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Asylbewerber aus dem Irak : Polizei sucht dritten Verdächtigen im Chemnitzer Tötungsfall

  • Aktualisiert am

Der Tatort der tödlichen Messerattacke von Chemnitz Bild: dpa

Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz ist ein dritter Mann tatverdächtig: ein irakischer Asylbewerber. Die Polizei veröffentlicht ein Fahndungsfoto. Die Kanzlerin kündigte an, Chemnitz besuchen zu wollen.

          Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz ist ein dritter Mann dringend tatverdächtig, Mittäter gewesen zu sein: Farhad Ramazan Ahmad ist 22 Jahre alt und Asylbewerber aus dem Irak. Er hat laut den Behörden „sein gewohntes Umfeld verlassen“, ist also auf der Flucht. Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Chemnitz begannen am Dienstag eine Öffentlichkeitsfahndung, das Amtsgericht Chemnitz hatte am Vormittag Haftbefehl erlassen. Das Motiv für die Tat bleibe aber unklar, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Dienstag auf Anfrage von FAZ.NET mit.

          Gesucht: Farhad Ramazan Ahmad

          Schon seit etwa einer Woche sitzen ein 22 und 23 Jahre alter Mann wegen der Tat in Untersuchungshaft. Bisher hatten die Behörden die Männer als Iraker und Syrer bezeichnet. Das gilt nun aber nicht mehr als sicher.

          Versäumnisse des Bamf?

          Das Bundesinnenministerium teilte am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 „im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt“ worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. „im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens“ zu verifizieren.

          Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als „Totalfälschungen“ entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

          Wie bereits zuvor bekannt geworden war, war Yousif A. bereits im November 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Eine Rücküberstellung nach Bulgarien, wo er zuvor registriert worden war, wäre zwar grundsätzlich möglich gewesen. Dass dies nicht geschah, ist nach bisherigen Informationen auf Versäumnisse der Ausländerbehörde zurückzuführen.

          Unterdessen kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, demnächst Chemnitz besuchen zu wollen. Sie habe dazu eine Einladung der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) angenommen, teilte die Bundesregierung am Dienstagabend mit. Ein konkreter Termin wurde noch nicht genannt.

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