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Politisches Vermächtnis : Was treibt Seehofer an?

Welches Ass hat Bundesinnenminister Seehofer noch im Ärmel? Bild: EPA

Horst Seehofer ist zum Gegenstand von Hohn und Spott geworden. So dürfte er nicht abtreten wollen. Was hat er noch auf Lager? In München wollen das viele lieber gar nicht wissen.

          9 Min.

          Der Freitag schien kein schöner Tag zu werden für Horst Seehofer. Freitag, der 13. Das konnte ja nichts werden. Die Nachrichtenagenturen verbreiteten Umfragen, in denen die Beliebtheitswerte für den Bundesinnenminister miserabel waren. Vor ihm liegen lauter rote und grüne Politiker und – als ob das nicht schon schlimm genug wäre – Bundeskanzlerin Angela Merkel, seine Erzfeindin von der CDU. Dann aber kam die „Bild“-Zeitung um die Ecke. Auf ihrer Internetseite veröffentlichte sie die Sensationsmeldung, dass der frühere Leibwächter von Usama Bin Ladin Sami A. am Morgen von Deutschland nach Tunesien abgeschoben worden sei. Über Monate hat Seehofer sich dafür eingesetzt, dass der Mann aus Deutschland ausgeflogen wird. Immer wieder hat der Innenminister sein Unverständnis bekundet, dass Sami A. in Deutschland lebt. Auch wenn die nordrhein-westfälischen Behörden A. abgeschoben hatten, weil das Ländersache ist, durfte Seehofer hoffen, etwas vom Beifall abzubekommen.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Der CSU-Vorsitzende durchlebt schwere Zeiten, besonders seit Dienstag, als er auf einer Pressekonferenz mit einem Grinsen im Gesicht gesagt hatte, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Menschen aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden seien, mehr als je zuvor. Am Tag danach soll es ihm schlechtgegangen sein. Wirklich schlecht. Jedenfalls erzählt das jemand, der das beurteilen können sollte. Seehofer hatte seinen „Masterplan“ zur Migrationspolitik vorgestellt. Die Pressekonferenz war auf zwei Stunden angesetzt, was außergewöhnlich lang ist. Aber der Minister hatte es so gewollt. So sehr er sich bisweilen über die Journalisten beklagt, er sitzt dann doch gerne mit ihnen zusammen und plaudert. Macht seine Scherze. Seehofer-Scherze, die in dem stets zu Aufgeregtheit neigenden Berliner Politik- und Medienbetrieb unterschiedlich gut ankommen. Dieses Mal verdammt schlecht.

          Die sogenannten sozialen Netzwerke hyperventilierten

          Es hatte so geklungen, als betrachte er jeden Abgeschobenen als Kerze auf einer Geburtstagstorte, die nur für ihn gebacken worden sei. Als sich dann noch einer der Abgeschobenen in Kabul das Leben nahm, war das Urteil über Seehofer gefällt. Sein Verteidigungsversuch, er habe die Abschiebungen nicht so veranlasst, konnte die Sache nicht besser machen, denn er schloss die wahnwitzige Vorstellung ein, der Minister könne so etwas gewissermaßen bestellen. Die grüne Spitzenkandidatin für die bayerische Landtagswahl, Katharina Schulze, gab zu Protokoll, Seehofers Zynismus „kotzt mich an“. Auch der sozialdemokratische Koalitionspartner im Bund schrie auf. Die sogenannten sozialen Netzwerke hyperventilierten. Ein eigens dafür zuständiger Mitarbeiter des Innenministeriums beteuerte im Twitter-Sturm, wie sehr der Suizid den Minister getroffen habe. Es war der Versuch, zu retten, was nicht mehr zu retten war.

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