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Umfrage : Ein Drittel der Westdeutschen teilt Pegida-Positionen

  • Aktualisiert am

Pegida-Demonstration in Dresden am 15. Dezember. Bild: AP

Vor der nächsten Demonstration der Anti-Islam-Bewegung Pegida am 22. Dezember in Dresden ergibt eine neue Umfrage ein überraschendes Ergebnis. Die Forderungen stoßen nicht nur in Ostdeutschland auf Zustimmung.

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          Die Anti-Islam-Bewegung Pegida findet im Westen fast genauso große Zustimmung wie in Ostdeutschland. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 36 Prozent der befragten Bürger im Osten, sie fänden es gut, dass jemand auf Fehler in der Asylpolitik aufmerksam mache und sich gegen den Islamismus ausspreche. Im Westen waren es 33 Prozent.

          Die Befragten im Osten sehen die Bewegung allerdings stärker in der Mitte des politischen Spektrums: 36 Prozent verorten sie in der Mitte, im Westen sind es 27 Prozent. Dafür halten 45 Prozent der Westdeutschen „Pegida“ für rechts oder extrem rechts, von den Ostdeutschen sagen das nur 41 Prozent.

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) rät zu einem differenzierten Blick auf die Teilnehmer der „Pegida“-Demonstrationen. „Es gibt bei den Demonstranten Rechtsextreme und Ewiggestrige, aber eben auch Bürger, die unzufrieden sind oder Angst haben um ihre Zukunft“, sagte Bouffier der „Frankfurter Rundschau“. Mit jenen, die einfach nur unzufrieden sind oder Angst haben, sollten Politiker ins Gespräch kommen, wenn diese dafür offen seien.

          Bouffier kritisiert Pro-Putin-Parolen

          „Ängste nimmt man nicht, indem man sie ignoriert“, sagte Bouffier. Wichtig seien klare Botschaften. „Für Dumpfbackenparolen, Intoleranz und Gewalttätigkeit kann es keinen Rabatt geben und auch kein Verständnis“, sagte der CDU-Politiker.

          Dass die „Pegida“-Initiative insbesondere im ostdeutschen Dresden Zulauf findet, kann aus Sicht des hessischen Ministerpräsidenten „nicht nur Zufall sein“. Bouffier verwies auf die Geschichte der DDR, deren Bevölkerung kaum Kontakt zu Ausländern gehabt habe.

          Bei einem Teil der Demonstranten wirke die DDR nach. „Allein die Forderung: Putin, hilf uns! Da muss man sich doch an den Kopf greifen“, sagte der CDU-Politiker mit Verweis auf Parolen, die sich an den russischen Präsidenten Wladimir Putin richten.

          Auch in Rostock soll es Anfang kommenden Jahres eine der umstrittenen anti-islamischen Demonstrationen geben. Für den 12. Januar ist eine Demonstration unter dem Titel „Rostocker gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Rogida) mit 300 Teilnehmern angemeldet, wie die Stadtverewaltung am Freitag bestätigte. Es lägen auch schon Anmeldungen von Gegenveranstaltungen vor.

          Weit weniger Ressentiments als früher

          Unlängst hatte eine Studie des Allensbach-Instituts ergeben, dass es in der deutschen Bevölkerung durchaus Ressentiments gegen Asylbewerber gibt, diese aber weit weniger ausgeprägt sind als zu Beginn der neunziger Jahre. Damals waren 37 Prozent grundsätzlich bereit, eine Bürgerinitiative gegen die Einrichtung eines Asylbewerberheimes mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Eine Allensbacher Untersuchung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung weist diesen Anteil für 2014 noch mit 24 Prozent aus.

          Heute halten Allensbach zufolge 87 Prozent der Befragten eine Aufnahme von Asylbewerbern für gerechtfertigt, wenn in ihrem Heimatland Krieg oder Bürgerkrieg herrschen, 77 Prozent bei einer Verfolgung aus politischen Gründen, zwei Drittel bei einer Verfolgung aus religiösen Gründen. Knapp zwei Drittel halten auch eine Hungerkatastrophe in dem Herkunftsland für einen hinreichenden Grund, 53 Prozent eine schwere Naturkatastrophe.

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