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Politischer Aschermittwoch : Die Krüge hartz!

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Manche in der CSU argwöhnen, der FDP-Vorsitzende setze zum Angriff auf ihr Erbe an Bild: AP

Am Aschermittwoch stellt die FDP die Zeichen auf High Noon. Schon im vorigen Jahr wetterte Westerwelle gegen einen „schleichenden Sozialismus“. Eine Tonlage, die er in der Hartz-IV-Debatte wieder aufgenommen hat - und die manche in der CSU argwöhnen lässt.

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          Den Sprung in die politische Königsklasse will die FDP an diesem Aschermittwoch wagen. In den vergangenen Jahren hatte sie sich erst gar nicht bemüht, an diesem Tag in Konkurrenz zur CSU zu treten. Die CSU durfte in Passau mit ihrer Heerschau der Rhetoren und der Maßkrüge die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, lange Zeit in der legendären Nibelungenhalle, jetzt in einer Halle im Messepark. Die FDP lud zwar auch in die Dreiflüssestadt ein, beschied sich aber mit einem intimen Rahmen in einer Brauereigaststätte.

          Doch in diesem Jahr stellt die FDP im Hochgefühl, in München wie auch in Berlin Regierungspartei zu sein, am Aschermittwoch die Zeichen auf High Noon, ganz der koalitionären Stimmungslage angemessen. Sie zieht donauaufwärts in die Herzogstadt Straubing, auch in eine großzügige Messehalle. Naive Gemüter mögen die Wahl einer Veranstaltungsstätte als Marginalie betrachten; in Bayern ist der politische Aschermittwoch aber eine Frage der politisch-kulturellen Hegemonie.

          Der politische Aschermittwoch - keine Erfindung der CSU

          Die Wurzeln dieser Mischung aus Bier, Brotzeit und verbalen Kraftmeiereien sind in Vilshofen zu finden. Dort hielten bei einem Markt Bauern und Viehhändler mit ihrer Meinung über die Obrigkeit nicht hinterm Berg. Nach dem Sturz der Monarchie okkupierten Politiker des Bayerischen Bauernbundes die Tradition – und 1948 führte die Bayernpartei dieses Genre der politischen Unterhaltung fort.

          Doch dann begann Franz Josef Strauß das Original so gründlich zu kopieren, dass spätestens mit dem Umzug der Veranstaltung von Vilshofen nach Passau der Eindruck entstand, der politische Aschermittwoch sei eine Erfindung der CSU.

          Schon im vorigen Jahr übte der FDP-Vorsitzende Westerwelle, damals noch in Berlin in der Opposition, sich darin, die CSU-Kopie zu kopieren: Er wetterte am Aschermittwoch gegen einen „schleichenden Sozialismus“ in Deutschland und warnte vor einer „DDR light“. Es war eine Tonlage, die Westerwelle in der gegenwärtige Debatte über Hartz IV wieder aufgenommen hat – und die manche in der CSU argwöhnen lässt, der FDP-Vorsitzende setze zum Angriff auf ihr Erbe an und wolle die Politik der christlich-liberalen Koalition als permanenten Aschermittwoch gestalten.

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