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Photovoltaik : Baden-Württemberg will Brachflächen für Energiewende nutzen

Ein Auto fährt am Solarpark „Lustnauer Ohren“ vorbei, einer Solaranlage an der Bundesstraße 27 zwischen Tübingen und Stuttgart Bild: dpa

Früher galt es als unrentabel, nun soll es Investoren anlocken: Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg will Straßenränder mit Photovoltaik-Anlagen bebauen lassen.

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          Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg will Brachflächen und Randstreifen von Bundes- und Landesstraßen verstärkt zur Energiegewinnung nutzen. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen auf etwa 260 Flächen Photovoltaikanlagen (PV) gebaut werden, die pro Jahr 122 Gigawatt Strom erzeugen können. Damit könnten nach Berechnungen des baden-württembergischen Verkehrsministeriums etwa 35. 000 Dreipersonenhaushalte mit Solarstrom versorgt werden. Angestrebt wird auch, Tunnelbauwerke künftig mit Solaranlagen energetisch autonom zu unterhalten.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Baden-Württemberg hat, verglichen etwa mit Bayern, beim Bau von neuen Solaranlagen auf Freiflächen einen Nachholbedarf. „Der Aufwuchs der regenerativen Energien gehört zur absoluten Priorität, wir sind bei der Photovoltaik auf dem vierten Platz“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Durch die PV-Pflicht für Neubauten werde es einen Zuwachs von etwa 60.000 Anlagen pro Jahr geben, die „nächste Baustelle“ sei die Errichtung solcher Anlagen am Rand von Verkehrswegen.

          Ungleiche Verteilung der Flächen

          Zudem diskutieren Grüne und CDU über eine PV-Pflicht für Altgebäude: Die CDU lehnt sie ab, die Grünen lassen prüfen, ob sich verfassungsrechtliche Hürden überwinden lassen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte, bislang habe man die Nutzung von Böschungen oder von Schallschutzwänden aufgrund mangelnder Rentabilität ausgeschlossen. „Jetzt haben wir aber eine neue Zeit.“

          Es habe zunächst 650 Meldungen für solche Anlagen gegeben, 330 Flächen seien aber nicht im Eigentum des Landes gewesen. Jetzt müssten Stadtwerke, Genossenschaften und Unternehmen prüfen, ob sie investieren wollten. Für die Investoren habe man Musterpachtverträge erarbeitet, leider seien die Flächen im Land noch nicht gut verteilt, Schwerpunkte des Photovoltaikausbaus an den Straßenrändern sind Nordbaden sowie Teile der Schwäbischen Alb.

          Hermann kritisierte, dass neben Autobahnen, für die das Land nicht zuständig ist, eine PV-Anlage nur mit einem Abstand von 40 Metern gebaut werden dürfe, um für künftigen Autobahnbau Boden frei zu halten. Es gebe aber gering frequentierte Autobahnen, bei denen laut Hermann ein sechsspuriger Ausbau unwahrscheinlich ist. Die Solaranlage an der Autobahn 8 bei Gruibingen (Landkreis Göppingen) gilt als vorbildlich.

          In Tübingen ist gerade an den „Lustnauer Ohren“, einer Freifläche an einer Anschlussstelle der Bundesstraße, eine Solaranlage gebaut worden. Sie versorgt 500 Privathaushalte zeitweise mit Strom. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hatte kritisiert, dass die Planungs- und Genehmigungsphase für das Projekt neun Jahre gedauert hatte, die Bauzeit aber nur neun Wochen.

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