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Streit in der Führungsspitze : Ist Festerling zu radikal für Pegida?

  • -Aktualisiert am

Im April 2015 durfte Tatjana Festerling noch auf der Pegida-Demonstration auf dem Altmarkt in Dresden auftreten. Bild: dpa

In der Führung der Pegida gab es schon länger Streit zwischen zwei Fraktionen. Nach einem Redeverbot musste Tatjana Festerling nun die Bewegung verlassen.

          Schon seit Monaten war Pegida-Rednerin Tatjana Festerling montags nicht mehr zur Stelle, weshalb einige Demonstranten Plakate mit Aufschriften wie „Tatjana wo bist Du?“ und „Tatjana, wir vermissen Dich!“ bastelten. Eine Antwort darauf gab es bis Anfang dieser Woche nicht, und auch jetzt sprechen weder Bachmann noch Festerling das Thema direkt an. Für Aufklärung sorgte dagegen Edwin Wagensveld, ein Festerling-Vertrauter, Hogesa-Sympathisant und bei Pegida bisher als „Ed, der Holländer“ bekannt, der sich jetzt auf seiner Facebookseite bitter über Bachmann beklagte – allerdings auch, ohne ihn zu erwähnen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Demnach kam es in der Pegida-Spitze bereits im April zum Bruch – als Bachmann Festerling Redeverbot erteilt haben soll, weil sie ihm ihre Rede nicht zum Gegenlesen gegeben habe und er nicht wollte, dass sie über die Bilderberg-Konferenz spricht. Die Auseinandersetzung endete laut Wagensveld mit der Ansage Bachmanns an Festerling: „Wir haben einen Beschluss gefasst, dich wegen Pegida-Schädigung aus dem Verein auszuschließen.“ Schon länger hatten sich Festerling und Wagensveld da der Bewegung „Festung Europa“ angeschlossen, die eine europaweite Vernetzung rechtspopulistischer Initiativen versucht, bisher jedoch eher mäßigen Zulauf verbuchte.

          Und wo er schon mal dabei ist, rechnet Wagensveld gleich weiter mit der Pegida-Spitze um Bachmann ab, bezichtigt ihn und die Vereinsführung einer „Tirade aus Lügen, Unterstellungen und Verleumdungen“ um Festerling „als spaltende Selbstdarstellerin fertig zu machen“. Vor allem die Tatenlosigkeit Pegidas im Umfeld der Bilderbergkonferenz, die am vergangenen Wochenende in Dresden tagte, regt Ed, den Holländer auf: „Es ist sehr traurig, wenn jemand, der selber viel verspricht und nichts hält, keine eigenen Aktionen auf die Reihe bekommt trotz wochenlanger Vorbereitungszeit, dann andere sich den Arsch aufreißen ohne irgendwelchen Eigennutz, ins Lächerliche zieht“, schrieb er an Pegida gerichtet.

          Wagensveld und Festerling hatten mit gemeinsam mit drei Mitstreitern von „Festung Europa“, selbstgemalten Plakaten und nahezu ohne Resonanz vor dem eingezäunten Hotel protestiert, in dem die Bilderbergkonferenz tagte. Auf der Pegida-Demonstration am Montagabend wiederum hatte sich Bachmann, der am Wochenende offenbar lieber Fußball geschaut hatte, darüber lustig gemacht. „Vor der Sperrzone ein paar Plakate hochzuhalten und Parolen zu brüllen wurde als komplett sinnfrei erachtet.“ Im Übrigen hätte man „für eine spektakuläre Aktion professionelle Aktivisten, wie zum Beispiel die von Greenpeace“ gebraucht.

          Zuspruch für den Holländer

          Allerdings mangelt es Pegida nicht nur an Aktivisten, sondern auch an Rednern und Themen. In den vergangenen Wochen bestritten Bachmann und sein Co-Redner Siegfried Däbritz praktisch jede Demo allein; am Montag fehlte vor 2000 Zuhörern selbst der sonst übliche „Gastredner“, und nicht mal „Ramona“, die Frau, die am Ende der Kundgebung stets die Nationalhymne anstimmte, war zur Stelle. Auffallend war allenfalls, wie sehr Bachmann dem Thüringer AfD-Frakionschef Björn Höcke huldigte; erst kürzlich hatte sein Mitstreiter Däbritz bei einer AfD-Kundgebung in Erfurt gesprochen.

          Festerling, die sich bisher als besonders radikale Rednerin hervorgetan, auch zur Gewalt aufgerufen und viel Anklang gefunden hatte, äußerte sich selbst nicht zur Sache, veröffentlichte aber den Wutausbruch ihres Mitstreiters Wagensveld auf ihrer Internetseite, wo sie von ihren Anhängern viel Zuspruch und Bachmann scharfe Kritik erhielt.

          Für Bachmann dagegen scheint sich mit der Trennung abermals ein Problem gelöst zu haben. „Wem nützt es?“, fragt er auf seiner Facebookseite und suggeriert, Festerling habe sich vom System kaufen lassen. „Ich halte es wie beim letzten Mal, als das gleiche Symptom bei der ersten Frau bei Pegida auftrat.“ Gemeint ist damit seine einstige Mitstreiterin Kathrin Oertel, die den Verein im Januar 2015 verließ, nachdem Beschimpfungen Bachmanns gegenüber Flüchtlingen bekannt geworden waren. Wegen dieser muss sich der Pegida-Chef demnächst abermals vor Gericht verantworten. Bachmann selbst dagegen erklärte, sich bis auf weiteres „in Ruhe und absoluter Gelassenheit auf die gemeinsame Sache“ konzentrieren zu wollen.

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