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Trauer um Roman Herzog : „Weitsichtig, mutig, mit großer Liebe zum offenen Wort“

  • Aktualisiert am

Von 1994 bis 1999 war Roman Herzog Bundespräsident. Bild: dpa

Nach dem Tod des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog würdigen ihn Vertreter aus Politik und Gesellschaft als große Persönlichkeit. Seine „unverwechselbare kluge Stimme“ werde Deutschland fehlen, sagte die Kanzlerin.

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          Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft trauern um den Altbundespräsidenten und einstigen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Roman Herzog (CDU). Er war am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Bundespräsident Joachim Gauck schrieb an Herzogs Witwe Alexandra Freifrau von Berlichingen, Herzog sei mit „Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung“ für Deutschland und dessen freiheitliche Verfassung eingetreten. In all seinen Ämtern seien für ihn „Bürger- und Freiheitsrechte niemals nur abstrakte Begriffe“ gewesen.

          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte über Herzog, seine „unverwechselbare kluge Stimme und seine Fähigkeit, Probleme offen zu benennen und dabei Mut zu machen, wird mir und wird uns allen fehlen“. Seine Ruck-Rede von 1997, in der Herzog zu umfangreichen Reformen aufgerufen hatte, werde „unvergessen bleiben“, erklärte Merkel.

          EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte: „Mit ihm verlieren wir einen klugen und kritischen Menschen, der weit über seine Zeiten als Bundespräsident und Bundesverfassungsgerichtspräsident hinaus immer wieder wichtige Denkanstöße gegeben und damit Deutschland wie Europa vorangebracht hat.“

          Frank-Walter Steinmeier, Außenminister und SPD-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, sagte in einer Mitteilung, er habe Herzog als „einen geradlinigen, ehrlichen und klugen Menschen“ erlebt. Herzog habe sich nicht gescheut, „auch harte Wahrheiten anzusprechen, aber auch seinen tiefsinnigen Humor“ nie verloren.

          SPD-Chef Sigmar Gabriel hob Herzogs Engagement für den Dialog zwischen den Religionen hervor. Herzog habe „sich mit deutlichen Worten für Integration und gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus eingesetzt“.

          Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Seehofer sagte, er habe Herzog in seinen verschiedenen Ämtern immer als „klug, weitsichtig, mutig, mit großer Liebe zum offenen Wort“ erlebt. Dabei sei der Politiker immer bescheiden geblieben. Der CSU-Politiker und Chef der konservativen Fraktion im Europaparlament Manfred Weber schrieb auf Twitter über den Alt-Präsidenten, er sei traurig über den Tod Herzogs, der „im Herzen immer Bayer geblieben sei“.

          Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender, würdigte den ehemaligen Bundespräsidenten in einer Twitter-Botschaft als „große Persönlichkeit“, die den Mut gehabt habe, den Deutschen ins Gewissen zu reden.

          Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter erklärten, Roman Herzog habe sich als Bundespräsident „große Verdienste“ um Deutschland erworben. „Jenseits politischer Differenzen schätzten wir den Richter, Politiker und Menschen Roman Herzog. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten.“

          Auch ranghohe Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften würdigten den verstorbenen Bundespräsidenten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, Herzog sei es in „prägenden Reden“ gelungen, die „grundlegenden Probleme der Gesellschaft“ zu benennen. Der Politiker habe sich außerdem dafür eingesetzt, dass Deutschland auf internationaler Ebene Verantwortung übernimmt.

          Mit seiner legendären „Ruck-Rede“ im April 1997 schrieb sich Alt-Bundespräsident Roman Herzog in die deutsche Geschichte ein. Bilderstrecke

          Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte Herzog habe „das demokratische Selbstverständnis und die politische Kultur Deutschlands“ maßgeblich mitgeprägt. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, würdigte Herzog. Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen sei ihm „immer ein Herzensanliegen“ gewesen.

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