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Plagiatsvorwürfe gegen Koch-Mehrin : Nach „KT“ nun „Silvana“

  • -Aktualisiert am

Nicht „KT”: Silvana Koch-Mehrin Bild: dapd

Auch die Doktorarbeit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin soll Plagiate enthalten. Wie schon im Fall Guttenberg untersucht die Netzgemeinde den Text: Bisher hat sie auf 22 Prozent der 227 Seiten langen Arbeit Anzeichen für geklaute Texte gefunden.

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          Sie hatte schon seit einiger Zeit auf der „To-Do-Liste“ der Plagiatjäger gestanden: Silvana Koch-Mehrin, Vizepräsidentin des Europaparlaments, erfolgreiche Unternehmerin, Mutter dreier Kinder, die Frau, die Guido Westerwelle zur Vorzeigefrau der FDP machen wollte, 40 Jahre jung, sehr gutaussehend, blond – und promoviert. Zweierlei hatte die Plagiatjäger misstrauisch gemacht: Das Thema, die „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 – 1927“, ein abgeschlossenes und gründlich erforschtes historisches Gebiet, das einen überschaubaren Arbeitsaufwand verhieß. Und: „Die Frau hat einen gewissen Ruf“, sagt einer der Begründer von „Guttenplag“, jener Internetplattform, auf der sich Hunderte an der Suche nach Plagiaten in der Dissertation des früheren Verteidigungsministers beteiligten.

          Aus „Guttenplag“ ging „Vroniplag“ hervor, betrieben von einer Handvoll Leuten, die weitermachen wollten, die sicher waren, dass es andere Fälle geben müsste und fündig wurden bei der Stoiber-Tochter Veronica – „Vroni‘“ – Saß: In deren Doktorarbeit, so dokumentiert es die Website, finden sich auf neun von zehn Seiten Plagiate. Im Vergleich dazu ist die Ausbeute bei Frau Koch-Mehrin bislang mäßig: Im Laufe der vergangenen Woche stieg der Anteil der plagiierten Seiten, den „Vroniplag“ verzeichnete, in der 227 Seiten starken Arbeit von weniger als zehn Prozent am Montag auf 22 Prozent am Freitag.

          Losgetreten wurde der Fall „SKM“ dann doch eher durch einen Zufall: Ein Wissenschaftler, dem die Arbeit in die Hände geriet, meldete sich anonym bei „Vroniplag“, wo man sich am vergangenen Wochenende fieberhaft an die Arbeit machte. Am Montag erhielt dann die Universität Heidelberg einen anonymen Hinweis. Die überall als eloquent gepriesene und keineswegs öffentlichkeitsscheue Politikerin schweigt – auch auf mehrfache Anfrage. Auch die Stoiber-Tochter hat sich bisher nicht geäußert. Das war wohl die Lehre aus dem Fall Guttenberg, dass, wer sich wehrt, sich noch tiefer hineinreitet.

          „Keiner wird ihn übertreffen“

          „Silvana“ ist nicht „KT“ – das sieht man auch in der Internetgemeinde so, wo man geradezu mit Hochachtung vom Talent des großen Plagiators schwärmt. Mit seiner „raffinierten Collage“ habe er die Messlatte sehr hoch gelegt. „Keiner wird ihn übertreffen“, sagt der Begründer von „Vroniplag“. Inzwischen sei die Dissertation zu einer Referenzarbeit für Plagiat-Software geworden.

          Frau Koch-Mehrin, die, gefördert von der Friedrich-Naumann-Stiftung, in den neunziger Jahren Geschichte und Volkswirtschaft studierte, übernahm dagegen – wenn man „Vroniplag“ glauben darf – oft nur geringfügig oder gar nicht abgewandelte Sätze oder ganze Absätze vor allem aus Handbüchern und Gesamtdarstellungen. Was „Vroniplag“ als Plagiate ausweist, sind zum Teil umfangreiche Textbausteine, etwa aus dem „Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte“. Nachlässigkeit? Schlampige Arbeit? Ein Versehen? Oder Betrug? Das wird die Universität beurteilen müssen, die sich dafür bis nach Ostern Zeit nehmen wird. Der im Jahr 2000 eingereichten Arbeit kann man keinen erkennbaren forscherischen Ehrgeiz nachsagen, sie wurde nur mit „cum laude“ beurteilt.

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