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Piraten-Geschäftsführerin Katharina Nocun : Verdammt noch mal alles geben

Will die Piraten wieder auf Kurs bringen: Katharina Nocun Bild: dpa

Katharina Nocun hat eine schwierige Aufgabe vor sich: Nach Marina Weisband und dem gescheiterten Johannes Ponader soll sie die Piraten als politische Geschäftsführerin wieder auf Kurs bringen. Die Voraussetzungen dafür bringt sie mit.

          Katharina Nocun mangelt es nicht an kräftigen Ausdrücken. Gern sagt sie „verdammt“. Oft benutzt sie das Wort in Kombination mit „noch mal“. Immer wieder sagt sie es auf der Bühne beim Parteitag in Neumarkt - bei ihrer Bewerbungsrede als Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei und bei ihrer Dankesrede nach der Wahl. Die Parteimitglieder dankten es ihr mit langem Applaus - und einem Wahlergebnis von knapp 82 Prozent. Für Piratenverhältnisse „verdammt gut“.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Katharina Nocun soll nun alles besser machen als ihr Vorgänger Johannes Ponader: die Partei nach außen als Sympathieträgerin vertreten und sich im Bundesvorstand möglichst effizient und geräuschlos engagieren. Sie bringt dafür gute Voraussetzungen mit. So ist sie in der Parteiführung schon lange keine Unbekannte. Als Netzaktivistin kämpfte sie über viele Jahre gegen die Vorratsdatenspeicherung, unter anderem mit dem früheren Bundesvorsitzenden der Piratenpartei und heutigen Bundestagskandidaten Jens Seipenbusch. Zuletzt war sie Themenbeauftragte für den Datenschutz. Bei all den Stürmen der Empörung und Beschimpfungen im Internet ist sie bislang nicht auffällig geworden. Sie wird in der Partei geschätzt, ihre Fachkompetenz gelobt. Nach ihrer Wahl dauerte es daher nicht lange, bis erste Vergleiche mit ihrer Vorvorgängerin Marina Weisband gezogen wurden. Die steht bei den Piraten noch immer in hohem Ansehen.

          Sie zögerte lange

          Der Streit um die Vorratsdatenspeicherung ist auch ein Schlüsselereignis bei der Politisierung der 26 Jahre alten Studentin. Irgendwann saß sie einmal bei einer Anhörung der EU-Kommission zur Vorratsdatenspeicherung. Sie hatte das Gefühl, die Einwände der Netzaktivisten würden gar nicht wirklich beachtet. Sie fühlte sich als Feigenblatt. Sie entschied sich, auch über dieses Thema hinaus politisch aktiv zu werden. Vor einem Jahr schließlich trat Frau Nocun in die Piratenpartei ein. In Niedersachsen wurde sie gleich zur Ko-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Diese verlor die Piratenpartei klar, sie kam nur auf 2,1 Prozent. Es war das Ende einer erstaunlichen Siegesserie. Frau Nocun aber wurde dafür nicht verantwortlich gemacht. Die Wahl fiel in die Zeit, in der die Spannungen zwischen Ponader und dem Rest des Bundesvorstands der Piraten schon nicht mehr zu übersehen waren. Und als Ponader schließlich ankündigte, beim Parteitag in Neumarkt zurückzutreten, da wurde Frau Nocun von mehreren Piraten gebeten, ihm nachzufolgen, anfangs jedoch ohne Erfolg.

          Neue Führungsspitze: der Bundesvorsitzende der Piraten, Bernd Schlömer, und die neue politische Geschäftsführerin Katharina Nocun

          Die gebürtige Polin, die in der Nähe von Osnabrück lebt, zögerte lange. Eigentlich habe sie ihr Studium der Politik, Wirtschaft und Philosophie abschließen und ihre Master-Arbeit schreiben wollen. Kurz vor dem Parteitag kandidierte sie dann doch. Auch auf der niedersächsischen Liste für die Bundestagswahl steht sie. Ihre Master-Arbeit will sie nun auf das nächste Semester verschieben, um sich ganz auf den Wahlkampf konzentrieren zu können. Denn an ihr soll es nicht liegen, sollten die Piraten im September scheitern. So rief sie es den Parteimitgliedern zu: „Mein Versprechen ist, dass ich verdammt noch mal alles geben werde.“

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