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Warschauer Aufstand : Ein Polen-Museum statt eines Denkmals

  • -Aktualisiert am

Florian Mausbach stieß die Debatte um ein Polen-Museum in Berlin an. Doch ist das der richtige Weg, um an die Helden und Opfer der deutschen Besatzung Polens zu gedenken? Ein Gastbeitrag.

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          In ihrem Gastbeitrag vom 1. August haben Florian und Leo Mausbach für ein Polen-Denkmal in Berlin plädiert. Vollkommen richtig diagnostizieren sie, dass die im Zweiten Weltkrieg in Polen von Deutschen begangenen Verbrechen und die Reaktionen der dortigen Bevölkerung hierzulande weitgehend unbekannt sind und vielfach auf Desinteresse stoßen. Das kann und darf nicht so bleiben, wenn Deutschland seine historische Verantwortung und seine nachbarschaftlichen Beziehungen in Europa ernst nehmen will.

          Als Abhilfe schlagen Florian und Leo Mausbach vor, auf dem Berliner Askanischen Platz eine Stele zu errichten, mit der aller Opfer der deutschen Besatzung Polens gedacht werden soll. Sie wollen nicht ethnisch-national differenzieren und auch nicht zwischen all jenen Bevölkerungsgruppen trennen, die damals in Polen unter deutscher Herrschaft litten: Polen, Juden, Ukrainer, Litauer, Weißrussen oder Roma, um nur die größten von ihnen zu nennen.

          Doch Erinnerung und Gedenken können nur dann gelingen, wenn sie auf einer soliden Wissensgrundlage stehen, aus der dann Respekt erwächst. In diesem Sinne ist unbedingt an den früheren polnischen Außenminister Wladyslaw Bartoszewski zu erinnern. Er sprach sich tatsächlich einmal für ein Denkmal für polnische Opfer in Deutschland aus, regte an anderer Stelle aber auch – in Reaktion auf Erika Steinbachs Projekt eines Vertriebenenmuseums – ein Museum der deutschen Verbrechen an.

          Eindimensionales Denkmal

          Es wäre sinnvoll, diese zweite Idee Bartoszewskis aufzugreifen und sie so zu erweitern, dass auch die vielhundertjährigen deutsch-polnischen Beziehungen thematisiert werden. Der Zweite Weltkrieg nimmt darin natürlich eine zentrale Rolle ein. Aber es gab und gibt auch bessere Zeiten in der deutsch-polnischen Nachbarschaft, die ebenfalls behandelt werden sollten. Schließlich wollen wir alle die Partnerschaft stärken und ausbauen.

          So würden wir schlichter Unkenntnis abhelfen und zudem dazu beitragen, eindimensionale Schwarzweißschemata zu überwinden. Wenn etwa mit dem Denkmal auch die „Heldinnen und Helden des polnischen Widerstands“ geehrt werden sollen, dann stellt ein Museum diese so wichtige Geschichte multiperspektivisch und vielschichtig dar. Nicht zuletzt, weil auch Juden, Ukrainer und Weißrussen als Bürgerinnen und Bürger der Polnischen Republik erbitterten Widerstand leisteten und einen hohen Blutzoll dafür zahlten. Unter ihnen waren Opfer und Helden, und sie kämpften nicht weniger als katholische Polen – man denke nur an den Aufstand im Warschauer Getto 1943, an den in unserem Nachbarland durchaus erinnert wird.

          Andererseits gehörte zum polnischen Widerstand auch die Heiligkreuzbrigade der Nationalen Streitkräfte (Narodowe Sily Zbrojne), bekannte Rechtsnationalisten und antisemitische Mörder. In der aktuellen polnischen Gedenkpolitik werden sie gerade wieder auf das Podest gehoben, weil sie für einen ethnisch homogenen Staat kämpften – gegen die Sowjets und (manchmal) auch gegen die Deutschen –, aber statt ehrender Erinnerung wäre über sie wohl eher aufzuklären.

          Aufklärung als solides Fundament

          Aufklären müsste das Museum auch über den Warschauer Aufstand, an dem ab dem 1. August 1944 rund 40.000 Kämpfer der polnischen Heimatarmee teilnahmen. Anders als auch Florian und Leo Mausbach schreiben, war er jedoch nicht die „größte militärische Erhebung“ im von Deutschland besetzten Europa: In der Slowakei traten am 29. August 1944 etwa 60.000 Soldaten und annähernd 15.000 Partisanen zum Slowakischen Nationalaufstand an.

          Der Warschauer Aufstand ist trotzdem besonders und zentral für die heutige polnische Identität – weil während der kommunistischen Zeit nicht daran erinnert werden durfte: Die Aufständischen revoltierten zwar gegen die deutschen Besatzer, waren zugleich aber streng antikommunistisch. Dennoch sollte ihr Kampf nicht zur Verzweiflungstat im Angesicht einer stalinistischen Bedrohung umgedeutet werden: Das Vorbild des Aufstands im Warschauer Getto 1943, die Aufstandstradition aus dem 19. Jahrhundert sowie symbolisches Handeln „um der Ehre willen“ waren als Beweggründe ebenfalls von hoher Relevanz. Nicht zuletzt debattierten die Anführer über die zu erwartenden Verluste unter der Zivilbevölkerung – und nahmen sie in Kauf, freilich ohne voraussehen zu können, dass die Deutschen am Ende annähernd 200.000 Menschen ermorden würden.

          Ein Museum kann derartige Mythen zeigen und zugleich den Menschen gerecht werden. Ein Denkmal aber, mit dem mangels Wissen niemand etwas verbindet, verkommt leicht zu symbolischer Außenpolitik, zu einer billigen Reaktion etwa auf aktuelle Reparationsforderungen. Doch die deutsch-polnischen Beziehungen verdienen Besseres: Ein Museum kann Wissen über die Geschichte und Respekt vor individuellen Schicksalen vermitteln. Es kann ein Ort des Dialogs und der Begegnung sein, gerade wenn polnische Partner eingebunden sind. Am Ende wollen wir alle ein gemeinsames Europa bauen – die meisten Polen und auch die meisten Deutschen. Lasst es uns auf einem soliden Fundament tun.

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