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Pegida-Protest in Köln : Nur ein versprengtes Häuflein

Aus Protest gegen „Kögida“ wurde die Beleuchtung des Doms abgeschaltet Bild: dpa

In Köln kommen nur einige hundert Demonstranten zum lokalen Pegida-Ableger „Kögida“. Sie fordern „Kartoffeln statt Döner“. Tausende Gegendemonstranten verhindern den geplanten Zug durch die Stadt, die aus Protest weitgehend verdunkelt ist.

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          Es ist gar nicht mehr so einfach, sich im „Pegida“-Dadaismus dieser Wochen zurechtzufinden. Neben dem Original in Dresden („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) gibt es mittlerweile quer durch Deutschland allerhand lokale Remake-Versuche, die auf „-da“ enden. Es sind bisher allerdings recht überschaubare Versammlungen. Zu „Dügida“ in Düsseldorf kamen wie ebenfalls im Dezember zu „Bogida“ in Bonn nur einige hundert Teilnehmer. Seit neuestem gibt es nun auch „Kögida“.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bei der Gruppe handelt es sich aber nicht um eine Abspaltung von Düsseldorfer „Pegida“-Anhängern, die es vorziehen, künftig ausschließlich auf der Düsseldorfer Luxusmeile Königsallee zu demonstrieren. Vielmehr soll „Kögida“ für „Köln gegen die Islamisierung des Abendlands“ stehen. Das ist freilich wieder nur so eine steile Behauptung, weil sich am Montagabend vor dem Bahnhof in Köln-Deutz eben nicht „Köln“, sondern nur ein versprengtes Häuflein einfindet. Manche Gesichter kennt man mittlerweile aus Bonn und Düsseldorf. Das Pegida-Protestpersonal scheint recht knapp zu sein im Rheinland. Es leuchtet schnell ein, dass „Dügida“-, „Bogida“- und „Kögida“-Montagsdemonstrationen einstweilen nicht zeitgleich stattfinden können.

          Erstaunlich ist dafür die Bandbreite der mitunter offen dadaistischen Slogans auf den Transparenten und Plakaten der Anti-Islam-Bewegten. „Kartoffeln statt Döner“, hat eine Frau auf eine Pappe geschrieben. Eine andere Frau hält ein mit Leuchtdioden aufwändig illuminiertes Schild in den Kölner Nachthimmel. Auf der Vorderseite des Schilds steht: „Lieber Mischpoke, als gar kein Hirn“. Auf der Rückseite heißt es: „Kögida grüßt Deppendorf“. Hat die nicht nur zu Karnevalszeiten mit Leidenschaft und Humor gepflegte Lokalrivalität zwischen Köln und Düsseldorf also auch irgendetwas mit dieser Islamisierung zu tun? Rätsel über Rätsel! Höchst beunruhigende Rätsel!

          „Hogesa“ darf sich nicht wiederholen

          Die Kölner Polizei muss „Kögida“ natürlich trotzdem ernst nehmen – allein schon, weil in Deutschland selbstverständlich jeder das Recht hat zu demonstrieren. Nur friedlich muss es dabei bleiben. Ende Oktober war es bei einer Demonstration der „Hooligans gegen Salafismus“ (Hogesa) vor dem Kölner Hauptbahnhof zu schweren Ausschreitungen gekommen. Beinahe 50 Beamte waren von „Hogesa“-Demonstranten verletzt worden. Mit viel zu wenig Kräften war die Polizei damals im Einsatz. Etwas Ähnliches soll sich nicht wiederholen – auch wenn die Sicherheitsbehörden nur wenige Überschneidungen zwischen „Hogesa“ und „Kögida“ sehen.

          Allerdings bringen sich die „Kögida“-Demonstranten dann auf dem Deutzer Bahnhofsvorplatz nicht nur mit „Wir sind das Volk“, sondern auch mit dem von rechtsextremen Hooligans bekannten Ruf „Lügenpresse, auf die Fresse“ in Stimmung. Über Lautsprecher goutiert das der „Kögida“-Organisator ausdrücklich: „Lügenpresse, halt die Fresse! Richtig. Absolut korrekt.“

          Friedliche Gegendemonstration

          Wie viele Beamte am Montagabend im Einsatz sind, um die schließlich zwischen 300 und 500 „Kögida“-Leute von gewaltbereiten Gegendemonstranten zu trennen, will der Sprecher der Polizei aus einsatztaktischen Gründen nicht verraten. Jedenfalls gelingt es einer Hundertschaft dann ohne größere Mühe, rund hundert schwarzgekleidete, gewaltbereite, mit Knüppeln und Flaschen bewaffnete Personen aus dem linksextremen Spektrum zurückzudrängen, bevor sie in Sicht- oder Hörweite der „Kögida“-Veranstaltung kommen.

          In Köln gibt es eine lange Tradition des friedlichen Protests gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Auch am Montag haben sich viele tausend Menschen an mehreren Orten in der Stadt gegen „Kögida“ versammelt. Schon um 19.20 Uhr sagt der „Kögida“-Organisator den sogenannten Spaziergang ab, der die selbsternannten Retter des Abendlandes über den Rhein bis zum Kölner Dom hätte führen sollen. Die Polizei habe abgeraten, das Gedränge der Gegendemonstranten sei zu groß. Einige „Kögida“-Leute maulen. Die Gegendemonstranten reagieren mit Jubel.

          Vielleicht wäre es aber auch einmal einen Versuch wert gewesen, den versprengten „Pegida“-Haufen in Köln vollendet auflaufen zu lassen. Selten waren die Voraussetzungen dafür so gut wie am Montag: Schließlich war das Kölner Panorama aus Protest gegen „Kögida“ weitgehend verdunkelt. Vor dem verdunkelten Dom hätte der merkwürdige Zug der selbsternannten Retter des Abendlands dann just gegen 21 Uhr sein Ende finden können. Ein weiteres starkes Zeichen kam zu jener Stunde hinzu: Die größte Glocke des Doms läutete das Hochfest Epiphanias ein, begrüßte die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland, die einst gekommen waren, um Jesus, dem Flüchtlingskind in der Krippe, zu huldigen.

          Jeder, dem es von Herzen Ernst ist mit dem christlichen Abendland, weiß freilich nicht nur an Dreikönig, dass ziemlich viel Morgenland steckt in diesem Abendland.

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