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Messerattacke in Berlin : Erschossener Angreifer war Islamist

  • Aktualisiert am

Polizisten sichern den Tatort an der Heerstaße in Berlin-Spandau. Bild: dpa

Der Angreifer, der in Berlin-Spandau zunächst Passanten bedrohte und dann eine Polizistin mit einem Messer attackierte, gehörte zur Islamistenszene. Die Polizei erschoss den 41 Jahre alten Iraker.

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          Ein aus dem Irak stammender polizeibekannter Islamist ist in Berlin bei einem Zwischenfall erschossen worden. Der mit Rafyk Y. bezeichnete Angreifer hatte am Donnerstagmorgen gegen 9.50 Uhr an der Heerstraße im Bezirk Spandau zunächst Passanten mit dem Messer bedroht. Diese riefen die Polizei. Vier Streifenwagen erreichten den Tatort im Berliner Westen Berlin kurz nach dem Notruf.

          Beim Eintreffen der Beamten ging der 41 Jahre alte Mann mit dem Messer auf eine Polizistin los. Darauf eröffneten Kollegen das Feuer. Es fielen mehrere Schüsse. Die 44 Jahre Polizistin wurde schwer verletzt durch Messerstiche, aber auch eine Kugel. Sie wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht und notoperiert. Der Angreifer starb am Einsatzort, möglicherweise durch Polizeikugel oder aber durch Wunden, die er sich selbst mit dem Messer zufügte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

          Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Angreifer die Polizistin mit einem Klappmesser mit einer neun Zentimeter langer Klinge in Hals und Schulter gestochen.

          Messerattacke in Berlin : Polizei erschießt mutmaßlichen Islamisten

          Es soll sich bei dem Angreifer um einen der Männer handeln, die 2004 in ein geplantes Attentat auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi verwickelt waren. Der Anschlag sollte den Politiker bei einem Besuch in Berlin treffen. 2008 wurde Rafyk Y. gemeinsam mit zwei Gesinnungsgenossen zu einer acht Jahre langen Haftstrafe verurteilt. Er habe der islamistischen Terrororganisation Ansar-al-Islam angehört.

          Da die Untersuchungshaft angerechnet wurde, kam Y. im März 2013 nach Verbüßung seiner Strafe frei. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung wurde er vom Bundeskriminalamt (BKA) weiter als islamistischer Gefährder eingestuft. Er stand er unter Führungsaufsicht und bewegte sich seither mit einer elektronischen Fußfessel. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe er diese am Donnerstagmorgen entfernt. Als die Behörden das Entfernen seiner Fußfessel bemerkten hätten, wurde laut Polizei Alarm ausgelöst. Der Mann wurde angerufen, ging aber nicht ans Telefon. Die Polizei wurde informiert, ein Funkwagen zu seiner Wohnung geschickt. Es sei aber keiner da gewesen.

          „Mehrfach aggressiv aufgetreten“

          Es sei zu früh zu sagen, ob die Tat terroristisch motiviert war und es ein vorbereiteter Anschlag war, sagte Oberstaatsanwalt Feuerberg am Abend. Nach seinen Angaben wurde die Wohnung des Irakers auf Hinweise zu Terror-Plänen überprüft. „Er ist mehrfach in Erscheinung getreten, weil er ausgesprochen aggressiv auftrat“, so Feuerberg über den Mann. Es habe mehrere Fälle von Bedrohung gegeben. Dies habe er damit gerechtfertigt, dass die Opfer gegen seine Religion verstoßen hätten.

          Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, es gebe Anhaltspunkte, die gegen ein geplantes Vorgehen sprechen. Eine religiöse Motivation könne aber nicht ausgeschlossen werden. Der Mann sei von den Sicherheitsbehörden intensiv betreut worden. Eine Abschiebung in den Irak sei nicht möglich gewesen, weil ihm dort die Todesstrafe gedroht hätte. „Fakt ist: Der Mann ist Islamist", sagte Henkel. „Inwieweit eine Szene dahinter steckt oder nicht - dafür ist es noch zu früh."

          Henkel hatte schon am Nachmittag von einem „dramatischen Vorfall“ und fügte hinzu: „Im Moment drehen sich meine Gedanken ausschließlich darum, dass eine Polizistin im Einsatz schwer verletzt worden ist. Ich hoffe, dass sie wieder gesund wird, und wünsche ihr dafür alle Kraft.“ Die Frau liege weiter auf der Intensivstation, teilte die Polizei mit. Ihr Zustand sei stabil, Lebensgefahr bestehe nicht, hieß es.

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