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Fischsterben in der Oder : Polnische Fachleute geben Alge schuld am Fischsterben

  • -Aktualisiert am

Tote Fische im August in der Oder in Schwedt Bild: dpa

Warschau legt einen Bericht über die Ursachen des Fischsterbens in der Oder vor. Die Gründe waren komplex. Die Suche nach Schuldigen geht weiter.

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          Nach dem Fischsterben in der Oder im Sommer haben Vertreter von Behörden und 14 Instituten am Donnerstag in Warschau ihre ersten Schlussfolgerungen präsentiert. Der etwa 300 Seiten starke Bericht dazu soll am Freitag vorliegen. Demnach waren 249 Tonnen toter Fische aus dem Strom geholt worden, der am Unterlauf die deutsch-polnische Grenze bildet. Polens Regierung war wegen ihrer verspäteten Reaktion auf das Fischsterben kritisiert worden. Staatssekretärin Małgorzata Golińska vom Warschauer Klima- und Umweltministerium wies die Behauptung, „dass der Staat versagt habe“ zurück. Auch wurden am Donnerstag keine Unternehmen als mögliche Verursacher genannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

          Katja Gelinsky
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin

          Marek Kajs, Vizechef von Polens Umweltbehörde GDOŚ, sagte, man analysiere immer noch Daten von „hunderten“ Betrieben. „Die These, dass ein einzelner Betrieb durch Abwässer diese Lage verursacht hat, ist falsch.“ In Berichten war vom polnischen Bergbaukonzern KGHM als einem Verursacher die Rede gewesen. Die Wissenschaftlerin Agnieszka Kolada wies darauf hin, dass niedriger Wasserstand sowie Rekordtemperaturen den Zustand des Flusses verschlechtert hätten. Dann seien eine hohe Salz- und Sauerstoffkonzentration hinzugekommen. Quecksilber und Nickel, über die berichtet wurde, seien in ungefährlicher Dosis aufgetreten. Anhand von Satellitenbildern demonstrierte sie, dass eine Algenblüte eintrat.

          Das Fischsterben geht demnach auf die für ihre Toxizität bekannte Alge Prymnesium parvum zurück. In 78 Prozent der untersuchten Fische sei die Alge festgestellt worden. Als Abhilfe empfahl Kolada die ständige Messung der Wasserqualität und Veröffentlichung der Daten. Bei niedrigen Wasserständen müssten Einleitungsgenehmigungen ausgesetzt werden. Das Bundesumweltministerium wird am Freitag seinen Bericht separat vorlegen. Zu einem im August von Warschau angekündigten gemeinsamen Bericht ist es nicht gekommen. Die Organisation Greenpeace verwies auf eigene Proben, die sie auf 550 Kilometer Flusslänge genommen habe. Die am stärksten überhöhten Salzwerte fand sie an einem Rückhaltebecken der KGHM im polnischen Polkwitz.

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