https://www.faz.net/-gpf-82mj8

Politiker und Humor : Das soll wohl ein Witz sein!

  • -Aktualisiert am

Merkel lacht jeden Tag

Angela Merkel ist keine Königin des Festzeltbrüllens, bei dem das Starkbier aus dem Seidel schwappt. Sie ist auch keine klassische Witzeerzählerin, die gern mit der Variante „Kennen Sie den schon?“ eröffnet. Aber sie hat Humor. Sie lacht sogar ausgesprochen gern, mal über eine komische Situation, mal über sich selbst. Gelungene Karikaturen oder das Aufspießen einer ihrer Auftritte in der „Heute Show“ können sie zum Lachen bringen. Sie ist eine begabte Erzählerin von Anekdoten. Wenn sie richtig in Fahrt ist, kann es passieren, dass sie ihren eigenen Vortrag unterbrechen muss, weil sie vor Lachen nicht weiterkommt.

Geistreicher Humor im Sinne von Esprit ist etwas für Menschen, die schnell im Kopf sind. Von daher ist Angela Merkels Freude am Sprachwitz nicht überraschend. Angeblich vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht kräftig lacht. Manchmal aber auch dezent. Da freut sie sich schlicht daran, wenn sie mit einer Bemerkung ihre Zuhörer zum Lachen bringt. Am 21. Oktober vorigen Jahres gelang ihr das ganz besonders gut. Auf dem IT-Gipfel in Hamburg zum Netzausbau wollte sie eine Äußerung des Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Timotheus Höttges, zitieren. Es ging um den Datentransport und eine „vernünftige Mischung“ von drei Begriffen, die mit einem F beginnen. Merkel fielen Frequenz und Förderung ein. Dann stockte sie. Kurz guckte sie Höttges an. Als der nicht sofort antwortete, sagte Merkel in der ihr eigenen lapidaren Art: „Weiß er selbst nicht mehr.“ Der Saal prustete. Merkel freute sich über den gelungenen Scherz, der blitzschnell und ungeplant über ihre Lippen gekommen war.

Dann wurde Verkehrsminister Alexander Dobrindt von seiner Chefin beim Vornamen gerufen, konnte aber ebenfalls nicht liefern. Merkel blieb wild entschlossen, das dritte Wort zu finden, riss plötzlich die Hand empor, stieß den Zeigefinger in die Luft und sagte mit dem Strahlen einer Abiturientin, der die entscheidende Antwort eingefallen ist: Festnetz. Der Saal tobte. Die Szene ist ein Renner im Netz und dürfte Merkel weit mehr Sympathien eintragen als zehn Wahlkampfauftritte auf Marktplätzen.

Rösler hat sich Hilfe „verscherzt“

Humor, wenn er echt ist und tief, wenn er natürlich und nicht einstudiert ist, wenn er am besten spontan kommt und nicht von einem Blatt abgelesen wird, das der Redenschreiber gefüllt hat, kann Politiker also sympathisch machen. Das gilt nicht nur für den öffentlichen Auftritt, sondern auch für Verhandlungen in kleineren Runden. Aber der falsche Umgang mit dieser Königsdisziplin kann Politikern auch gefährlich werden. Angela Merkel hat in den Jahren 2009 bis 2013, da sie mit der FDP regierte, genügend Gründe dafür sammeln können, dieses Bündnis nicht zu wiederholen. Jedenfalls rührte sie im Wahlkampf des Herbstes 2013 keine Hand für den Koalitionspartner. Einer dieser Gründe war ein Scherz von Philipp Rösler, und zwar ein misslungener.

Der damalige FDP-Vorsitzende hatte die Kanzlerin nicht nur dadurch provoziert, dass er sich in der Diskussion über eine Kandidatur von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten an der Union vorbei auf die Seite von SPD und Grünen geschlagen hatte. Er hatte sich in einer Fernsehsendung auch noch auf einen Scherz darüber eingelassen. In diesem tauchte Angela Merkel als Frosch auf, der im kalten Wasser sitzt und dessen Erhitzung erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist. Merkels Sprecher Steffen Seibert hatte anschließend Tiergleichnisse als „denkbar ungeeignet“ zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen Kanzlerin und Vizekanzler beschrieben.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos, nicht unbedingt ein Freund Merkels, aber einer, der die Ränkespiele der Mächtigen kennt, warnte damals, so etwas könne sich eines Tages rächen. Vielleicht hat Philipp Rösler die geringen Hoffnungen auf Wahlkampfhilfe der CDU-Vorsitzenden einer hübschen Pointe geopfert. Das Wort „verscherzt“ bekam in seinem Fall eine neue Dimension.

Weitere Themen

Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen Video-Seite öffnen

Kein langer Auftritt : Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy erschien am Montag kurz vor Gericht in Paris, wo er sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss. Die Richter unterbrachen die Anhörungen jedoch bis Donnerstag.

Nur Trump tanzte aus der Reihe

G-20-Gipfel : Nur Trump tanzte aus der Reihe

Saudi-Arabien leitete das G-20-Treffen und bemühte sich um Zusammenhalt. Alle Bürger sollten Zugang zu Impfstoff bekommen. Auch bei der Klimapolitik gab man große Ziele aus. Nur Donald Trump wollte das nicht unterstützen.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.