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Pius-Bruderschaft : Wo Gottes Stellvertreter unterrichten

Die Pius-Bruderschaft: eine – wenngleich auch problematische – Gruppierung innerhalb der römisch-katholischen Kirche Bild: dpa

Vier Schulen unterhält die umstrittene Pius-Bruderschaft in Deutschland - eine war wegen Misshandlungen mehr als ein Jahr geschlossen. Nach dem Fall des Holocaust-Leugners Williamson fordern auch führende Katholiken, die Schulen der Gruppierung zu überprüfen.

          Die umstrittene traditionalistische Piusbruderschaft wehrt sich gegen Kritik an ihren Schulen. Die deutschen Piusbrüder zeigten sich am Mittwoch „bestürzt“ und „befremdet“ über die Forderung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, die Schulen der Gruppierung zu überprüfen.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          „Hätte er sich im Vorfeld informiert, wüsste er, dass sämtliche Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Saarland und Baden-Württemberg seit ihrer Gründung unter der Aufsicht der jeweiligen Kultusministerien stehen und den staatlichen vorgegebenen Lehrplänen folgen“, sagte der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger. Insofern sei Meyers Aussage „geradezu ein Affront“ für die zuständigen Ministerien.

          „Ideale eines christlichen Lebens“

          Schmidberger betonte: „Angesichts des heute überall beklagten Werteverfalls sollte man doch froh sein, dass hier jungen Menschen die Ideale eines christlichen Lebens vermittelt werden.“ Meyer sei eingeladen, sich durch einen Besuch selbst ein Bild von den Schulen der Piusbruderschaft zu machen.

          Vor dem Hintergrund der Leugnung des Holocausts durch den Lefebvre-Bischof Williamson hatte ZdK-Präsident Meyer eine Überprüfung dieser Schulen gefordert. Meyer hatte sich am Montag im SWR für eine Prüfung der Schulen ausgesprochen: „Wenn die Prüfung ergibt, da werden Grundsätze vertreten, die nicht mit der freiheitlichen Verfassungsordnung in Einklang sind, dann muss man das verbieten.“ .

          „Nationalsozialistisches, insbesondere den Holocaust leugnendes Gedankengut, hat an einer katholischen Schule keinen Platz, also auch nicht am St.-Theresien-Gymnasium“, teilte dagegen das St.-Theresien-Gymnasium der Piusbrüder im nordrhein-westfälischen Ruppichteroth-Schönenberg mit. Die kritische Auseinandersetzung mit dem „kirchenfeindlichen und menschenverachtenden“ Nationalsozialismus und dessen Folgen habe immer zum Unterricht des Gymnasiums gehört. Und überdies: Alle Lehrer der Schule bekennten sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.

          Die Schulen werden überprüft

          Das St.-Theresien-Gymnasium für Mädchen mit angeschlossenem Internat im Bergischen Land ist eine von insgesamt vier Schulen ist, die mittelbar von der Priesterbruderschaft Pius X. in Deutschland unterhalten werden. Zudem gibt es noch zwei Grundschulen, eine im baden-württembergischen Riedlingen und eine in Saarbrücken, sowie – ebenfalls in Saarbrücken – eine Realschule für Jungen.

          Eine fünfte Schule, ein Gymnasium für Jungen im westfälischen Wadersloh, wurde 2007 wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen. Träger der Schulen ist jeweils der Don-Bosco-Schulverein, der aus der Pius-Bruderschaft hervorging und nicht mit dem weit bekannteren Orden der Salesianer Don Boscos zu verwechseln ist, der ebenfalls Schulen unterhält. Die Schulen sind staatlich anerkannte Privatschulen.

          Wegen Züchtigung ein Jahr geschlossen

          Konflikte mit der Schulaufsicht gab es bisher nur im Fall der Herz-Jesu-Realschule in Saarbrücken. Diese waren allerdings so gravierend, dass der saarländische Kultusminister Schreier (CDU) im März 2006 die Schließung der Schule wegen Unzuverlässigkeit des Schulträgers sowie des Schulleiters verfügte. Der religiös-erzieherische Ansatz der Schule berge angesichts der großen Zahl verhaltensauffälliger Schüler aus schwierigen Verhältnissen ein Konfliktpotential, das immer wieder zu körperlichen Züchtigungen von Schülern durch Lehrer führe, hieß es zur Begründung.

          Einem Lehrer der Schule wurde vorgeworfen, im Dezember 2005 zwei Schüler mit der Hand auf den Hinterkopf geschlagen sowie einige Wochen später einen dritten Schüler geohrfeigt zu haben. Die Schulleitung hatte den ersten Vorfall der Schulaufsicht jedoch zunächst verschwiegen. Schon einige Monate zuvor hatte die Schule nach einer Strafanzeige eine Abmahnung erhalten, körperliche Züchtigungen künftig zu unterbinden. Die Schule sprach von der „medialen Verleumdungskampagne“ einer Mutter und wetterte gegen eine „Mediokratie“, welche die Demokratie zunehmend ersetze.

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