https://www.faz.net/-gpf-75i8c

Philipp Rösler : Drei Könige

  • -Aktualisiert am

„Geliefert“ hat er sich einen Mühlstein: Philipp Rösler Bild: dpa

Seit Monaten wird in der FDP über nichts anders als die politische Zukunft des Parteivorsitzenden geredet. Es wird gesägt, dass die Späne fliegen.

          2 Min.

          Es steht dahin, ob Philipp Rösler jene Tage im Herbst 2009 verflucht, in denen er auf eine Weise des „Nolens-volens“ aus der niedersächsischen Landespolitik in die Bundespolitik geriet. Für die FDP hatte er bei den Koalitionsgesprächen in Berlin die Verhandlungsführung zur Arbeits- und Sozialpolitik übernehmen wollen. Guido Westerwelle übertrug ihm die Gesundheitspolitik. Westerwelle, damals FDP-Vorsitzender fragte ihn, so Röslers Wahrnehmung, ob er ihn als Kandidaten für ein Ministeramt vorschlagen könne.

          In der Erwartung, Ursula von der Leyen (CDU) werde ihren Wunsch erfüllt bekommen, Gesundheitsministerin zu werden, sagte Rösler Ja. Am Vorabend der Personalentscheidungen in Berlin unterzeichnete er einen Vertrag zum Kauf eines Einfamilienhauses daheim in Niedersachsen. Aus dem Landesminister wurde ein Bundespolitiker: Minister für Gesundheit. Im Bündnis mit Altersgenossen drängte er eineinhalb Jahre später Westerwelle aus dem Parteivorsitz und Rainer Brüderle aus dem Wirtschaftsministerium.

          Der Satz seiner damaligen Parteitagsrede, von nun an werde die FDP „liefern“, hängt Rösler heute noch wie ein Mühlstein am Hals. Die Umfragen der FDP, die Westerwelle zum Verhängnis geworden waren, blieben schlecht. Er schaffte es nicht, die FDP-Zentrale „Thomas-Dehler-Haus“ zu einem schlagkräftigen Instrument zu machen. Seine freundlichen und höflichen Umgangsformen wurden höhnisch als Schwäche bewertet. Die FDP-Erfolge in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden nicht auf seinem Haben-Konto verbucht. Dass unter seiner Führung die FDP gegen den Willen Angela Merkels die Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten durchsetzte, ist - im umgangssprachlichen Ton der Machtkämpfe in Berlin - „Schnee von gestern“.

          Am Sonntag dann auf offener Bühne

          Seit Monaten wird in den sogenannten FDP-Kreisen über nichts anders als die politische Zukunft des Parteivorsitzenden geredet. Es wird gesägt, dass die Späne fliegen: Rösler wisse, was er zu tun habe, wenn die FDP in Niedersachsen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitere; es solle ein Sonderparteitag einberufen werden. Wie vor zwei Jahren vor dem Fall Westerwelles glauben die Lemminge, mit einem neuen Gesicht an der Spitze werde alles besser. Viele Ämter könnten dann neu vergeben werden: Der FDP-Vorsitz, die Aufgabe als Wirtschaftsminister, der Ehrentitel „Vizekanzler“, in der Folge womöglich auch der Fraktionsvorsitz und das Amt des Entwicklungshilfeministers. Auch würde sich die Frage stellen, ob Königsmörder belohnt werden. Rösler hat aus diesen Umständen einen Schluss gezogen. Rücktritt? „Die Frage habe ich mir nie gestellt.“

          Vieles hat die FDP in früheren Jahren schon unternommen, das Interesse für ihr „Dreikönigstreffen“ anzuheizen: Streit in Koalitionen, einst sogar Debatten über den Liberalismus in Deutschland. An diesem Sonntag aber gibt es eine Premiere: Auf offener Bühne hat der Parteivorsitzende (Rösler) gegen zwei vor ihm redende Kandidaten zu bestehen: Dirk Niebel und Rainer Brüderle.

          Weitere Themen

          Hausdurchsuchungen bei Unterstützern Bolsonaros

          Gegen Hetzkampagnen : Hausdurchsuchungen bei Unterstützern Bolsonaros

          Den insgesamt 29 Personen wird vorgeworfen, in sozialen Netzwerken Hasskampagnen und „Fake News“ systematisch verbreitet zu haben. Bolsonaro selbst spricht von Anzeichen, „dass etwas sehr Schlimmes mit unserer Demokratie passiert“.

          Topmeldungen

          Lachen für die Kameras: Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Chef Herbert Diess (rechts) im Oktober 2019 in Wolfsburg

          Osterloh gegen Diess : Das System VW schlägt zurück

          Betriebsratschef Bernd Osterloh wagt den Machtkampf mit VW-Chef Herbert Diess. Hauptkritikpunkte: Sein Führungsstil und die vielen technischen Pannen im Unternehmen.
          Zielscheibe der „Bild“-Zeitung: der Virologe Christian Drosten.

          „Bild“ & Kekulé gegen Drosten : Nachtreten bis zum Umfallen

          Die „Bild“-Zeitung macht mit dem perfiden Kesseltreiben gegen den Virologen Christian Drosten weiter. Ein paar Helfershelfer springen auf den Zug auf. Und dieser rast mit Vollgas, so wie das Boulevardblatt es sich wünscht.
          Julia Stoschek anlässlich einer Preisverleihung in Köln im Jahr 2018

          Julia Stoschek : Eine Kunstsammlerin begehrt auf

          Ihre Sammlung gehört zu den besten der Welt, ihre Ausstellungen und ihre Partys sind gefragt: Was treibt die Kunstsammlerin Julia Stoschek an, die jetzt Berlin vorführt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.