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Politikberatung : Akademie der Skandale

  • -Aktualisiert am

Ein nur mit Hilfe praktischer Psychologie zu lösendes Rätsel

Das an die Universität Bonn angegliederte Institut versteht sich laut Eigendarstellung als „Brücke zwischen der universitären Politikwissenschaft und der politischen Praxis“. Lehrveranstaltungen sollen in einem „Tandem“ aus Wissenschaftlern und Fachleuten aus der politischen, wirtschaftlichen und journalistischen Praxis geleitet werden. Zudem organisiert die Akademie Tagungen und Diskussionsrunden. Unternehmer können sich beraten lassen, nebenbei ihr Netzwerk pflegen oder ihre Mitarbeiter zu Schulungen im praktischen Umgang mit der Politik schicken. Auch ein „Think Tank“ fehlt an der „Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik“ nicht. Zudem soll das Institut, das vier wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt, praxisbezogene Forschungsarbeit leisten.

Keinesfalls werde die Akademie eine „Veteranenveranstaltung“ nach dem Motto „Jetzt erzählen wir mal vom Krieg“, sagt Berger. Die Akademie werde sich mit aktuellen Fragen der Politik beschäftigen, so Berger. Auch der „politische Skandal“ werde auf der Tagesordnung stehen. Seine eigenen Düsseldorfer Jahre will Berger aber nicht von Politikwissenschaftlern erkunden lassen. Dabei könnten junge Nachwuchstalente für Politik und Wirtschaft ohne Zweifel viele Lehren aus dem Fall einer jungen Führungskraft ziehen, die über viele wichtige Eigenschaften und Talente verfügt: Berger ist fleißig, entschlossen und hat einen ausgeprägten Instinkt für politische Stimmungen.

Als Chefplaner von Jürgen Rüttgers arbeitete er aber nicht an einem belastbaren programmatischen Profil des Ministerpräsidenten, sondern setzte auf schnelle Themenwechsel, politische Effekthascherei und die oberflächliche Inszenierung von Rüttgers als „Johannes Rau II.“, was zu chronischen Authentizitätsproblemen führte und den politischen Gegner geradezu einlud, den Ministerpräsidenten bei erster Gelegenheit als „Sozialschauspieler“ zu denunzieren. Berger ist in hohem Maße intelligent, aber nicht intellektuell, als Politikwissenschaftler ist er bisher  nicht durch bedeutende Veröffentlichungen aufgefallen. Es mangelt ihm sogar an grundlegenden Kenntnissen: Legendär ist ein vier Seiten umfassendes Papier, das Berger kurz nach dem Wahlsieg der CDU im Jahre 2005 zu der Frage schrieb, wie Rüttgers am besten zu inszenieren sei. Berger empfahl unter anderem einen Besuch am Grabe von Konrad Adenauer oder „Arnold Gehlens“, die er für Vorgänger Rüttgers’ im Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten hielt.

Es bleibt ein vermutlich nur mit Hilfe der praktischen Psychologie zu lösendes Rätsel, warum Rüttgers sich so bedingungslos an Berger band.

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