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Umfrage : Populismus erreicht in Deutschland deutlich weniger Menschen

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Man mit Mütze in Rechsflaggenfarben auf einer Pegida-Demonstration in Dresden (Archivbild) Bild: Picture-Alliance

Nur noch jeder Fünfte bekennt sich einer Studie zufolge zu populistischen Aussagen. Unter dem Abschwung leidet die AfD stark. Kommt es zu einer stärkeren Radikalisierung am rechten Rand?

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          Der Populismus ist in Deutschland laut einer neuen Umfrage offenbar auf dem Rückzug. Nur noch jeder fünfte Wahlberechtigte zeige sich populistisch eingestellt, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag in Gütersloh bei der Vorstellung des „Populismusbarometers“. Dies sei ein Rückgang um mehr als ein Drittel gegenüber Ende 2018. Zugleich warnte die Stiftung vor „Gefahren einer weiteren Radikalisierung am rechten Rand“.

          Im gleichen Zeitraum sei zudem der Anteil der nicht-populistischen Wähler um die Hälfte auf rund 47 Prozent gestiegen, heißt es in der gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung durchgeführten Analyse. Die „Trendwende“ sei in jener Wählerschaft besonders stark, die sich der politischen Mitte zuordne, erklärten die Autoren der Studie. Die Mitte erweise sich „in der Auseinandersetzung mit der populistischen Versuchung als lernfähig und robust“, erklärte der Demokratie-Fachmann der Bertelsmann Stiftung, Robert Vehrkamp.

          Der Rückgang populistischer Einstellungen setzte laut Studie bereits 2019 ein. Dies sei zum einen auf eine „restriktive Migrationspolitik“ der großen Koalition zurückzuführen, was die Mobilisierungskraft der Populisten geschwächt habe, hieß es. Zum anderen seien soziale und wirtschaftliche Fragen stärker in den Vordergrund gerückt. Das gestiegene Vertrauen in die Regierungsarbeit im Verlauf der Corona-Krise habe die Trendumkehr stabilisiert und leicht verstärkt, sagte Vehrkamp.

          Unter den Parteien leidet der Studie zufolge die AfD stark unter dem Abschwung populistischer Einstellungen. Wähler aus der bürgerlichen Mitte hätten vielfach zu den etablierten Parteien zurückgefunden, vor allem zur Union, heißt es in der Studie. Umso dominanter würden demnach unter AfD-Wählern rechtsextreme Positionen. Vehrkamp warnte vor einer „Radikalisierung am rechtspopulistischen Rand“.

          Für die Untersuchung wurden den Angaben zufolge im Juni mehr als 10.000 wahlberechtigte Deutsche repräsentativ befragt. Es handele sich um die fünfte Umfrage im Rahmen des „Populismusbarometers“ seit März 2017. Als populistisch eingestellt gelten demnach Befragte, die sich gleichzeitig zu acht typisch populistischen Aussagen zu den Themen Antipluralismus, Anti-Establishment und Volkshomogenität bekennen.

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