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Pegida in Dresden : Polizisten müssen Demonstranten aufhalten

  • -Aktualisiert am

Pegida-Demonstration in den Dresden Bild: AFP

Die Organisatoren von Pegida verlieren die Kontrolle über wütende Demonstranten. In Dresden musste sich die Polizei hunderten Anhängern in den Weg stellen, die Richtung Zentrum vorstoßen wollten.

          Am Montagabend um kurz nach 20 Uhr droht die Lage in Dresden zu eskalieren: Einige hundert Menschen lösen sich aus der „Pegida“-Demonstration und schlagen den Weg in Richtung Zentrum ein. Sie wollen zum Postplatz ziehen, wo eine Gegendemonstration angemeldet ist. „Wir lassen uns nicht verarschen!“ und „Scheiß Staat!“ rufen die überwiegend jungen Männer, die von der Polizei „Straße frei!“ verlangen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Nur mit Mühe gelingt es den Beamten, die Menge zu stoppen. Von der gegenüberliegenden Seite flehen die Organisatoren von Pegida die Leute über Lautsprecher an, zurückzukehren. „Ihr gefährdet sonst unsere Sache!“, rufen sie ins Mikrofon. Nur weil die Polizei den Weg nicht freigibt, kehren die Abtrünnigen schließlich widerwillig um; von einigen werden die Personalien aufgenommen.

          In Regen und Schlamm

          Der Ärger war aufgekommen, nachdem die Demonstranten auf ihrem traditionellen „Abendspaziergang“ diesmal rund um das Dresdner Fußballstadion gelaufen waren und nun für die Abschlusskundgebung zum Ausgangspunkt ihrer Demo, der sogenannten Cocker-Wiese, zurückkehren sollten. Vor 30 Jahren hatte hier Joe Cocker in einer lauen Sommernacht ein umjubeltes Konzert gegeben, jetzt standen an gleicher Stelle bei Dauerniesel und Temperaturen um null Grad tausende Menschen buchstäblich im Regen und im Schlamm.

          Fahnen und Plakaten nach zu urteilen kamen sie abermals aus allen Teilen der Republik, darunter aus Hamburg, Bayern, Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Polizei gab nach Ende der Veranstaltung 18.000 Teilnehmer an, was etwa 500 Menschen mehr als bei der letzten Kundgebung vor zwei Wochen, beim „Weihnachtsliedersingen“ auf dem Theaterplatz, bedeuten würde.

          Weniger Teilnehmer

          Allerdings gibt es erhebliche Zweifel an dieser Schätzung. So waren diesmal sichtlich weniger Teilnehmer als vor drei Wochen anwesend, als Pegida an gleicher Stelle demonstrierte. Auch nahmen an der Abschlusskundgebung deutlich weniger Leute teil als an der Auftaktveranstaltung anderthalb Stunden zuvor, bei der laut Polizei 10.000 Leute anwesend gewesen waren. Die Dresdner Beamten erklärten die Differenz mit einem „erheblichen Zulauf“ nur während des „Abendspaziergangs“, und teilten zudem mit, dass sie die Zahlen jeweils nur „grob schätzen“ könne. Bereits in den vergangenen Wochen lagen die offiziell angegebenen Pegida-Teilnehmerzahlen Beobachtern zufolge zu hoch.

          Abgesehen davon ist jedoch klar, dass die sogenannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden nach wie vor große Menschenmengen anziehen, und angesichts des eingangs geschilderten Vorfalls stellt sich die Frage, wie lange die Organisatoren diese noch unter Kontrolle haben.

          Ordner verlieren die Kontrolle

          Der „Abendspaziergang“ des Bündnisses ist nicht mehr still, obwohl das noch immer propagiert wird. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ skandieren die Demonstranten unentwegt; die Ordner, die diese Rufe unterbinden sollen, haben diesbezüglich längst die Kontrolle verloren.

          Katrin Oertel, eine der Organisatorinnen, bittet die Teilnehmer deshalb zum Schluss noch einmal inständig, friedlich zu bleiben. Zuvor hatte jedoch auch sie kräftig Stimmung gemacht, indem sie etwa ankündigte, dass der Umgang der Politik mit Pegida bei den Teilnehmern allmählich in Wut umschlage. Diese richtete sich neben der „Lügenpresse“ vor allem gegen Angela Merkel, die in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen hatte, Pegida nicht zu folgen. Dieser Aufruf gleiche politischer Verfolgung und zeige, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit gebe, erklärte Oertel unter großem Beifall.

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