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Streit um Kölner Polizei : Dein Freund und Sündenbock

Probleme mit jungen Männern aus Nordafrika

Der nordrhein-westfälische CDU-Innenpolitiker Peter Biesenbach kommt auch mit Blick auf die Arbeit der Kölner Ermittler zu einem eindeutigen Schluss: Jeder, der über die Trickdiebszene habe Bescheid wissen wollen, habe Bescheid wissen können. „In Köln ist, wie in anderen Großstädten in Nordrhein-Westfalen, seit längerem hingenommen worden, dass sich eine Trickdiebszene etablieren konnte, die immer größer und immer dreister wird. Auch Innenminister Jäger hat das hingenommen“, sagte Biesenbach im Gespräch mit der F.A.Z.. „Dass sie überwiegend aus nordafrikanischen Männern besteht und sich massiv im Kölner Hauptbahnhof, seinem Umfeld und auf der Treppe der Philharmonie bewegt, konnte jeder wissen, der es wissen wollte.“

Allerdings hat der nordrhein-westfälische Innenminister in der Vergangenheit auch selbst schon darauf hingewiesen, dass es in verschiedenen Städten immer wieder besondere Probleme mit jungen Männern aus Nordafrika gibt. Im Juni legte der Sozialdemokrat - auch als Reaktion auf einen Antrag der oppositionellen CDU - einen Bericht zu dem damals noch recht neuen Kriminalitätsproblem „Antänzer“ vor. Dabei handelt es sich um Trickdiebe, die ihre Opfer mit rhythmischen Bewegungen ablenken, um sie dann bestehlen zu können. Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind in Nordrhein-Westfalen Köln, Dortmund, Düsseldorf und Münster am stärksten betroffen. Zudem stammen die ermittelten Tatverdächtigen überwiegend aus nordafrikanischen Ländern.

Haben sich die Täter vorab verabredet?

Trickdiebe wie diese Antänzer bereiten der Polizei in vielen deutschen Großstädten Sorgen. Während sich Taschendiebe bei Festnahmen eher ruhig verhalten, haben in Köln Antänzer schon mehrfach Bestohlene und auch Polizisten verletzt. Skrupellos setzen sie Messer, abgeschlagene Bierflaschen und Gläser oder auch Gürtelschnallen als Waffen ein. Schon im Sommer 2014 berichtete ein Polizist, der in Zivil in Einsatztrupps Wochenende für Wochenende über die Kölner Partymeilen der Ringe zieht, der F.A.Z. über den neuen Tätertyp. Manchmal hätten die Bestohlenen schlicht Glück gehabt, dass sie nicht tödlich verletzt wurden. Das Gewaltpotential der Diebe sei sehr hoch.

Nach Erkenntnissen der Kölner Ermittler könnte sich der Silvester-Mob vor dem Hauptbahnhof zumindest zum Teil auch aus Antänzern zusammengesetzt haben. Allerdings wählten sich diese Täter bisher vor allem betrunkene Männer als Opfer aus - weil man ihnen das Handy oder die Geldbörse besonders leicht stehlen kann. Innenminister Jäger warnte am Mittwoch davor, die Kölner Ereignisse „mit Antanzen zu verniedlichen“. Es sei gut möglich, dass auch Raub ein Motiv war. „Aber es geht hier um noch schwerere Straftaten: sexuelle Übergriffe auf Frauen. Und da ist eine Begrifflichkeit wie Antanzen nicht adäquat.“ Zur Herkunft der zwischenzeitlichen ermittelten aber noch nicht festgenommenen drei Tatverdächtigen wollte sich Jäger ausdrücklich nicht äußern. „Wir haben noch keinen Täter überführt. Spekulationen sind also völlig verfrüht“, sagte er. Konkrete Hinweise darauf, dass sich die insgesamt rund 1000 Männer vorab über elektronische Medien verständigt haben, lägen nicht vor. „Aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass die sich da nicht immer unbedingt zufällig getroffen haben.“ Am Abend übernahm die Abteilung für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität der Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen. „Tat- und Täterbeschreibungen lassen es derzeit zumindest nicht als ausgeschlossen erscheinen, dass das Geschehen organisierten Täterstrukturen zuzurechnen ist“, teilte die Behörde mit.

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