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Piratenpartei : Ponader und das Fußvolk

Als Johannes Ponader vergangene Woche Premierengast in der Late-Night-Show „Stuckrad-Barre“ war, spielte er mit dem Moderator Szenen aus dem WG-Leben nach. Hier bedankt er sich „körperlich“ für ein Feedback zu seinem Kleidungsstil.
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          Johannes Ponader glaubt, in diesen Tagen viel für die Piratenpartei zu tun. Als ihr politischer Geschäftsführer steht er auf den Straßen Niedersachsens und sammelt Unterschriften für die Landtagswahl im Januar: in Helmstedt, Nienburg, Hildesheim. Und er hätte noch viel mehr sammeln können, wenn nicht ständig das Telefon klingeln und Journalisten fragen würden, wie lange er sein Amt noch behält.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Denn andere finden, dass Ponader in letzter Zeit nicht sonderlich viel für seine Partei getan hat. Im Gegenteil: Sie glauben, dass er einer der Gründe ist, warum die Umfragewerte der Partei zum ersten Mal seit der Hochphase des Frühjahrs wieder unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Zu diesen anderen gehören nun ausgerechnet fast alle anderen Mitglieder des Bundesvorstands. Er besteht aus neun Personen und zwei Fraktionen: Auf der einen Seite steht der Ende April gewählte Ponader, zu dem sich halbherzig die ebenfalls in Ungnade gefallene Julia Schramm und der wenig nach außen wirkende Klaus Peukert gesellt haben. Auf der anderen Seite steht der Ponader-kritische Rest, angeführt vom Bundesvorsitzenden Bernd Schlömer, seinem Stellvertreter Sebastian Nerz und dem Beisitzer Matthias Schrade.

          Ponader ist ihnen zu schrullig und unseriös

          Sie wollen Ponader loswerden. Der 35 Jahre alte „Theatermensch“ und Lebenskünstler ist ihnen zu schrullig und unseriös; vor allem hampelt er ihnen zu viel in Talkshows herum. Schon sein erster Auftritt nach seiner Wahl, Anfang Mai bei Günther Jauch, pikierte viele, weil Ponader ohne Socken in Trekking-Sandalen im Stuhl fläzte und mit seinem Telefon hantierte, anstatt sich am Gespräch zu beteiligen. So ähnlich ging es weiter - zuletzt ließ er sich von Benjamin Stuckrad-Barre im Fernsehen die immerhin verhüllten Füße massieren. Denn Ponader ist im Fernsehen ein gerngesehener Gast: Schließlich trägt er nicht nur merkwürdige Kleidung, sondern führt auch ein ungewöhnliches Leben. Nachdem er sein Abitur nach eigenen Angaben mit 1,0 abgeschlossen und mehrere Stipendien erhalten hat, lebte er als Theaterpädagoge von Gelegenheitsjobs und Hartz IV. Zudem hängt er der Polyamorie an, einer Beziehungsform, in der es mehrere feste Partner und angeblich keine Eifersucht gibt - ein Thema, über das er mutmaßlich öfter sprach als über sein politisches Herzensprojekt, das bedingungslose Grundeinkommen.

          Dieses Ungleichgewicht von Person und Inhalten werfen ihm seine Kritiker nun vor. In einer internen Vorstandssitzung Anfang Oktober legte man ihm nahe, seine Präsenz in den Medien zu reduzieren. Ponader habe nicht darauf reagiert, die Kritik zurückgewiesen, heißt es. Darum, so stellt es die Anti-Ponader-Front dar, sah sich Bernd Schlömer gezwungen, das Problem öffentlich zu machen. Dem Internetdienst „Spiegel Online“ sagte er diese Woche, er würde Ponader raten, „mal zu arbeiten, anstatt Modelle vorzustellen, die die Berufstätigkeit umgehen“. Damit spielte er auf eine Aktion an, die Ponader schon im August in die Bredouille gebracht hatte.

          Nachdem er in der F.A.Z. melodramatisch seinen „Rücktritt vom Amt“, dem Arbeitsamt nämlich, erklärt hatte, weil er die „Gängelung durch die Jobcenter“ nicht länger ertragen könne, starteten Sympathisanten in der Partei eine Spendensammelaktion, um Ponader eine Art bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat zur Verfügung zu stellen. Damit sollte er seiner politischen Arbeit nachgehen können - denn Vorstandsämter werden in der Piratenpartei nicht bezahlt. Angesichts des Widerstands nahm Ponader aber nichts von dem Geld, das gespendet wurde, und die Aktion wurde Ende August fürs Erste gestoppt. Schon war zartes Gras darüber gewachsen, als Schlömer mit dem Vertikutierer kam: „Für Menschen, die einem Beruf nachgehen, ist es nicht nachvollziehbar, wenn sich jemand durch Spenden alimentieren lassen will und auf Privilegien setzt, die für andere nicht erreichbar sind“, griff er Ponader an.

          Bisher hatte Schlömer eine solche Basta-Art nicht nötig

          Schlömer, der eine solche Basta-Art bisher nie nötig hatte, muss nervös sein. Denn nicht nur Ponader steht in der Kritik, sondern auch und gerade Schlömer selbst: Auf dem Landesparteitag der hessischen Piraten Anfang Oktober wurde ein Antrag auf Neuwahl des Bundesvorstands zwar abgelehnt, stattdessen aber die große Unzufriedenheit mit der gesamten Spitze und ihren internen Querelen zum Ausdruck gebracht. In dieser Situation setzt Schlömer, im Verbund mit Nerz und Schrade, nun ganz auf die bürgerlichen Wähler und Parteimitglieder. Den „linken“ Ponader braucht er dafür nicht. Es ist ein extrem gewagter Vorstoß Schlömers, denn auch Ponader hat seine Anhänger, und nichts verachten die Piraten so sehr wie Machtworte.

          Entscheiden wird sich das Duell spätestens auf dem Bundesparteitag in Bochum Ende November. Dort will die Parteispitze um Schlömer herum vorschlagen, ihre Amtszeit von einem auf anderthalb Jahre zu verlängern, um die Partei durch die Bundestagswahl zu führen. Offenbar glaubt keiner von ihnen, er würde bei einer turnusgemäßen Wahl im April wiedergewählt. In Bochum dürfte es aber auch Gegenanträge geben, die für eine möglichst frühe Neuwahl (im Januar 2013) stimmen werden. Einen kleinen Erfolg hat die Wahlkampftroika aus Schlömer, Nerz und Schrade aber immerhin schon errungen: Ponader hat neulich eine Einladung in die ZDF-Sendung „Markus Lanz“ abgelehnt. Stattdessen geht nun Sebastian Nerz hin.

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