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Das Virus bedroht die Alten : Nur geschützte Pfleger sind sichere Pfleger

In der Pflege gibt es kein Homeoffice. Bild: dpa

Pflegebedürftige können sich schwer vor einer Infektion schützen. Wenn in Heimen die Schutzausrüstung ausgeht, hat das dramatische Folgen. Die restliche Bevölkerung könnte helfen.

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          Bis vor einigen Tagen konnte man vereinzelt noch die giftigen Warnungen vernehmen. In der Corona-Krise herrsche Hysterie, tönten manche. Man solle statt der Bürger vielmehr die (angeblichen) Panikmacher isolieren, hieß es zynisch.

          Inzwischen tritt immer deutlicher zutage, worauf Fachleute schon von Anfang an hingewiesen haben: Den Preis der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zahlen weniger die Jungen und bislang Gesunden, sondern jene, die alt sind und schon anderweitig krank. Sie trifft das Virus mit voller Wucht, wie man es bereits in Würzburg und Wolfsburg beobachten konnte. Dort starben in zwei Pflegeheimen binnen weniger Tage mehr als zwei Dutzend alte Menschen, die sich mit Corona infiziert hatten.

          Pflegebedürftige sind darauf angewiesen, dass andere ihnen durch den Tag helfen; dass jemand sie anzieht, wäscht, ihnen Medikamente gibt. Zwar sind sie von vornherein auf gewisse Weise von der Außenwelt abgeschnitten. Doch durch den notwendigen Kontakt mit Pflegern können sich die Alten und Kranken nicht so weit von allen anderen isolieren, wie ein gesunder Mensch es vermag.

          Viele Heime und Pflegedienste rufen dieser Tage laut um Hilfe, weil ihnen bald die Atemschutzmasken und das Desinfektionsmittel ausgehen. Das hat nicht nur zur Folge, dass Pfleger selbst ihre Gesundheit riskieren müss(t)en, um noch ihren Job machen zu können. Es setzt auch die Pflegebedürftigen dem Risiko einer Infektion aus – die möglichen Folgen sind bekannt. In diesem Engpass spiegelt sich die gegenwärtig wohl größte Dramatik der an dramatischen Episoden nicht armen Corona-Krise.

          Umso mehr kommt es jetzt darauf an, das Problem zu entschärfen. So kann es Leben retten, wenn Angehörige vorübergehend auf Besuche verzichten; wenn jüngere und gesunde Leute, die mehr Atemschutzmasken haben, als sie brauchen, ein paar von denen zur Verfügung stellen. Gewiss, nichts davon fällt leicht. Doch immerhin birgt diese Krise eine Chance. Viele Menschen sehnen sich danach, etwas Sinnvolles zu tun und der Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen. Hier können sie es tun.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

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