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Plagiatsfall : FU Berlin prüft noch einmal Giffeys Dissertation

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Franziska Giffey: Die Sozialdemokratin will Berlins Oberste Bürgermeisterin werden. Bild: EPA

Es hatte sich abgezeichnet: Die Freie Universität Berlin bewertet abermals die Dissertation von Familienministerin Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin hatte bereits vorab erklärt, dass sie fortan auf ihren Doktortitel verzichten will.

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          Obwohl Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nach Diskussionen um ihre Dissertation auf das Führen ihres Doktortitels verzichtet, prüft die Freie Universität Berlin die umstrittene wissenschaftliche Arbeit abermals. Das teilte die Universität am Mittwochabend mit. Es solle nun untersucht werden, ob in der Abwägung nach Abschluss des ersten Prüfverfahrens die richtige Entscheidung getroffen worden sei. Im Herbst 2019 hatte sich die Universität gegen eine Aberkennung des Doktortitels entschieden, Giffey aber eine Rüge erteilt.

          Nun soll durch den zuständigen Promotionsausschuss des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften wieder ein Prüfungsgremium eingesetzt werden. Allerdings soll diesem kein Mitglied der alten Kommission angehören. Damit ist auch Giffeys Betreuerin, Tanja Börzel, nicht dabei. Die FU kündigte an, die Namen der Mitglieder öffentlich zu machen. Der Präsident der Universität, Günter M. Ziegler, sagte: „Die Mitglieder werden alle Mitglieder mit Rückgrat sein.“ Seitens der Universität besteht der Wunsch, das Verfahren – ungeachtet der Komplexität – möglichst in der Vorlesungszeit des Wintersemesters abzuschließen, also Ende Februar des Jahres 2021. Die Universität reagierte damit auf mehrere kritische Gutachten zu ihrem Vorgehen.

          Die Familienministerin indes hatte bereits am Freitag erklärt, sie verzichte auf das Führen ihres Doktortitels. Der Hintergrund für diesen Schritt: Die Freie Universität (FU) hatte angekündigt, sie wolle das Prüfverfahren um ihre Doktorarbeit neu aufrollen. Giffey hatte weitere Konsequenzen ausgeschlossen. Sie will an ihrer Kandidatur für den Berliner SPD-Landesvorsitz am 27. November festhalten. Es wird erwartet, dass sie auch Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 wird. Ihr Ziel also: Berlins Oberste Bürgermeisterin werden.

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          Ein Sprecher der FU hatte am Freitag mitgeteilt, man habe Giffeys Schreiben zur Kenntnis genommen und die FU prüfe nun mögliche Auswirkungen auf das Verfahren.

          Die CDU-Spitze hatte nach dem Verzicht der SPD-Ministerin auf das Führen ihres Doktortitels auf eine Fortsetzung des Prüfverfahrens gepocht. „In der Causa Giffey ist im Interesse der Integrität unseres Wissenschaftssystems eine abschließende Überprüfung und Bewertung unerlässlich“, sagte die Vorsitzende des CDU-Bundesfachausschusses Bildung, Forschung und Innovation, Karin Prien, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin.

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