeit aber untergrub Seehofer mit diesen Worten eigenhändig die vor allem von Söder höchst diszipliniert durchgehaltene Version, wonach sein Rückzug eine „souveräne Entscheidung“ gewesen sei. Bei derselben Gelegenheit bezeichnete er allen Ernstes die Abstandsregel für Windräder als die Entscheidung, auf die er „am meisten stolz“ sei – auch wenn er von den Medien nie danach gefragt werde.

          Seehofer gibt viele Fragen auf

          Nicht nur mit solchen Worten macht er sich kleiner, als er ist. Einer aus der CSU, durchaus kein Feind, sagt: „Seehofer hat bei den Koalitionsverhandlungen einen tollen Job gemacht, er steht eigentlich als Strahlemann da – warum räsoniert er da über die Undankbarkeit der Fraktion und der Welt? Soll man denn jeden Tag das Weihrauchfass schwenken?“ Das meiste, was in den letzten Jahren an Kritischem über Seehofer geschrieben wurde, sei doch von ihm selber gekommen.

          Seehofer gibt viele Fragen auf. Vor allem zwei haben die vergangenen Monate bestimmt: Wie erklärt sich seine Abneigung gegen Söder? Und warum tut er sich noch einmal Berlin an? Zwei Fragen, die vielleicht dieselbe Antwort haben: Dem Bundesminister und CSU-Chef, der gern Biographien großer Männer liest, geht es um seinen Platz in der Geschichte. Darauf lassen jedenfalls Hinweise von ihm schließen. Bei seiner Abschiedspressekonferenz als Ministerpräsident hat er gesagt, dass Berlin in einer höheren „Gewichtsklasse“ spiele als München. Im gleichen Atemzug ließ er wissen, dass vor ihm noch nie ein Minister acht Staatssekretäre gehabt habe. Außerdem habe seiner Erinnerung nach „noch kein Politiker an der Spitze von vier verschiedenen Bundesministerien“ gestanden.

          Söder kommt hier insofern ins Spiel, als Seehofer ihn im Verdacht haben soll, vor zehn Jahren seinen Aufstieg gebremst zu haben, indem er seine außereheliche Affäre an die Medien gab. Belege gibt es dafür nicht, und das Söder-Lager hat das auch stets bestritten.

          Im Moment funktioniert die Aufgabenteilung zwischen den beiden sehr gut, entgegen allen Prognosen. Sollte es Seehofer gelingen, sein Berliner Amt zu prägen und durch konsequentes Handeln die Glaubwürdigkeit der CSU wiederherzustellen, dann könnte er seiner großen Karriere eine letzte spektakuläre Wendung geben. So, wie er es sonst mit seinen Sätzen macht. Die allerletzte Pointe hätte er freilich auch dann nicht mehr in der Hand. Sie könnte im Herbst mit der Verteidigung der absoluten Mehrheit in Bayern folgen. Dann hätte Seehofer genau dem Mann zum Triumph verholfen, den er für ungeeignet hielt, sein Nachfolger zu werden.

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