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Deutsche Marine in der Krise : Seeblindheit mit Folgen

Soldaten schauen Ende August 2018 während der Rückkehr der Fregatte „Bayern“ nach Wilhelmshaven hinaus. Bild: Picture-Alliance

Der Preis eines Einsatzes am Persischen Golf wäre hoch. Die deutschen Seestreitkräfte arbeiten an ihrer Schmerzgrenze. Besserung kommt nur schleppend in Sicht.

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          Ja.“ Die Fragen aller Fragen beantwortete Vizeadmiral Andreas Krause vor einigen Tagen denkbar knapp: Könnte die Deutsche Marine am Persischen Golf einen Einsatz stemmen? Mehr noch: Könnte sie dort den Schiffsverkehr beobachten, wenn nötig Handelsschiffe durch die Straße von Hormuz eskortieren? Und im schlimmsten Fall gar sich gegen iranische Schnellbootschwärme wehren, die über das Wasser auf sie zurasen? Zu letzterer Frage ergänzte Krause auf seinem Lieblingsmedium Twitter: Die Einheiten der Marine würden für „mögliche hochintensive Szenarien in England (...) nach höchsten Maßstäben“ zertifiziert. Details werde er aber öffentlich nicht diskutieren. Die Geheimhaltungskarte spielte Krause aus gutem Grund. Schließlich lesen auch potentielle Gegner in den sozialen Medien eifrig mit. Die Botschaft des Marinechefs war aber auch so klar: Die Marine kann, und sie ist bestens vorbereitet.

          Solche Sätze lesen Politiker gerne. Selbst in Deutschland, wo Auslandseinsätze der Streitkräfte auch knapp acht Jahrzehnte nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs immer noch von vielen Bürgern mit einer gehörigen Grundskepsis begleitet werden. Mag eine Militärmission nur auf dem Reißbrett erwogen werden – können will Berlin ebenso wie London oder Paris, auch wenn man am Ende doch nicht will.

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