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Personalbedarf im Krankenhaus : Finde den richtigen Schlüssel!

Keine schlechte Quote: Auf dem Tafelbild aus dem 15. Jahrhundert füttert die heilige Elisabeth einen Kranken, eine andere Frau hält seinen Kopf. Bild: ddp Images

Wie viele Patienten eine Pflegerin im Krankenhaus auf einmal betreuen kann, ist von vielen Dingen abhängig. Trotzdem plant die Politik feste Quoten. Dagegen sprechen sich nicht nur Experten aus.

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          In einem sind sich fast alle einig: In deutschen Krankenhäusern gibt es zu wenige Pflegerinnen und Pfleger, und die wenigen sind auch noch überlastet. Die Arbeit ist anstrengend und oft unbefriedigend. Vor allem fehlt Zeit: für ein paar freundliche Sätze mehr, für einen etwas längeren Händedruck – und manchmal sogar dafür, eine schwache Patientin nachts zur Toilette zu begleiten, wenn bei einem der mehr als dreißig anderen Kranken auf der Station das Notfall-Lämpchen leuchtet. Denn so viele Patienten muss ein einziger Pfleger in manchen Fällen während der Nachtschicht betreuen. Im Schnitt kümmert sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in deutschen Kliniken ein Pfleger oder eine Pflegerin um zehn Patienten. Das sind mehr als in den meisten anderen Ländern Europas. 70.000 Krankenpfleger fehlen demnach in Deutschland, längst ist von einem „Pflegenotstand“ die Rede.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Gewerkschaft ist überzeugt, eine gute Idee zu haben, mit der sich das Problem lösen ließe: Ein Bundesgesetz soll eine feste Quote festlegen, für wie viele Kranke eine Pflegekraft höchstens verantwortlich sein darf. Der Markt allein werde es nämlich nicht richten, sagt Sylvia Bühler aus dem Vorstand. In der Altenpflege ist eine solche Personalbemessung schon geplant – für 2020. Für die Krankenhäuser fordert das derzeit niemand so vernehmlich wie Verdi. Aber die Frage, ob feste Personalschlüssel für Krankenhäuser sinnvoll sind, beschäftigt auch Politiker, Wissenschaftler, Krankenkassen, Kliniken und Verbände.

          Finanzielle Mittel reichen nicht aus

          Die Not sehen alle. Allerdings spricht aus Sicht vieler Fachleute auch einiges dagegen, das Pfleger-Patienten-Verhältnis für die knapp 2000 Krankenhäuser flächendeckend vorzuschreiben. Denn jedes Krankenhaus ist anders: Kliniken haben verschiedene medizinische Schwerpunkte mit unterschiedlichen technischen Geräten. Jedes Gebäude ist anders, und die Wege zwischen den einzelnen Abteilungen sind mal lang, mal kurz. Außerdem gelten von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedliche Absprachen darüber, welche Aufgaben Ärzte, Pfleger und anderes Personal übernehmen.

          Deshalb folgert das von CDU-Minister Hermann Gröhe geführte Bundesgesundheitsministerium, dass der konkrete Personalbedarf immer im einzelnen Krankenhaus festgelegt werden müsse. Als „entscheidende Maßgabe“ für die Personalbemessung bezeichnet das Ministerium die Versorgungsqualität für die Patienten – und eben nicht „zahlenmäßige Vorgaben“. Ein wichtiger Faktor für gute Versorgung ist aber, wie viel Personal sich um die Kranken kümmern kann. Deshalb hat das Ministerium im vergangenen Jahr 660 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Krankenhäuser können das Geld bis 2018 abrufen, um mehr Pfleger einzustellen. Von 2019 an gibt es dafür jedes Jahr 330 Millionen. Kritiker meinen: Das reicht nicht.

          Gröhe hat nicht nur das Sofortprogramm aufgelegt, sondern im vorigen Herbst auch eine Expertenkommission einberufen. Die soll bis Ende nächsten Jahres prüfen, was an der Personalsituation in der Krankenpflege grundsätzlich verbessert werden kann – über die Geldspritze hinaus. Die Kommission diskutiert auch über verbindliche Vorgaben zu Personalschlüsseln. In den Beratungen, an denen Mitarbeiter des Ministeriums, Gesundheitspolitiker der beiden Regierungsfraktionen und der Länder sowie Wissenschaftler und Fachleute aus der medizinischen Selbstverwaltung und Verbänden teilnehmen, geht es auch um die Frage, wie man eigentlich den Personalbedarf am besten misst.

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