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Personalbedarf im Krankenhaus : Finde den richtigen Schlüssel!

Verdi setzte Personalschlüssel in Tarifvertrag durch

Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man betrachtet das ganze Krankenhaus und teilt je nach Bettenzahl eine feste Menge von zu besetzenden Vollzeitstellen zu. Oder man schreibt vor, wie viele Patienten eine Pflegekraft in einem bestimmten medizinischen Teilbereich während ihrer Schicht höchstens betreuen darf. Hilde Mattheis, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagt: „Das Terrain ist nicht einfach, weil es kaum Studien gibt. Es fehlen Daten zum Ist- und zum Soll-Zustand.“ Damit befassen sich jetzt die Wissenschaftler im Auftrag der Kommission: Sie sollen Beispiele liefern, wie man Personalquoten festlegen könnte. Bis Ende des Jahres soll ein Arbeitsbericht fertig sein.

Unabhängig vom politischen Ringen um feste Personalschlüssel hat Verdi berufspolitisch schon den bundesweit ersten Tarifvertrag durchgesetzt, in dem ein solcher Schlüssel festgelegt wurde – an der Charité in Berlin. Zuvor hatten die Pflegerinnen und Pfleger an der Landesklinik im vergangenen Jahr gestreikt. Sie erregten Aufsehen, weil sie nicht in erster Linie mehr Lohn, sondern mehr Kollegen erzwingen wollten. Im Tarifvertrag einigten sich Klinik und Gewerkschaft vor wenigen Wochen auf einen Kompromiss: Eine Pfleger-Patienten-Quote soll nur auf der Intensivstation gelten. Dort darf eine Pflegekraft künftig nur noch zwei Patienten versorgen. Die Gewerkschaft sieht das als Meilenstein, aber sie will noch mehr. Vorstandsmitglied Sylvia Bühler sagt: „Wir brauchen eine Lösung, und zwar auch für Normalstationen, nicht nur für Spezialbereiche.“

Krankenkassen üben Kritik

Doch wer soll die Zusatzkräfte bezahlen? „Was das kostenmäßig bedeutet, darüber ist in der Expertenkommission noch gar nicht geredet worden“, sagt SPD-Politikerin Mattheis. Nach Vorstellung von Verdi sollen die Krankenkassen, der Bund, die Länder und auch die Krankenhäuser das Ganze finanzieren. Es würden also hauptsächlich die Arbeitnehmer über ihre Kassenbeiträge und die Allgemeinheit über Steuern zur Kasse gebeten.

Weder die Krankenkassen noch die Kliniken sind begeistert von der Idee fester Schlüssel. Weil jede Klinik anders ist – wie beide sagen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen ist außerdem der Ansicht, man dürfe die Krankenhäuser nicht aus der Verantwortung entlassen, „mit den Geldern aus den Portemonnaies der Beitragszahler möglichst wirtschaftlich umzugehen“. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, ein Zusammenschluss von Spitzen- und Landesverbänden der Krankenhausträger, pocht vor allem darauf, dass Kliniken beim Einsatz von Personal flexibel bleiben müssen. Damit sie je nach Arbeitsmarktlage reagieren können.

Zukunft liegt in festen Quoten

Der Klinikkonzern Helios sähe in Quoten sogar einen Rückschritt und fordert „intelligentere Lösungen“. Reine Personalaufstockungen führten nicht automatisch dazu, dass die Patienten besser versorgt würden und die Mitarbeiter zufriedener seien. Die Geschäftsführung setze daher darauf, die Zusammenarbeit und die Qualifikation der Beschäftigten zu verbessern. „Denn schlecht organisierte Arbeit wird nicht besser, wenn sie von mehr Mitarbeitern geleistet wird.“ Ein Beispiel für eine schlaue Lösung könnte daher sein, die Aufgaben der Mitarbeiter klarer zuzuschneiden: Das würde den Job des Krankenpflegers attraktiver machen und die Qualität verbessern.

Aber die Zukunft gehört offenbar den festen Schlüsseln – fragt sich bloß, in welchem Umfang sie kommen. Die SPD-Politikerin Mattheis sagt, die Expertenkommission sei auf einem „guten, positiven Weg“, sich zu einigen. Für besondere Bereiche finden auch die Krankenkassen und Kliniken festgeschriebene Standards gut. Die Kassen hätten zudem nichts gegen die Vorschrift, dass nachts keine Pflegekraft allein auf der Station ist. Ein Schlüssel, und zwar einer von 1:1, ist übrigens schon jetzt festgelegt: Auf Frühgeborenenstationen muss von 2017 an für jeden Säugling ein Pfleger da sein.

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