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Konfrontation in Dresden : Gegendemo stoppt „Pegida“-Marsch

  • -Aktualisiert am

In Dresden ziehen am Abend tausende Demonstranten durch die Straßen Bild: dpa

Erstmals haben sich Demonstranten in den Dresden den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in den Weg gestellt. Die Demonstranten bekommen Zulauf - trotz der kriminellen Vergangenheit ihres Anführers.

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          Um kurz vor 20 Uhr am Montagabend geht nichts mehr am Dresdner Terrassenufer. Auf der einen Seite fließt gemächlich die Elbe, auf der anderen Seite erheben sich die Mauern der Brühlschen Terrasse. Auf der zweispurigen Straße dazwischen steht die siebte Demonstration des „Pegida“-Bündnisses („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) und kommt nicht weiter.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Abermals sind an diesem Montag mehr Leute dem Aufruf der Organisatoren gefolgt, die Polizei wird später von 7500 Menschen sprechen. Gut 100 Meter entfernt haben sich jedoch rund 400 Gegendemonstranten auf die Straße gesetzt. Dazwischen stehen etwa 50 Polizeibeamte und versuchen, beide Seite auseinanderzuhalten.

          Brandgefährliche Situation

          Für eine halbe Stunde geht gar nichts mehr, dann schlägt „General Winter“ zu. Es ist der erste kalte Wintertag der Saison in Dresden mit Minusgraden und einem eisigen Wind, der Anhänger beider Seiten frieren lässt. Nach kurzer Absprache mit der Polizei fordert „Pegida“-Organisator Lutz Bachmann per Megafon „seine“ Demonstranten zur Umkehr auf. Ein kleiner Teil von ihnen folgt der Anweisung, der weitaus größere Teil allerdings bleibt stehen und skandiert, die Deutschland-Fahnen und Transparente fest im Wind: „Wir bleiben hier!“

          Für den 41 Jahre alten Bachmann wird die Situation jetzt brandgefährlich: Kann er die Menge unter Kontrolle halten? Wird er die Geister, die er rief, weiter bändigen können? Während der Auftaktkundgebung etwa eine Stunde zuvor hat er erstmals seit sieben Wochen nicht seine „Acht Forderungen“ verlesen, die sich gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ richten. Abgesehen davon, dass Bachmann gleich noch sehr unangenehme Dinge in eigener Sache beichten muss, war schon in den Wochen zuvor bei der Demo immer weniger vom Islam und von Islamisten die Rede gewesen, stattdessen traten die Themen Asyl, Flüchtlinge und Zuwanderer in den Mittelpunkt.

          Unter den Teilnehmern befinden sich auch zahlreiche Rechtsextreme

          Es sind Stichworte, mit denen sich derzeit in Deutschland Menschen mobilisieren lassen. Stolz zählt Bachmann vor der Menge auf, wo überall in Deutschland sich am gleichen Abend Leute zu ähnlichen Demonstrationen zusammenfinden oder diese planen: Kassel, Leipzig, Düsseldorf, Ostfriesland, München, Rostock, Magdeburg, Würzburg, Braunschweig, Bonn. „Wir sind das Volk!“, ruft die Menge daraufhin.

          Anschließend fordert Bachmann „die vom Volk gewählten Politiker“ auf, sich wieder „den wirklichen Problemen in unserem Land“ zuzuwenden. Zu diesen zählt er „die unselige Asylpolitik und die kriegstreibende Außenpolitik unserer Bundesregierung“ sowie die angeblich fehlende Versorgung von Rentnern, Armen und Obdachlosen. O-Ton: „Es gibt Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet haben und sich an Weihnachten trotzdem kaum ein Stück Stollen leisten können, die in einer kalten Wohnung sitzen oder keinen Strom haben.“ – „Pfui!“ und „Buh!“ skandieren die Demonstranten.

          Deutsche nagen am Hungertuch?

          Zwei Sätze später ist Bachmann bei „Menschen in unserem Land, die auf der Straße leben müssen und nicht genug zu essen haben. Für diese werden keine Heime eingerichtet, geschweige denn über eine dezentrale Unterbringung mit Vollausstattung diskutiert.“ Er sagt das tatsächlich so, und die Menge reagiert empört. Man kenne das ja, so ist zu hören: Während Asylbewerber Zucker in den Arsch geblasen kriegten, müsse das eigene Volk am Hungertuch nagen.

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