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Reaktion auf Pariser Attentat : „Pegida“ fühlt sich bestätigt

  • -Aktualisiert am

Auch in Köln wurde am vergangenen Montag gegen die angebliche „Islamisierung des Abendlandes“ demonstriert. Bild: dpa

Die Anti-Islam-Bewegung Pegida sieht sich durch den Terroranschlag in Paris in ihren Warnungen vor einer angeblichen Islamisierung bestätigt. Die AfD in Sachsen geht auf Tuchfühlung.

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          Bereits kurz nach den ersten Eilmeldungen über den mutmaßlich islamistischen Anschlag in Paris meldete sich das Organisationsteam der sogenannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) auf ihren Internetseiten zu Wort. „Einfach ungeheuerlich“, kommentierten sie die Nachricht, und die weitere Reaktion klang wie ein Beleg dafür, dass man doch recht gehabt habe: „Und nein, wir haben keine Probleme. Oder verschließen wir nur die Augen und wollen diese nicht sehen?“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Allerdings hatten die Themen Islamisierung und Glaubenskriege bei den jüngsten „Pegida“-Veranstaltungen eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch dem Anschlag eines islamistischen Terroristen in Sydney im Dezember schenkten die Organisatoren nur am Rande Beachtung und konzentrierten sich eher auf vermeintlich mehr Publikumszulauf bringende Themen wie Flüchtlinge, Asyl und Zuwanderung. Auch in dem 19 Punkte umfassenden Positionspapier des Bündnisses kommen die Wörter Islamismus oder Islamisten nicht vor.

          Nach dem Attentat in Paris ist davon auszugehen, dass „Pegida“ damit nun massiv für die Kundgebung am kommenden Montag mobilisieren wird. Bereits am Nachmittag stand auf der Pegida-Internetseite eine Erklärung der Organisatoren, in der sie „die Gewalttaten aufs Schärfste“ verurteilen und fragen, ob „eine solche Tragödie“ erst in Deutschland passieren müsse. Islamisten, vor denen man nun seit zwölf Wochen warne, seien nicht demokratiefähig und setzten auf Gewalt und Tod. „Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen“, behauptet „Pegida“ und fragt, ob „Frau Orosz und Herr Tillich immer noch am Samstag gegen Pegida demonstrieren“ wollten.

          Für kommenden Samstag haben Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (beide CDU) zu einer Kundgebung „für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog“ vor der Frauenkirche in Dresden aufgerufen.

          Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, interpretiert den Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ als Rechtfertigung für „Pegida“. „All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft“, sagte Gauland am Mittwoch. Der tödliche Angriff auf die Redaktion des französischen Satiremagazins sei ein Anschlag auf Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit.

          Er fügte hinzu: „Das Massaker von Paris zeigt auch, wie fragil und schutzbedürftig die Grundwerte unserer Gesellschaft sind. Vor diesem Hintergrund erhalten die Forderungen von „Pegida“ besondere Aktualität und Gewicht.“ Die etablierten Parteien sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie bei ihrer Haltung, „die Menschen von Pegida weiter zu diffamieren“, bleiben wollten.

          In Sachsen haben die AfD-Landtagsfraktion und das Pegida-Bündnis mögliche politische Gemeinsamkeiten ausgelotet. Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Frauke Petry bestätigte am Mittwochabend, dass ein ursprünglich für den Abend im Landtagsgebäude geplantes Treffen vorgezogen wurde und andernorts stattfand. Nach Angaben von Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel sollte es bei dem Gespräch um mögliche Schnittmengen gehen.

          Überden Verlauf wurde zunächst nichts bekannt. Einzelheiten sollen
          am  Donnerstag mitgeteilt werden. AfD-Chef Bernd Lucke hatte seine Partei zuvor zur Zurückhaltung ermahnt. Gespräche mit Pegida seien in Ordnung, das sei aber noch kein Schulterschluss, betonte er. Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland sieht die Pegida-Anhänger hingegen als natürliche Verbündete seiner Partei.

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