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Pfahls wieder verhaftet : Aufstieg und Fall eines Karrierebeamten

  • -Aktualisiert am

Ludwig-Holger Pfahls am 22. Februar im Landgericht Augsburg: Mit sich im Reinen? Bild: dpa

Einst war er Staatssekretär im Verteidigungsministerium, dann tauchte er unter. Später half er, die „Mauer des Schweigens“ in der Schreiber-Affäre zu durchbrechen. Nun wurde Ludwig-Holger Pfahls wieder verhaftet.

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          Es liegt erst wenige Monate zurück, dass Ludwig-Holger Pfahls einen recht entspannten Auftritt im Augsburger Strafjustizzentrum hatte. Im Prozess gegen Karlheinz Schreiber wurde der frühere Staatssekretär im Februar als Zeuge vernommen - und Pfahls musste vom Vorsitzenden der Strafkammer abgehalten werden, seine Aussage als sicherheitspolitisches Oberseminar zu gestalten.

          Pfahls wiederholte die Angaben, die er schon in dem Verfahren, in dem er sich selbst in Augsburg hatte verantworten müssen, gemacht hatte: Dass Schreiber ihm im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften insgesamt 3,8 Millionen Mark versprochen habe; dass Schreiber dieses Geld für ihn in der Schweiz verwaltet habe; dass er nur knapp 900.000 Mark ausgehändigt erhalten habe. Pfahls wirkte bei seiner Vernehmung wie ein Mann, der nach vielen Irrwegen mit sich im Reinen ist. Nichts deutete darauf hin, dass er noch einmal in die Rolle des Beschuldigten geraten könnte: Doch seit seiner Festnahme am Mittwoch wegen des Verdachts des Bankrotts könnte es sein, dass das Bild, das er im Prozess gegen Schreiber vermittelte, trügerisch war.

          Strafverfahren, Gerüchten und Halbwahrheiten

          Es ist mittlerweile ein schier undurchdringliches Geflecht aus Strafverfahren, Gerüchten und Halbwahrheiten, die sich um die Machenschaften Schreibers ranken, der im Mai zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden ist; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

          Wiedersehen vor Gericht: Pfahls und Karlheinz Schreiber

          Viele Verzweigungen führen zu Pfahls, dem jetzt vorgeworfen wird, gegenüber Gläubigern, die Ansprüche gegen ihn aus bereits abgeurteilten Straftaten haben, Vermögenswerte verschwiegen zu haben; darunter ist auch der Fiskus.

          „Vermögen von vier Millionen Euro“

          Von einem Grundstück in Deutschland, einem Haus in Südfrankreich, einem teuren Wagen ist die Rede, die sich Pfahls geleistet haben soll, obwohl er sich in einer eidesstattlichen Versicherung als vermögenslos bezeichnet habe. Die Staatsanwaltschaft schätzt aber, dass Pfahls über ein Vermögen „von jedenfalls vier Millionen Euro“ verfüge.

          Bei diesen Vorwürfen gegen Pfahls kommt auch eine weitere Schlüsselfigur in den Affären um Schreiber wieder ins Spiel - Dieter Holzer, der ebenfalls zusammen mit fünf weiteren Personen festgenommen worden ist; sie sollen Pfahls geholfen haben, seinen finanziellen Status zu verschleiern. Holzer, mal Geschäftsmann, mal Lobbyist, mal Berater genannt, bewegt sich seit Jahrzehnten in einem fahlen Zwischenreich staatlicher und privater Interessen, in das sich auch Pfahls begeben hatte.

          Büroleiter bei Strauß

          Pfahls war von 1987 bis 1992 Staatssekretär im Verteidigungsministerium gewesen. Als junger Jurist hatte er eine beachtliche Karriere im bayerischen Staatsdienst absolviert; unter anderem diente er Ministerpräsident Franz Josef Strauß als persönlicher Referent und Büroleiter. In dieser Zeit schloss er Bekanntschaft mit Schreiber, den er - wie er in seinem Strafverfahren angab - zum „erweiterten Bekanntenkreis“ von Strauß gerechnet habe.

          Zunächst habe ihn Schreiber wie „Dienstpersonal“ behandelt; später, als er zu Einfluss gekommen sei, habe Schreiber seine Nähe gesucht und ihm das Du aufgedrängt. Der Sprung in ein Führungsamt gelang Pfahls 1985, als er auf Betreiben von Strauß Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz wurde. Zwei Jahre später wechselte er als beamteter Staatssekretär ins Verteidigungsministerium; dort wurde er 1989 für die Rüstungskontrolle zuständig. 1992 schied er aus dem Ministerium aus und arbeitete danach für den Daimler-Benz-Konzern in Südostasien.

          Abenteuerliche Flucht

          1999, als Vorwürfe der Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung gegen ihn bekannt wurden, begann eine Flucht, die auch ein Drehbuchautor nicht abenteuerlicher hätte ersinnen können.

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