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Plagiatsvorwürfe : „Für Ursula von der Leyen gilt die Unschuldsvermutung“

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe Bild: dpa

Unionspolitiker springen Ursula von der Leyen angesichts der jüngsten Plagiatsvorwürfe zur Seite. Die Verteidigungsministerin setzt auf ein Gutachten der Medizinischen Hochschule Hannover. Ein Wissenschaftler hält die Mängel dagegen für „schwerwiegender als im Fall Schavan“.

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          Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl hat mit Unverständnis auf die Plagiatsvorwürfe gegen seine Parteikollegin, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, reagiert. „Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme lösen und Herausforderungen angehen. Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe", sagte Strobl der "Rheinischen Post".

          Auch der Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten (CDU), sprang der Ministerin zur Seite. „Für sie gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist:“ Er fügte hinzu: „Das ist kein Bereich, in dem man jemand politisch ein Bein stellt."

          Plagiatsforscher: „Sie war extrem faul“

          Am Wochenende war bekannt geworden, dass von der Leyen auf der Internetseite Vroniplag Wiki schwere Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vorgeworfen werden. Die Medizinische Hochschule Hannover überprüft mittlerweile die Arbeit auf Wunsch der Ministerin. Der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, forderte die Aberkennung des Doktortitels von der Leyens. „Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören. „Deshalb müsste die Medizinische Hochschule ihr den Titel entziehen. Die Wissenschaft tut sich keinen Gefallen, wenn sie renommierte Politiker schützt."

          Von der Leyen weist Vorwürfe zurück

          Ursula von der Leyen selbst wies die Vorwürfe zurück. Sie habe bei ihrer Doktorarbeit vor 25 Jahren regelwidrig Passagen von anderen Autoren übernommen. „Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Politikerin der Funke Mediengruppe. Sie wisse seit Ende August, dass ihre Doktorarbeit ins Visier genommen worden sei. Sie habe noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen: „Soweit ich weiß, sind die Experten bei der Arbeit."

          Vroniplag wirft von der Leyen vor, Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens missachtet und an einigen Stellen Passagen anderer Autoren übernommen zu haben, ohne diese kenntlich zu machen. Man habe „37 Textpassagen festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte und auch in der damals maßgeblichen Promotionsordnung geregelte Zitierregeln verstoßen", zitierte „Spiegel Online" Gerhard Dannemann von der Humboldt-Universität Berlin.

          „Schwerwiegender als bei Schavan“

          Der „Süddeutschen Zeitung"  sagte Dannemann, der laut dem Blatt zum Kernteam von Vroniplag gehört: „Ich halte die Mängel für schwerwiegender als bei Frau Schavan, wenn auch in einem anderen Fach." Der Juraprofessor ergänzte: „Wir sprechen hier nicht von einem Grenzfall."

          Die CDU-Politikerin Annette Schavan war 2013 als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, nachdem ihr wegen Plagiatsvorwürfen der Doktortitel im Fach Erziehungswissenschaften aberkannt wurde. Zwei Jahre zuvor war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in einem ähnlichen Fall zurückgetreten. Der forschungspolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, forderte eine sorgfältige und zügige Prüfung der Dissertation von der Leyens durch die Universität Hannover. Von der Leyen sei auch oberste Dienstherrin der Bundeswehr-Universitäten, daraus erwachse eine „ganz besondere Verantwortung".

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