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Pferdefleischskandal : Grüne fordern Mitteilungspflicht für Lebensmittelbranche

  • Aktualisiert am

Pferdefleisch in Rinderhack: Im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht ein Mitarbeiter Proben Bild: dpa

Grünen-Fraktionschefin Künast hat eine Mitteilungspflicht für die Lebensmittelbranche gefordert, nach der auch reine Täuschungsfälle gemeldet werden müssten. Indes nahmen auch Lidl und Aldi Süd Fertiggerichte aus dem Verkauf.

          Im Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch haben die Grünen eine Mitteilungspflicht für die Lebensmittelbranche gefordert. Auch reine Täuschungsfälle müssten künftig gemeldet werden, sagte Fraktionschefin Renate Künast der „Passauer Neuen Presse“. Nach mehreren anderen Supermarktketten nahm auch der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd ein Fertiggericht aus dem Verkauf, weil darin Pferdefleisch gefunden wurde.

          „Verarbeitetes Fleisch muss endlich gekennzeichnet werden und die Kennzeichnung muss die Aufzucht- und Mastbetriebe genau benennen“, sagte Künast. Derzeit müssten Fälle, in denen es keine Gesundheitsgefahr gebe, von Unternehmen nicht gemeldet werden und Behörden dürften sie auch nicht veröffentlichen. Das dürfe so nicht bleiben: „Ross und Reiter müssen genannt werden, sobald Etikettenschwindel betrieben wird“, sagte Künast.

          Rückruf von Rindergulasch

          Nachdem bei Aldi Süd in als Rindergulasch deklarierten Konserven Pferdefleisch nachgewiesen worden sei, sei ein Rückruf des Fertiggerichts eingeleitet worden, sagte die brandenburgische Umweltministerin Anita Tack (Linke) am Freitagabend in der rbb-Sendung „Brandenburg Aktuell“.

          Zuvor hatten in Deutschland bereits Edeka, Real, Rewe und Kaiser’s Tengelmann sowie der Tiefkühl-Heimservice Eismann Lasagne-Produkte aus dem Handel genommen. Die Billigsupermarktkette Lidl stoppte am Freitag den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller Hilcona teilte mit, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Daher müsse es sich „um eine fehlerhaft deklarierte und gelieferte Rohware des Lieferanten handeln“.

          In fünf von sechs Proben Pferdefleisch

          Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wies in fünf von sechs Proben Tiefkühllasagne die DNA von Pferdefleisch nach. In einer Mitteilung von Freitagabend hieß es, die Proben stammten aus dem bayerischen Zentrallager eines Vertreibers von Tiefkühlprodukten mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Der Hersteller habe die Produkte bereits vorsorglich zurückgenommen. In den Jahren 2010 bis 2013 wurden den Angaben zufolge am LGL rund 600 Untersuchungen auf nicht deklariertes Pferdefleisch vorgenommen. In keinem Fall sei Pferdefleisch nachgewiesen worden, hieß es.

          Der deutsche Lebensmittelhandel sah bei sich keine Versäumnisse und wies Vorwürfe der Intransparenz zurück. Die Branche sei ihrer Sorgfaltspflicht „umgehend“ nachgekommen, erklärte der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL).

          In Brüssel wurde derweil ein Aktionsplan verabschiedet, wonach die EU mit DNA-Tests bei Fertiggerichten mit Rindfleisch den Pferdefleisch-Skandal aufklären will. Vorgesehen sind auch Kontrollen auf das für den Menschen womöglich gefährliche Tiermedikament Phenylbutazon. Demnach sollen EU-weit 2250 Proben einem DNA-Test unterzogen werden, etwa zehn bis 150 pro Mitgliedsland.

          Auch in vielen anderen europäischen Ländern wurden in den vergangenen Tagen Spuren von Pferdefleisch in Fertiggerichten entdeckt, die eigentlich Rindfleisch enthalten sollten. Ins Rollen gekommen war der Skandal nach entsprechenden Funden in Fertig-Lasagne in Großbritannien.

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