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Plagiate von Professoren : Ergebenheit macht Diebe

Der Schaden für die Reputation beider Wissenschaftlerinnen ist beträchtlich, die Konsequenzen sind vergleichsweise harmlos. Studenten müssen inzwischen an einigen Universitäten mit einer Exmatrikulation rechnen, wenn sie beim Betrügen, Plagiieren oder Fälschen ertappt werden. Eine Rüge und ein Ausschluss vom Antragsverfahren für etablierte, womöglich verbeamtete Wissenschaftler haben keinerlei juristische oder verwaltungsrechtliche Folgen. Für die Sanktionen ist die DFG nur im Blick auf ihre eigenen Antragsverfahren zuständig: der Ausschluss aus dem Wettbewerb um Fördergelder und von der Gutachtertätigkeit sind die Höchststrafen, die sie verhängen kann.

Tadel für Ghostwriter-Einsatz

Für akademische Sanktionen sind die Fakultäten zuständig, die etwa einem plagiierenden Professor das Prüfungsrecht bei Doktoranden entziehen können. Rechtlich ist auch das umstritten. Nur bei ihren Qualifikationsarbeiten, der Dissertation und der Habilitation hat wissenschaftliches Fehlverhalten auch bei Professoren ein Verfahren zur Folge, wie es in letzter Zeit vor allem von den Politikerplagiaten bekannt ist. Dabei sind Prüfung und Sanktion zweierlei. Dienstrechtliche Konsequenzen können nur die jeweiligen Dienstherren, also die Universität oder das zuständige Institut verhängen.

In den meisten Fällen der letzten zehn Jahre blieb es bei Professoren, die ihre Mitarbeiter bestahlen oder gar Texte von ihnen unter eigenem Namen veröffentlichten, bei der bloßen Rüge unterhalb der disziplinarrechtlichen Schwelle. Entsprechende Fälle gab es in Erlangen, Darmstadt und Berlin. Selbst die Beschäftigung eines bezahlten Ghostwriters wurde einzig und allein durch einen Tadel geahndet. Weniger sanft verfuhr die Universität Bonn mit einem Slawistik-Professor, der die Staatsexamensarbeit einer Studentin unter seinem Namen veröffentlicht hatte. Als Dienstherrin entzog sie dem Slawisten das Prüfungsrecht und die Leitung eines Instituts, es blieb ihm nur ein Büroarbeitsplatz.

Gericht nimmt Sanktion zurück

Doch diese akademische Sanktion wurde gerichtlich verworfen. Richter befanden, dass jeder Beamte Anspruch auf eine „amtsangemessene Beschäftigung“ habe. Zu den „Kernaufgaben“ eines Professors gehöre unweigerlich das Prüfen. Beim Versuch, ihn davon auszuschließen, gehe es „nicht nur um organisatorische Maßnahmen, sondern um erhebliche Eingriffe in den Status eines Beamten“. Solche Eingriffe, so das Urteil, seien nur nach einem förmlichen Disziplinarverfahren möglich, nicht jedoch aufgrund einer Rüge (Aktenzeichen OVG NRW 6 B 1607/08).

Nach dem Beamtenstatusgesetz ist eigentlich jedes Verhalten, welches „das Vertrauen in einer für das Amt bedeutsamen Weise beeinträchtigt“ ein Dienstvergehen. Was könnte das Vertrauen in einen Professor, der gegenüber seinen Studenten und Doktoranden auch Vorbildfunktion hat, mehr beschädigen als alle Formen des schweren wissenschaftlichen Fehlverhaltens wie Datenmanipulationen, Plagiate, angemaßte Autorschaften?

Würde das Fehlverhalten als Dienstvergehen gewertet, könnte es mit Geldbußen, einem Verweis oder gar der Entlassung aus dem Dienst geahndet werden, eine Rüge allein jedoch hat keinerlei dienstrechtliche Qualität. So wird es in den allermeisten Fällen weiterhin bei einer schonenden Behandlung für Professoren und für in der wissenschaftlichen Hierarchie Arrivierte bleiben, während Studenten und Doktoranden aufgrund der jüngsten Erfahrungen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten mit harten Konsequenzen zu rechnen haben.

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