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Plagiatsaffären : „Kein Massenphänomen, sondern Einzelfälle“

  • Aktualisiert am

Im Gespräch: Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel Bild: dapd

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, warnt angesichts der jüngsten Plagiatsaffären vor einem Generalverdacht gegen die Wissenschaft. Die SPD versteht nicht, warum Bundestagspräsident Lammert auf einen Strafantrag gegen Guttenberg verzichtet.

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          Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, hat nach neuen Berichten über Pfusch bei Doktorarbeiten davor gewarnt, einen Generalverdacht gegen die Wissenschaft aufzubauen. Dies sei unverantwortlich gegenüber dem sehr engagierten wissenschaftlichen Nachwuchs. „Wir reden hier nicht von einem Massenphänomen, sondern von Einzelfällen, die sehr wohl äußerst bedauerlich sind.“, sagte Frau Wintermantel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es gelte, diese Fälle, Ursachen und Motive genau zu analysieren und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

          Wintermantel reagierte damit auf Plagiatvorwürfe unter anderem gegen den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin. Zugleich warnte sie vor Vorverurteilungen.

          SPD befürchtet „negativen Präzedenzfall“

          Unterdessen zog SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy die Entscheidung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Zweifel, gegen Guttenberg keinen Strafantrag wegen der Plagiatsaffäre zu stellen. „Der Bundestagspräsident sollte der Öffentlichkeit erläutern, warum er von der Stellung eines Strafantrages absehen will“, sagte Edathy der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). „Wenn das Urheberrecht des Bundestages verletzt wurde und das keine Konsequenzen hat, würde ein negativer Präzedenzfall geschaffen.“

          Lammert hatte für den Verzicht auf den Strafantrag keine Gründe genannt. Guttenberg soll Teile seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen haben, ohne dies zu kennzeichnen. Für die Dissertation soll Guttenberg den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht haben.

          Die Universität Bayreuth prüft, ob Guttenberg beim Abkupfern mit Vorsatz handelte. Auch die FDP-Europaabgeordnete Koch-Mehrin soll in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Die Universität Heidelberg untersucht entsprechende Vorwürfe. Der schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki sagte dem Bremer „Weser-Kurier“ dazu: „Wir werden abwarten müssen, was die Universität Heidelberg dazu sagt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass das politische Ergebnis, sollte sich der Verdacht als zutreffend erweisen, in der Dimension ein anderes wäre als bei Herrn zu Guttenberg. Wenn das so wäre, wäre es für sie (Koch-Mehrin) bitter.“

          Als Reaktion auf den Fall prüft die Universität Heidelberg, ob sie künftig von ihren Doktoranden eidesstattliche Versicherungen verlangt. Das sagte der Vorsitzende der „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, Professor Thomas Rausch, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

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