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Frankfurter Oberbürgermeister : Feldmann kennt kein Maß – wie die SPD

Der Oberbürgermeister von Frankfurt, Peter Feldmann (SPD), bei der Aufstiegsfeier der Frankfurter Löwen Ende April im Römer Bild: dpa

Korruptionsvorwürfe und AWO-Sumpf waren für die Frankfurter SPD kein Grund, sich vom Stadtoberhaupt zu distanzieren. Jetzt muss ein Witz als Anlass für Rücktrittsforderungen herhalten. Das verhöhnt alle Bürger.

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          Potztausend, jetzt ist aber wirklich der Ofen aus. Bisher waren es aus Sicht der Frankfurt SPD offenbar nur Kavaliersdelikte, die dem Genossen Oberbürgermeister Feldmann vorgeworfen wurden. Sogar die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsannahme; die Durchsuchung seiner Amtsräume – all das war kein Grund für die Sozialdemokraten, sich wirklich vom Stadtoberhaupt zu distanzieren.

          Jetzt aber, nach einer weiteren Feldmann-typischen Peinlichkeit, einem dämlichen Spruch im Flugzeug nach Sevilla auf Kosten der Flugbegleiterinnen, droht die politische Höchststrafe. Heftige Korruptionsvorwürfe und der AWO-Sumpf sind für die Frankfurter SPD offenbar eher normal; ein Witz, für den sich der Oberbürgermeister immerhin umgehend entschuldigte, muss jetzt als Anlass für die Forderung nach sofortigem Rücktritt herhalten.

          Dabei ist Feldmann längst – und zwar nicht nur hormonell – außer Gefecht. Er schaffte es zwar auf durchaus beeindruckende Weise, ohne das Establishment zwei Wahlen zu gewinnen, und er zeigt auch weiterhin – die Gemeindeordnung macht es möglich – seine Unabhängigkeit. Leider bedeutet das im Fall Feldmann auch eine Unabhängigkeit von Recht und Würde. Er kennt kein Maß. Die SPD aber auch nicht. Man muss Fehltritte auch gewichten können. Die Frankfurter Sozialdemokraten, die sich offenbar nun als besonders frauenfreundlich darstellen wollen, verhöhnen alle Bürger.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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