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Polizei in München : Der Lage voll gewachsen

Wird für seine besonnene und professionelle Arbeit unter höchstem Stress allenthalben gelobt: der Sprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins, am Freitagabend bei einer improvisierten Pressekonferenz. Bild: dpa

Die Lage in München war chaotisch, aber die Polizei hatte sie auffallend gut im Griff. Nicht nur ihr Sprecher wird am Tag nach dem Amoklauf für seine große Professionalität allenthalben gelobt.

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          Der großangelegte Polizeieinsatz in München, bei dem in der Nacht zu Samstag Kräfte aus ganz Deutschland hinzugezogen wurden, zeugt davon, dass sich die bayerische Polizei mit allen zu Gebote stehenden Mitteln auf Lagen wie diese einzustellen vermag. Gegen 17.50 hatten die ersten Zeugen bei der Polizei angerufen und eine Schießerei im Bereich der Hanauer Straße in nächster Näher des Olympiaeinkaufszentrum im Münchner Stadtteil Moosach gemeldet. Die Schießerei hatte offenbar in einem Restaurant einer Fast-Food-Kette begonnen. Die Polizei musste zunächst von drei verschiedenen Personen mit Schusswaffen ausgehen, so hatten es Zeugen berichtet.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Im Laufe des Abends, der die Stadt in eine Schockstarre versetzte, versuchte die Polizei mit Hubschraubern, Mannschaftswagen und Spezialeinsatzkräften, die Lage in den Griff zu bekommen. Alle verfügbaren Polizisten des Polizeipräsidiums Münchens waren im Einsatz. Insgesamt sicherten während der ganzen Nacht mehr als 2300 Sicherheitskräfte die Stadt. Verstärkung wurde dabei auch aus anderen Bundesländern angefordert, was offenbar reibungslos funktionierte: So eilten Spezialeinsatzkräfte aus ganz Bayern, Baden-Württemberg und Hessen nach München.

          Die Terrorabwehrkräfte der GSG9 stießen ebenso dazu wie die der Cobra aus Österreich. Bundespolizei, bayerische Bereitschaftspolizei, die Hubschrauberstaffel, Spezialisten des bayerischen Landeskriminalamtes sowie der Präsidien Oberbayern Nord und Süd waren und sind ebenfalls in die Ermittlungen eingebunden. 

          Gegen 20.30 Uhr war schließlich während der Fahndung der Leichnam des mutmaßlichen Täters, eines 18 Jahre alten Deutsch-Iraners aus München, im Olympiapark aufgefunden worden. Doch zunächst war noch nicht abzusehen, ob nicht doch noch weitere Täter auf der Flucht sein könnten. Noch in der Nacht stürmten Spezialeinsatzkräfte die Wohnung des Mannes. Nach allem was man weiß, hat er sich selbst getötet, nachdem er zuvor offenbar neun Menschen erschossen und unzählige verletzt hatte. Einen Hinweis auf weitere Tatbeteiligte gebe es im Moment nicht, heißt es am Samstagmorgen seitens der Polizei.

          Polizisten sichern am Freitagabend den Münchner Stachus
          Polizisten sichern am Freitagabend den Münchner Stachus : Bild: dpa

          Die Münchner Rettungsdienste verzeichneten 21 Transporte mit Verletzten, fünf Verwundete wurden von Privatleuten zur Notaufnahme gefahren. Krankenhäuser hatten den Katastrophenfall ausgerufen, Privatleute nahmen Passanten auf, die auf den Straßen unterwegs waren und Schutz suchten. Etwa 100 Personen fanden zudem Schutz im Polizeipräsidium, das mitten in der Innenstadt gelegen ist. Kurz nach den Ereignissen in Moosach waren der Polizei auch weitere Schüsse und sogar mögliche Geiselnahmen aus dem Stadtbereich gemeldet, die sich aber nicht bestätigten. Auch vom Flughafen München wurde ein Einsatz gemeldet, der aber nicht im Zusammenhang mit den Vorfällen stand. 

          Der Tatort rund um das Einkaufszentrum war am Samstagvormittag immer noch gesperrt, auch die öffentlichen Verkehrsmittel, die in den Morgenstunden den Betrieb wieder aufgenommen hatten, fuhren das Gelände nicht an. Ermittler sicherten die Spuren.

          Um die Ermittlungen zu unterstützen, bittet die Kriminalpolizei die Bevölkerung darum, Foto-, Video- oder Audioaufnahmen vom Ereignisort oder aus der weiträumigen Umgebung des Olympia-Einkaufzentrums, die von 17.30 Uhr an gemacht wurden, über ein Upload-Formular der Münchner Polizei zur Verfügung zu stellen. Die Aufnahmen, die schon eingegangen sind, werden zur Zeit von der Polizei ausgewertet. 

          https://medienupload-portal01.polizei.bayern.de/ 

          Viele Verletzte : Zehn Menschen sterben bei Schießerei in München

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