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Pisa-Studie : Lesen muss geübt werden

  • -Aktualisiert am

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Jugendlicher hinter Smartphone Bild: dpa

Im Land der Dichter und Denker wächst eine Generation von Lesemuffeln heran. Dabei hängt in Zeiten der Digitalisierung das gesamte tägliche Leben von guter Lesefähigkeit ab.

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          Dass Deutschland sich beim Lesen noch oberhalb des Durchschnitts der OECD-Staaten bewegt, ist ein schwacher Trost. Denn jeder fünfte Schüler kann nur rudimentär lesen, in den nicht-gymnasialen Schulformen gehört mehr als ein Viertel zu den schwächsten Lesern überhaupt. Das heißt, sie sind nur imstande, einfachste Informationen aus simplen Texten zu entnehmen. Damit sind sie weder ausbildungsfähig noch können sie eine weiterführende Schule erfolgreich durchlaufen.

          Mit zunehmender Digitalisierung hängt überdies das gesamte tägliche Leben von guter Lesefähigkeit ab. Auch im Internet können sich nur die gewinnbringend informieren, die sicher lesen und die Qualität von Informationen beurteilen und sie ordnen können. Wer das nicht beherrscht, wird in der Flut der Texte untergehen – oder sich mit Videos begnügen.

          Da das Lesen die Fähigkeit ist, die am meisten vom häuslichen Hintergrund abhängt, haben Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern mit vielen Büchern und einer regelmäßigen Vorlesepraxis weitaus größere Chancen als Kinder aus bildungsfernen Schichten. Um so mehr gilt es in den kommenden Jahren dafür zu sorgen, dass sprachliche Defizite gerade bei Kindern aus bildungsfernen Schichten rechtzeitig erkannt werden. Dazu sind nicht nur frühzeitige Sprachtests nötig. Es bedarf auch einer konsequenten und verpflichtenden Vorbereitung auf die Schule. Im Unterricht selbst muss das Lesen viel häufiger geübt werden. Deutschland gehört zu den Ländern, die in der Grundschule die geringste Unterrichtszeit auf das Lesen und Lesetechniken verwenden.

          Dass es zehn Prozent der Kinder aus bildungsfernen Familien gelungen ist, zu den stärksten Lesern zu gehören, ist ein ebenso hoffnungsvolles Zeichen wie der Erfolg von 16 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die nun zu den besten Lesern gehören. Über der Förderung der Schwachen darf die Stärkung der wirklich leistungsfähigsten Schüler nicht verlorengehen. Geradezu erschütternd ist, dass fünfzig Prozent der Jugendlichen nur lesen, wenn es unbedingt sein muss. Das Land der Dichter und Denker hat sich offenbar eine Generation von Lesemuffeln herangezogen. Und die Leseunlust ist im Vergleich zu früheren Studien noch gewachsen.

          Das hängt nicht nur mit Leseunfähigkeit zusammen, sondern auch mit Erwachsenen, die immer weniger lesen, und Kindergärten, die sich nicht dazu aufgerufen sehen, durch Vorlesen und die Heranführung an Bücher- und Textwelten gezielt auf die Schule vorzubereiten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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